Im Winter

Biathlon
Die Kombination aus Skilanglauf und Schießen fasziniert Winter für Winter die Massen, auch in Deutschland. Der Biathlon gehört im Fernsehen zu den beliebtesten Sportarten und erzielt regelmäßig gute Millionen-Quoten. Was natürlich auch an den zahlreichen deutschen Erfolgen liegt. Die deutschen Skijäger*Innen gehören seit Jahrzehnten zu den besten Nationen, und das bei Frauen und Männern. Die drei erfolgreichsten Nationen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sind Deutschland, Norwegen und Russland. Ungekrönter „König der Biathleten“ ist der Norweger Ole Einar Björndalen, der achtmal Olympiasieger und elfmal Weltmeister wurde. Ihm auf den Fersen ist allerdings sein Landsmann Johannes Thingnes Bö, der bereits fünfmal Gold bei Olympischen Spielen und sieben WM-Goldmedaillen gesammelt hat. Doch auch die Deutschen tauchen in den Ranglisten in den Top 10 auf. Ricco Groß, Sven Fischer (je 4), Mark Kirchner und Michael Greis (je 3) haben die deutsche Fangemeinde bei Olympischen Spielen jubeln lassen. Bei den Frauen allen voran Kati Wilhelm, die dreimal olympisches Gold gewann und damit die Nummer zwei im ewigen Ranking hinter Darja Domratschewa aus Belarus ist. Am Schießstand spielten sich aber auch menschliche Dramen ab. Unvergessen das Missgeschick von Simone Greier-Petter-Memm bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer. Die Jenaerin übernahm in der Frauen-Staffel als dritte Läuferin in Führung liegend, doch mit ihren insgesamt 16 Patronen traf sie lediglich vier Scheiben und musste nach Liegend- und Stehendschießen jeweils dreimal in die Strafrunde. Statt des möglichen Goldes gab es am Ende nur Silber. Bei den ersten Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix wurde auch ein Militärpatrouillenlauf ausgetragen, dieser gilt als Vorgänger des heutigen Biathlons. 1928, 1936 und 1948 fand dieser Lauf nochmals als Demonstrationssportart statt, ehe Biathlon 1960 in Squaw Valley dann erstmals unter dem neuen Namen ins olympische Programm aufgenommen wurde. 1992 in Albertville betraten dann auch die Frauen die Bühne. Inzwischen sind es insgesamt elf Wettbewerbe, je fünf bei Frauen und Männern sowie eine Mixedstaffel. Die Athletinnen und Athleten müssen je nach Rennlänge zweimal oder viermal schießen, benutzt wird ein circa vier Kilogramm schweres Gewehr, die fünf Scheiben sind auf der Schießanlage 50 m entfernt. Wird eine Scheibe verfehlt, muss der Schütze oder die Schützin in eine Strafrunde über 150 m. Einzige Ausnahme: In den beiden Einzelrennen der Männer (20 km) und Frauen (15 km) wird für jeden Fehlschuss eine Strafminute zur Laufzeit hinzugerechnet. In den Staffeln haben die Läuferinnen und Läufer die Chance, dreimal nachzuladen. Sollten dann immer noch nicht alle Scheiben getroffen worden sein, geht es in die Strafrunde.
Bob
Der Bobsport hat in Deutschland eine lange Tradition. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten zunächst Engländer die ersten Bob-ähnlichen Gefährte. Deutscher Pionier war Carl Benzing, der im Jahr 1901 im thüringischen Kurort Friedrichroda einen Stahlbob mit Lenkung baute. Der von ihm Schwarzer Peter genannte offene Fünferbob gilt als der erste richtige deutsche Bob. Seit den ersten Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix gehört der Bobsport zum Programm, die Frauen kamen erst 2002 in Salt Lake City dazu, weitere 20 Jahre später in Peking feierte der Monobob der Frauen sein Debüt. Von Beginn an mischten die deutschen Pilotinnen und Piloten im Kampf um Hundertstel- und Tausendstelsekunden kräftig mit. So war Anderl Ostler der erste, der 1952 bei den Winterspielen in Helsinki Doppel-Olympiasieger werden konnte. 2022 in Peking gelang es Francesco Friedrich mit seinem zweiten Doppelsieg in Folge, durch insgesamt vier olympische Triumphe mit Andre Lange gleichzuziehen. Mehr olympisches Gold hatte bis dahin noch kein anderer Pilot gewonnen. Überhaupt liegt Deutschland in der Bilanz bei den drei großen internationalen Meisterschaften (Olympia, WM und EM) mit deutlichem Vorsprung auf Platz eins. Dafür sorgten neben Friedrich und Lange weitere große Namen wie Meinhard Nehmer, Wolfgang Hoppe und Christoph Langen bei den Männern sowie Sandra Kiriasis und Mariama Jamanka bei den Frauen. In Peking 2022 ging der Stern von Laura Nolte auf. Bei der Schussfahrt durch Kurven und Schikanen werden Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern sowie Fliehkräfte von bis zu 5G erreicht. Die Sicherheit steht bei den Verantwortlichen jedoch ganz oben auf der Liste, das gilt auch für die deutschen Bahnen, die fest zum jährlichen Weltcupkalender gehören. Während dies für Winterberg und Altenberg auch weiterhin gilt, werden auf der weitgehend zerstörten Bahn in Königssee nach einem gewaltigen Erdrutsch 2021 derzeit keine Rennen gefahren. Die erste Kunsteisbahn der Welt soll jedoch bis zur Saison 2025/26 wieder aufgebaut sein. Während bei Weltcuprennen jeweils nur zwei Durchgänge gefahren werden, sind es bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften jeweils vier Läufe. Es gewinnt die Pilotin oder der Pilot mit der niedrigsten Gesamtzeit. Der Zweierbob der Männer darf im Rennen mit Besatzung maximal 390 kg schwer sein, der Bob der Frauen 340 kg. Der Vierer, in dem seit 2014 gemischte Teams fahren dürften, darf die Grenze von 630 kg nicht überschreiten.
Curling
Curling, das Schach auf dem Eis, erlebt seine Blütezeit immer während Olympischer Winterspiele. Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben diesen faszinierenden Sport, bei dem es um Taktik und Präzision geht, in ihr Herz geschlossen und sorgen für hohe Einschaltquoten. Die Wurzeln der Sportart reichen zurück in die Anfänge des 16. Jahrhunderts und liegen in Schottland. Von dort kommen auch heute noch die meisten Curlingsteine. Das Sportgerät aus Granit wiegt gut 17 kg. Curling fand schnell den Weg nach Kanada, wo es mit mehr als 800.000 Vereinsmitgliedern heute die meisten Curlingspielerinnen und -spieler gibt. In Deutschland fristet Curling dagegen eher ein Schattendasein. Mit rund 750 aktiven Curler*innen ist der Verband an Position 65 der zweitkleinste deutsche Sportverband. Dennoch kann der Deutsche Curling-Verband (DCV) durchaus auf internationale Erfolge verweisen. Herausragend ist die Bilanz von Andrea Schöpp aus Rießersee, die 1988 und 2010 jeweils WM-Gold gewann, zudem wurde sie siebenmal Europameisterin. 1992 in Albertville gewann Andrea Schöpp zudem Gold im olympischen Demonstrations-Wettbewerb. Bei den Männern holte der Füssener Andy Kapp zweimal den EM-Titel und wurde bei Weltmeisterschaften zweimal Zweiter sowie dreimal Dritter. Bei Olympischen Spielen jedoch gelang den deutschen Teams bislang noch nie der Sprung aufs Treppchen. Nach dem einmaligen Auftritt auf der olympischen Bühne 1924 in Chamonix dauerte es bis 1998 in Nagano, bis der Sport für Frauen und Männer wieder ins Programm aufgenommen wurde. 2018 kam als dritter Wettbewerb das Mixed Doubles hinzu. Die Curlingbahn (sheet) hat eine Länge von knapp 46 Metern. Die vierköpfigen Mannschaften werden von ihrer Kapitänin oder ihrem Kapitän, dem Skip, angeführt. Ziel ist es, möglichst viele Steine so nahe wie möglich ins Zentrum des Hauses zu bringen. Dabei dreht sich der Stein (er curlt) oftmals nur langsam Richtung Zentrum, die Mitspieler*innen können dabei mit ihren Besen das Tempo des Steins durch Wischen beeinflussen. Das Haus besteht aus dem Mittelpunkt sowie drei Kreisen in den Farben Rot, Weiß und Blau (von innen). Ein Team erhält für jeden Stein, der näher als der beste der gegnerischen Mannschaft am Zentrum liegt, einen Punkt. Ein Durchgang mit jeweils acht Steinen pro Team wird End genannt. Gespielt werden bei internationalen Meisterschaften zehn Ends, bei Gleichstand geht es in ein Extra-End, und zwar so lange, bis eine Entscheidung gefallen ist. Ist der Vorsprung einer Mannschaft sehr groß, kann die Partie schon früher vom unterlegenen Gegner beendet werden.
Eishockey
Die schnellste Mannschaftssportart der Welt erfreut sich in Nordamerika und Europa großer Beliebtheit. Als das Mutterland des Sports gilt Kanada, das gemeinsam mit Russland auch die erfolgreichste Nation ist. In Deutschland gehört Eishockey zu den beliebtesten Sportarten hinter dem dominierenden Fußball.  Auch die Nationalmannschaft besitzt einen hohen Stellenwert. Besonders in der jüngeren Vergangenheit hat sich dieser durch herausragende Erfolge erhöht. So gewann die Mannschaft 2023 als Zweite hinter Kanada erstmals nach 70 Jahren wieder eine WM-Medaille. Fünf Jahre zuvor hatte das Team in PyeongChang ein Wintermärchen geschrieben. Bei den Olympischen Spielen in Südkorea wurde der Siegeszug des DEB-Teams erst im Finale gestoppt. Dort unterlag man Russland in der Verlängerung. Es war die erste deutsche Silbermedaille überhaupt bei Olympischen Spielen nach zuvor zweimal Bronze 1932 sowie 1976. Auch in Innsbruck 42 Jahre zuvor galt die Medaille als eine Sensation. An beiden Erfolgen nicht beteiligt war Leon Draisaitl. Der Kölner stand der Mannschaft wegen seines Engagements in der nordamerikanischen Profiliga NHL nicht zur Verfügung. Draisaitl gilt als bester deutscher Eishockeyspieler aller Zeiten, bei den Edmonton Oilers erzielt der Stürmer bei Toren und Vorlagen überragende Quoten. 2020 wurde er zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt und wurde bereits mehrmals in das Allstar-Team der besten Liga der Welt berufen. Für ein sportliches Wunder hatten 1980 bei den Winterspielen in Lake Placid auch die USA gesorgt. In der damaligen Finalrunde gewannen die US-Boys beim „Miracle on Ice“ gegen die als unschlagbar geltende UdSSR mit 4:3 und sicherten sich damit am Ende auch die Goldmedaille. Es war das Duell zwischen College-Amateuren und Staats-Amateuren, noch in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele hatten die USA gegen die Sowjetunion 3:10 verloren. Die Spielzeit im Eishockey beträgt dreimal 20 Minuten, wobei die Zeit bei Unterbrechungen angehalten wird. Gibt es nach 60 Minuten keine Entscheidung, wird das Spiel um fünf Minuten verlängert. Fällt auch dann keine Entscheidung, kommt es zum Penaltyschießen. Die Teams bestehen aus einer Torfrau oder Torwart sowie sechs weiteren Spielerinnen und Spielern. Während der Begegnung kann unbegrenzt gewechselt werden. Es können für Fouls verschiedene Strafen ausgesprochen werden, von der Zwei-Minuten-Strafe bis zur Matchstrafe mit anschließender Sperre. Bei einer Zwei-Minuten-Strafe befindet sich die betroffene Mannschaft über diesen Zeitraum in Unterzahl. Sollte der Gegner in dieser Zeit einen Treffer erzielen, endet die Strafe unverzüglich.
Eiskunstlauf
Der Eiskunstlauf ist der „Schöngeist“ unter den Wintersportarten. Künstlerischer Ausdruck, Grazie und Anmut gehören neben dem technischen Können zum Rüstzeug. Die Sportart ist die erste aus dem Winterbereich, die schon vor den ersten Olympischen Spielen 1924 ihre Premiere feierte. 1908 in London wurden bereits vier Entscheidungen ausgetragen, 1920 in Antwerpen waren es dann drei. Schon vor dem Jahrhundertwechsel hatten zwei Deutsche Eiskunstlauf-Geschichte geschrieben. Erster Europameister wurde 1891 Oskar Uhlig, fünf Jahre später gewann Gilbert Fuchs bei der ersten Weltmeisterschaft ebenfalls Gold. Bei Olympischen Spielen ließ der deutsche Premierensieg dagegen länger auf sich warten. 1960 gewann Manfred Schnelldorfer die bislang einzige deutsche Goldmedaille bei den Männern, bei den Frauen gab es zwischen 1980 und 1988 drei Triumphe in Folge durch die frühere DDR. Zunächst siegte Anett Pötzsch, dann folgten die beiden großen Erfolge von Katarina Witt. Die Läuferin aus Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) bezauberte das Publikum mit ihrer großen Ausstrahlung, die Silbe „Kunst“ brachte Witt perfekt zur Geltung. Unvergessen ihr zweiter Olympiasieg 1988 in Calgary, als sie sich im Duell mit der US-Amerikanerin Debi Thomas souverän durchsetzte. Beide liefen ihre Kür zur Musik von George Bizets Carmen. Unvergessen ist auch die sensationelle Kür der britischen Eistänzer Jayne Torwill und Christopher Dean. Zum Bolero von Maurice Ravel setzte das Paar neue Maßstäbe, es erhielt in der B-Note für den künstlerischen Ausdruck neun von zehnmal die Höchstnote 6,0. Während die Konkurrenzen der Damen, Herren und im Paarlauf von Beginn an im olympischen Programm waren, folgte der Eistanz erst 1976 in Innsbruck. Im Unterschied zum Paarlauf gibt es im Eistanz keine Sprünge. Im Regelwerk gab es zahlreiche Veränderungen, dies betrifft vor allem das Format und die Benotung. Bis 1988 gab es in den Einzelkonkurrenzen die drei Komponenten Pflicht, Kurzprogramm und Kür, ab 1992 fiel die Pflicht weg. Olympiasieger*in wurde Die- oder Derjenige, der in der Summe der jeweiligen Platzierungen aus Kurzprogramm und Kür den niedrigsten Wert hatte. Ab 2006 in Turin änderte sich auch dies. Um der Subjektivität bei der Notengebung entgegenzuwirken, wurde ein neues Wertungssystem eingeführt, dass das traditionelle 6,0-System ablöste. Fortan werden die einzelnen Elemente je nach Qualität der Ausführung mit Punkten versehen. So ergibt sich nach Kurzkür und Kür eine Gesamtzahl, die über die Platzierung entscheidet. Gleichzeitig wurde eine Rekordliste eingeführt. Mit dem Einsatz eines digitalen Videosystems im Wettkampf sind die Preisrichterinnen und Preisrichter zudem in der Lage, Elemente wiederholt zu betrachten und damit objektiver zu bewerten.
Eisschnelllauf
Der Eisschnelllauf wurde in Deutschland Ende der sechziger Jahre aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Dafür sorgte ein Modellathlet aus dem schwäbischen Günzburg: Erhard Keller. Der Newcomer ließ Ende 1967 mit einem 500-m-Weltrekord aufhorchen, 1968 in Grenoble wurde Keller dann über seine Spezialstrecke als erster deutscher Läufer Olympiasieger. Mit seinem Coup löste er in seiner Heimat einen Boom aus. Vier Jahre später in Sapporo wiederholte Erhard Keller seinen goldenen Triumph. Der Eisschnelllauf erlebte in der Folgezeit seine Blütezeit, bedingt auch durch zahlreiche Weltklasseläuferinnen und -läufer aus der damaligen DDR. Die Liste der Erfolge ist ellenlang, doch einige Namen ragen heraus: Karin Kania, Christa Rothenburger, Gunda Niemann-Stirnemann, Anni Friesinger und Claudia Pechstein. Die Berlinerin Pechstein avancierte mit fünf Goldmedaillen zu Deutschlands erfolgreichster Winter-Olympionikin, ehe sie 2022 von Rennrodlerin Natalie Geisenberger (6) übertrumpft wurde. Bei den Männern gelang neben Erhard Keller nur noch Uwe-Jens Mey das Gold-Double über 500 m (1988 und 1992). Eisschnellläuferin des Jahrhunderts aber ist Gunda Niemann-Stirnemann. Die Erfurterin lief ihre Konkurrenz lange Zeit in Grund und Boden, sie sammelte neben ihren acht Olympiamedaillen (3-4-1) 19-mal WM-Gold und achtmal EM-Gold. Niemann-Stirnemann triumphierte zudem in 98 Weltcuprennen. 2019 wurde sie als erste Eisschnellläuferin in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen. Zum Eisschnellläufer des Jahrhunderts wurde Eric Heiden ernannt. Der US-Amerikaner brachte 1980 in Lake Placid das Kunststück fertig, alle fünf Strecken zu gewinnen – und zwar die 500, 1000, 1500, 5000 sowie die 10.000 m. Aufgrund der späteren Spezialisierung auf eine Strecke ist dies in heutiger Zeit nicht mehr denkbar. Der Eisschnelllauf gehört seit der ersten Austragung 1924 zum olympischen Programm, die Frauen folgten 1960. International finden seit 1996 jährlich Einzelstrecken-Weltmeisterschaften statt, alle zwei Jahre werden Weltmeisterschaften im Sprint und im Mehrkampf ausgetragen. Zudem findet alljährlich der Weltcup mit maximal zwölf Stationen statt. Gelaufen wird bei internationalen Wettkämpfen auf 400-m-Bahnen. Im Verlauf eines Duells wechseln die Läuferinnen und Läufer in jeder Runde auf der Wechselgeraden überkreuz die Bahn. Damit wird die Länge der gelaufenen Strecke nach jeder Runde ausgeglichen. Erweitert wurde auch das olympische Programm durch die Teamverfolgung (seit 2006) und den Massenstart (2018). Beim Massenstart treten bis zu 30 Läuferinnen und Läufer gleichzeitig gegeneinander an. Der Start erfolgt gestaffelt, es müssen 16 Runden zurückgelegt werden. Alle vier Runden wird ein Sprint durchgeführt. Den jeweils ersten drei Läuferinnen und Läufern jedes Sprints werden Punkte gutgeschrieben. Wertungspunkte und die gemessene Zeit entscheiden am Ende über die Sieger*innen. In der Teamverfolgung treten jeweils zwei Dreier-Mannschaften gegeneinander an. Die Distanz beträgt für Frauen sechs Runden (ca. 2310 m) und für Männer acht Runden (ca. 3080 m). Der Sieg geht an die Mannschaft, die als erste mit allen drei Läufer*innen die Ziellinie überfährt.
Nordische Kombination
Die Nordische Kombination galt lange als die Königsdisziplin des Wintersports, der Spagat zwischen den beiden Teildisziplinen Skispringen und Skilanglauf erfordert einen gewaltigen Trainingsaufwand. Heute droht dieser Sportart allerdings das Aus bei Olympischen Spielen. Weil für 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo erneut keine Wettbewerbe für Frauen zugelassen werden, droht auch den Männern der K.o. durch das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die Sportart wird damit die vom IOC geforderte Gender-Gleichheit nicht erreichen. Es ist die einzige Sportart im olympischen Programm ohne Frauen. Zwar werden bereits seit 2020 Weltcuprennen ausgetragen, auch gehören die Frauen seit 2021 im kleinen Rahmen zum WM-Programm. Doch es nehmen nur Athletinnen aus zehn Nationen - ausschließlich aus Europa - teil, damit können die Anforderungen des IOC nicht erfüllt werden. Die Nordische Kombination wird bei den Männern nur von wenigen Nationen beherrscht: Norwegen, Deutschland, Österreich, Finnland sowie Japan. Gerade die Norweger haben dem Sport von Beginn an ihren Stempel aufgedrückt. Doch auch Deutschland ist es gelungen hier Maßstäbe zu setzen. Ein Auslöser war das erste deutsche Olympiagold 1960 durch Georg Thoma. Als bislang einziger Kombinierer schaffte Ulrich Wehling aus Halle an der Saale zwischen 1972 und 1980 das Kunststück, dreimal in Folge Olympiasieger zu werden. Noch erfolgreicher aber war Eric Frenzel. Der Oberwiesenthaler krönte sich ebenfalls dreimal zum Olympiasieger, fügte seiner langen Erfolgsliste auch sieben WM-Titel hinzu. Mit insgesamt 18 WM-Medaillen ist Frenzel der erfolgreichste nordische Wintersportler überhaupt. Ende der Saison 2022/23 beendete Eric Frenzel seine beispiellose Karriere – und wurde Bundestrainer. Damit trat er die Nachfolge des „ewigen“ Hermann Weinbuch an. Der dreimalige Weltmeister führte seine Kombinierer zu zahlreichen Erfolgen und gewann mit seinen Schützlingen in seiner 27-jährigen Amtszeit 57 internationale Medaillen. In der Nordischen Kombination wird in der Regel zunächst gesprungen. Die Differenzen bei den Weiten wird in Zeitrückstände umgerechnet, die die Läufer dann mit in die Loipe nehmen. Der nach dem Springen Führende geht zuerst in den Skilanglauf, der Rest folgt entsprechend seines Rückstandes. Wer als Erster ins Ziel kommt, hat den Wettbewerb gewonnen. Um mehr Spannung zu erzielen, feierte das so genannte Compact Race in der Weltcupsaison 2023/24 seine Premiere. Die Zeitrückstände vor dem 7,5-km-Skilanglauf sind dabei bereits festgelegt. Der Erste des Springens geht sechs Sekunden vor dem Zweitplatzierten in die Loipe, nach 90 Sekunden sind alle Athleten auf der Strecke. Damit rückt das Feld enger zusammen, gute Springer können sich mehr einen großen Vorsprung herausholen.
Rodeln
Rennrodeln ist die erfolgreichste deutsche Wintersportart – und das mit großem Abstand. Bei den Olympischen Winterspielen in Peking 2022 schraubten die Athletinnen und Athleten ihre Erfolgsbilanz durch vier weitere Triumphe auf bereits 38 Goldmedaillen. Seit Peking ist auch eine Rennrodlerin die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin. Natalie Geisenberger sammelte durch ihren dritten Doppelerfolg in Serie im Einzel und mit dem Team insgesamt sechsmal Gold. Damit übertraf die neunmalige Weltmeisterin auch Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, die fünfmal erfolgreich war. Die deutsche Nummer eins bei den Männern ist die Rodel-„Ikone“ Georg Hackl. Der Berchtesgadener holte dreimal olympisches Gold und zweimal Silber, dem fügte er 22 WM-Medaillen hinzu. Ihm dicht auf den Fersen ist Felix Loch, der neben 13 WM-Titeln ebenso wie Hackl auch dreimal olympisches Gold gewann. Im Rennrodeln wurden 1955 die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen. Neun Jahre später feierte die Sportart in Innsbruck ihr olympisches Debüt. Seitdem gewannen deutsche Rodlerinnen und Rodler mehr als die Hälfte aller olympischen Medaillen und sogar Dreiviertel aller goldenen. Seit der Premiere werden die beiden Einsitzer sowie der Doppelsitzer der Männer ausgetragen. 2014 im russischen Sotschi kam die Teamstaffel hinzu, bei der eine Frau, ein Mann und ein Doppelsitzer hintereinander antreten. 2026 bei Olympia in Cortina d’Ampezzo und Mailand wird erstmals der Doppelsitzer der Frauen ausgetragen. Die Wettbewerbe der Rennrodlerinnen und Rennrodler werden in Italien wie die im Bob und Skeleton nicht in Italien, sondern erstmals in der 102-jährigen Geschichte der Olympischen Spiele nicht im Gastgeberland ausgetragen. Ein Ersatzort steht noch nicht fest. Zuvor waren die Pläne für einen Neubau der abgerissenen Eugenio-Monti-Bahn in Cortina d’Ampezzo aufgegeben worden. Die Rodlerinnen und Rodler liegen rücklings auf ihrem Schlitten und steuern diesen mit einem Lenkriemen. Die Sportgeräte dürfen bei den Einsitzern maximal 14 und bei den Doppelsitzern 20 Kilogramm wiegen. Während im Weltcup und bei Europameisterschaften jeweils nur zwei Läufe ausgetragen werden, sind es bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften jeweils vier. Die Fahrerinnen und Fahrer sind bei ihren Fahrten mit einem Tempo von rund 140 km/h nur durch ihren dünnen Rennanzug und einen Helm geschützt. 
Shorttrack
Im Gegensatz zum Eisschnelllauf kommt es beim Shorttrack nicht auf Zeiten an. Entscheidend ist vielmehr, wer in den direkten Duellen zuerst über die Ziellinie fährt. Dadurch ergeben sich in den Rennen zahlreiche Positionswechsel, es kommt durch die Zweikämpfe und das Gedränge häufig zu Stürzen und Disqualifikationen. Das Spektakel auf dem Eis ist bei den Zuschauern sehr beliebt, besonders in Asien und Nordamerika, wo der Sport seinen Ursprung hat. Gold oder eine andere Medaille gab es für deutsche Shorttrackerinnen und Shorttracker bei Olympischen Spielen bislang noch nicht. Lediglich bei Weltmeisterschaften holten deutsche Männerstaffeln je einmal Silber und Bronze. Erfolgreichste deutsche Läuferin ist die dreimalige Olympia-Teilnehmerin Anna Seidel aus Dresden, die bei Europameisterschaften insgesamt sieben Medaillen gewann. Bei Olympischen Spielen gehört Shorttrack seit 1992 in Albertville offiziell zum Programm. Gelaufen wird bei Frauen und Männern über drei Einzelstrecken (500, 1000 und 1500 m) sowie in der Staffel. 2022 in Peking kam die Mixed-Staffel hinzu. Bei den Olympischen Jugend-Winterspielen (YOG) gehört der Shorttrack von Beginn an (2012) dazu. Die Wettbewerbe finden auf einer 111,12 m langen Bahn statt, sie können damit auf einem Eishockey-Spielfeld ausgetragen werden. Es treten je nach Runde vier oder fünf Läuferinnen und Läufer gegeneinander an, wobei jeweils die beiden besten eine Runde weiterkommen. Vergeben werden die Medaillen in einem A-Finale mit fünf Teilnehmer*innen. Offiziell werden auf allen Strecken Weltrekorde geführt.
Skeleton
Skeleton – das ist Rennrodeln, nur andersherum. Als „Bäuchlingsrodler“ wurden die Sportlerinnen und Sportler anfangs gerne einmal verspottet. Doch es gehört eine Menge Mut dazu, sich nach einem kurzen Anlauf kopfüber mit Geschwindigkeiten von über 140 Stundenkilometern in die Eisrinne zu stürzen. Gesteuert wird der Schlitten mit Körperbewegungen. Skeleton wurde 1928 und 1948 für die Männer jeweils an seiner „Geburtsstätte“ in St. Moritz bei den Olympischen Winterspielen ausgetragen. Dort wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der ersten Bahn begonnen. Sie ist bis heute die älteste Natureisbahn der Welt. Jedes Jahr wird sie innerhalb von drei Wochen von Hand aus Natureis gebaut. Für das Skeleton folgte nach den beiden Auftritten in der Schweiz eine 54-jährige Olympia-Pause, ehe die Sportart 2002 in Salt Lake City für Frauen und Männer wieder ins Programm aufgenommen wurde. Deutschland feierte bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking seine beiden bislang einzigen Goldtriumphe durch Christopher Grotheer und Hannah Neise. Die ersten Weltmeisterschaften der Männer fanden 1982 statt, die Frauen folgten im Jahr 2000. Seit der Saison 1986/87 wird jährlich auch auf mehreren deutschen Bahnen der Gesamtweltcup der Männer ausgetragen, seit der Saison 1996/97 auch der für die Frauen. Skeleton gehört von Beginn an (2012) zum Programm der Olympischen Jugend-Winterspiele (YOG). Die deutschen Skeletonis gehören zu den erfolgreichsten der Welt. So wurde Olympiasieger Christopher Grotheer auch schon fünfmal Weltmeister. Mehr Titel gewann nur der Lette Martins Dukurs (6). Bei den Frauen führt Tina Hermann das Ranking mit sieben Goldmedaillen an, gefolgt von Marion Thees (4) und Jacqueline Lölling (3). Wie beim Rennrodeln werden im Skeleton im Weltcup und bei Europameisterschaften zwei Läufe ausgetragen, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sind es jeweils vier. Der Schlitten darf das Höchstgewicht von 43 kg bei den Herren und 35 kg bei den Frauen nicht übersteigen. Das zulässige Maximalgewicht von Schlitten und Athlet beträgt 115 kg, bei den Frauen sind es 92 kg.
Ski Alpin
Ski alpin ist die Königsdisziplin, keine andere Disziplin des Wintersports brachte so viele klangvolle Namen hervor. Packende Abfahrtsläufe, spannende Torläufe – das hat die Fans immer schon begeistert. Auch der deutsche alpine Skisport hat zahlreiche Stars geschaffen. Das weibliche Gesicht war Rosi Mittermaier, die im Januar 2023 verstorben ist. Die „Gold-Rosi“ gewann 1976 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck Gold in Abfahrt und Slalom sowie Silber im Riesenslalom. Danach beendete sie ihre Karriere. Aus ihrer Ehe mit Slalom-Ass Christian Neureuther ging der gemeinsame Sohn Felix hervor, der bei Weltmeisterschaften fünf Medaillen holte, drei im Slalom sowie zwei im Mannschaftswettbewerb. Im Weltcup ist er mit 13 Siegen in Einzelrennen der erfolgreichste deutsche alpine Skifahrer. Während Rosi Mittermaier mit ihren zwei olympischen Goldmedaillen später von Maria Höfl-Riesch und Katja Seizinger (beide drei) übertroffen wurde, ist Markus Wasmeier erfolgreichster deutscher alpiner Skisportler bei Olympischen Spielen. 1994 in Lillehammer gewann „Wasi“ den Super-G sowie den Riesenslalom und fuhr sich damit in die Herzen der Alpin-Fans. Der alpine Skisport birgt allerdings auch große Gefahren, vor allem in den Speed-Disziplinen Abfahrt und Super-G. In der Schussfahrt werden auf Strecken wie der berühmten Kitzbüheler Streif Geschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erreicht. Die ersten Weltmeisterschaften im alpinen Ski fanden 1931 im schweizerischen Mürren statt. Fünf Jahre später in Garmisch-Partenkirchen wurde die Sportart ins olympische Programm aufgenommen. Zunächst allerdings nur mit einer Kombination für Frauen und Männer. Bei der nächsten Austragung 1948 in St. Moritz kamen dann auch Abfahrt und Slalom als erste Einzeldisziplinen hinzu. Der Riesenslalom folgte 1952, der Super-G 1988. 2018 und 2022 wurde ein Mannschafts-Wettbewerb ausgetragen, der 2026 in Cortina und Mailand durch eine alpine Team-Kombination ersetzt wird. Seit 1967 wird alljährlich der alpine Weltcup ausgetragen, in allen Einzeldisziplinen sowie auch als Gesamtwertung. Die große Kristallkugel für den Gewinn des Gesamtweltcups konnte bislang noch kein deutscher Mann gewinnen, bei den Frauen schafften dies Rosi Mittermaier, zweimal Katja Seizinger und Maria Höfl-Riesch. In Abfahrt und Super-G wird nur ein Lauf durchgeführt, die oder der Schnellste gewinnt. Im Slalom und Riesenslalom werden zwei Läufe ausgetragen, die Zeiten werden addiert. Im zweiten Durchgang startet die oder der Schnellste des ersten Laufes zuletzt, um die Spannung zu wahren. Die Kombination besteht aus einem Slalom sowie einer verkürzten Abfahrt oder einem Super-G.
Ski Freestyle
Aus der noch recht jungen Olympia-Sportart Ski Freestyle ist inzwischen die mit den meisten Entscheidungen bei Winterspielen geworden. 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo werden insgesamt 15 olympische Goldmedaillen vergeben, eine mehr als im Eisschnelllauf. Begünstigt wurde dies durch die Aufnahme des Doppel-Buckelpisten-Wettbewerbs für Frauen und Männer. Die Buckelpiste ist eine von sechs Teildisziplinen des Freestyle-Skiings, sie wurde 1992 in Albertville als erste für Frauen und Männer auch olympisch. Zwei Jahre später in Lillehammer kam das Springen (Aerials) dazu. Danach folgten Skicross (2010), Halfpipe und Slopestyle (beide 2014), sowie Big Air und der Teamwettbewerb im Springen (beide 2022). Der Weltverband FIS richtet seit 1980 einen Weltcup aus, sechs Jahre später wurden die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen. Die erfolgreichsten Nationen sind die USA und Kanada. Deutsche Erfolge sind vor allem bei Olympischen Spielen rar gesät. Für die bislang einzigen beiden Medaillen sorgten Tatjana Mittermayer mit ihrem Silber 1998 in Nagano auf der Buckelpiste sowie Daniela Maier 2022 mit Bronze im Skicross. Mittermayer hatte zwar schon zehn Jahre zuvor in Calgary triumphiert, allerdings war die Buckelpiste dabei lediglich ein Demo-Wettbewerb. Die letzte deutsche WM-Medaille bei den Männern gewann Florian Wilmsmann 2023 im Skicross mit Silber, bei den Frauen war zuletzt Lisa Zimmermann 2017 im Slopestyle ebenfalls als Zweite erfolgreich. Ski Freestyle ist bei den Fans sehr beliebt. Mit Ausnahme des Skicross kommt es bei allen anderen Disziplinen auf die technische Ausführung an, die benotet wird. Bei den Crossern, dem „Rodeo“ auf Eis, ist es dagegen das Ziel, in Vierer-Duellen als Erste oder Erster die Ziellinie zu überqueren. Überaus artistisch sind das Springen und Big Air. Dabei werden die Sportlerinnen und Sportler bei einer hohen Anlaufgeschwindkeit auf einer Absprungschanze in die Höhe katapultiert, dann vollziehen sie ihre Tricks mit Schrauben, Drehungen und Salti. Auch in den Halfpipes reißen die Aktiven die Zuschauer mit einem Feuerwerk an Artistik mit. In der Buckelpiste zählt neben der technischen Ausführung und den Tricks auch die Zeit. In der Doppel-Buckelpisten-Konkurrenz treten zwei Fahrerinnen und Fahrer im direkten Duell gegeneinander an. Im Slopestyle befahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Parcours aus Schanzen und Geländern und kombinieren dabei ihre Tricks.
Ski Mountaineering
Als neue Sportart feiert das Skibergsteigen oder Ski Mountaineering 2026 bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo und Mailand sein Debüt. Die Aufnahme erfolgt zunächst nur für diese Austragung. In Italien werden fünf Entscheidungen ausgetragen. 24 Männer und 24 Frauen tragen jeweils einen Sprint und einen Einzel-Wettbewerb aus, dazu kommt eine Mixed-Staffel mit jeweils zwei Läuferinnen und Läufern. Durchgeführt werden die Entscheidungen im Bormio im Veltlin. Die Geschichte des Skibergsteigens geht zurück auf den Militär-Patrouillenlauf, der 1924 in Chamonix sogar olympisch war. Dieser wurde mit einem Wettbewerbsschießen kombiniert, ähnlich wie beim heutigen Biathlon. Seit 2004 gibt es im Skibergsteigen einen Weltcup, zwei Jahre zuvor wurden im Rahmen des „Internationalen Jahr der Berge“ die ersten Weltmeisterschaften ausgetragen. 2020 in Lausanne gehörte das Skibergsteigen zum Programm der Olympischen Jugend-Winterspiele (YOG). Dort gewannen die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwar keine Medaillen, doch im Einzel und Sprint wurden jeweils Top-10-Platzierungen errungen. Die Mixed-Staffel landete auf dem fünften Platz. Im Sprint des Skibergsteigens gibt es eine sehr kurze Steigstrecke von 50 bis 80 Höhenmetern mit einer Tragepassage, bei denen die Skier am Rucksack verstaut sind, sowie abschließender Abfahrt. Der Aufstieg erfolgt per Fuß oder auf Fellen unter dem Schuhwerk, am Rucksack werden die sehr leichten Skier für die Abfahrt transportiert. Die Dauer beträgt zwischen drei und vier Minuten, die Läuferinnen und Läufer starten in der Qualifikation in Abständen von 20 Sekunden, ab der ersten Runde treten sie dann zu sechst gegeneinander. Das Einzel mit Massenstart dauert deutlich länger. Das Individual umfasst mindestens drei Aufstiege und Abfahrten über bis zu 1900 Höhenmetern. Dabei müssen etwa fünf Prozent der Höhenmeter als Tragepassage gestaltet sein. Der Wettbewerb geht über eine bis zu zweieinhalb Stunden. Auch hier geht es zu Fuß bergauf, bei einem steilen Anstieg können auch Steigeisen benutzt werden. Am Rucksack sind auch hier leichte Skier befestigt. Bei Weltmeisterschaften wird zudem das Vertical Race ausgetragen. Dieses Rennen führt ausschließlich bergauf, üblicherweise auf festem Schnee. Dabei tragen die Läuferinnen und Läufer bei ihrem Wettlauf zum Gipfel Felle unter den Skiern. Ein Höhenunterschied von 700 Metern soll nicht überschritten werden. Zuständig für die deutschen Nationalmannschaften der Frauen und Männer ist der Deutsche Alpenverein, der seit 2001 Mitglied des International Council für Ski Mountaineering Competitions (ISMC) ist. Die deutschen Athletinnen und Athleten gehören der erweiterten internationalen Spitze an.
Skilanglauf
Die Wiege des Skilanglaufs steht in Norwegen und noch heute sind die Skandinavier das Maß aller Dinge. Norwegen stellt sowohl die meisten Olympiasiegerinnen und -sieger als auch die meisten Weltmeisterinnen und Weltmeister. Marit Björgen und Björn Dählie sind bis heute die erfolgreichsten Olympia-Teilnehmenden. Die Russinnen Ljubow Jegorowa und Larissa Lasutina (beide fünfmal Gold) sowie die beiden Schweden Sixten Jernberg und Gunde Svan (je 4) sind weitere große Namen dieses Sports. „Wo ist Behle?“ - diese Frage von Moderator Bruno Moravetz machte den deutschen Langlaufstar Jochen Behle unsterblich. 1980 in Lake Placid führte Behle über 15 km nach der ersten Zwischenzeit für lange Zeit, er wurde aber im Fernsehen nicht gezeigt. Moravetz stellte gleich mehrmals dieselbe Frage, die sich so beim Publikum einprägte. Behle war jedoch nicht verschwunden, er beendete das Rennen als Zwölfter. Jochen Behle startete bei acht Weltmeisterschaften, 1998 in Nagano war der 24-malige deutsche Meister Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele. Behle feierte anschließend auch als Coach große Erfolge. Von 2002 bis 2012 war er als Bundestrainer tätig. Während die deutschen Männer in olympischen Rennen bislang ohne Gold auskommen mussten, waren die Frauen deutlich erfolgreicher. Mit jeweils zwei Goldmedaillen im Teamsprint und mit der 4x5-km-Staffel dekoriert wurden Evi Sachenbacher-Stehle sowie Claudia Nystad (geb. Künzel). Sie sind damit die erfolgreichsten deutschen Frauen in der Loipe. 2022 in Peking sorgten Katharina Hennig und Victoria Carl erneut für eine handfeste Überraschung. Das Duo setzte sich nach einem furiosen Schlussspurt von Carl im Zielsprint vor Schweden und Russland durch. Der Skilanglauf der Männer gehört seit der Premiere 1924 in Chamonix zum Programm der Olympischen Winterspiele, die Frauen zogen 1952 in Helsinki nach. Gegenüber den Anfängen hat sich die Zahl der Disziplinen bei Olympischen Spielen inzwischen auf zwölf erhöht, jeweils sechs bei Frauen und Männern. Lange war die parallele Skiführung die einzige bekannte Technik. 1986 wurde dann der Schlittschuhschritt, das Skating (Freistil), offiziell zugelassen. Seitdem werden die Wettbewerbe bei internationalen Meisterschaften im klassischen oder freien Stil ausgetragen. Bei Olympischen Spielen wechselt bei jeder Austragung die Technik für alle Strecken. Bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand und Cortina d‘Ampezzo werden nach einer Angleichung bei beiden Geschlechtern die gleichen Strecken gelaufen: Sprint, Teamsprint, 10 km, 20 km Skiathlon (beide Stilarten werden nacheinander gelaufen), 50 km und die 4x7,5-km-Staffel.
Skispringen
Das Skispringen hat schon immer eine große Faszination ausgeübt. Sich aus großer Höhe von der Sprungschanze in die weit über 100 m lange Flugphase zu stürzen, erfordert großen Mut. Kraft und Technik sind die wichtigsten Komponenten, gefragt ist aber auch das Gefühl für den sekundenlangen Flug. Wenn die Springerin oder der Springer dann scheinbar regungslos den Hang hinabgleitet, hat dies zudem eine hohe ästhetische Qualität. Waren es in den Anfängen zum Ende des 18. Jahrhunderts in Norwegen noch kleine Hüpfer über Holzstapel oder Schneehaufen, hat sich das Skispringen zu einem hochmodernen Sport entwickelt, der bei den Zuschauerinnen und Zuschauern extrem beliebt ist. Vor allem in Deutschland, wo hohe TV-Quoten an der Tagesordnung sind. Besonders im Blickpunkt steht die Vierschanzentournee, die alljährlich über den Jahreswechsel in Deutschland (Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen) sowie Österreich (Innsbruck und Bischofshofen) stattfindet. Wer dieses Spektakel gewinnt, gehört in die Riege der ganz Großen seiner Zunft. Als erster Springer überhaupt schaffte es Sven Hannawald in der Saison 2001/02, alle vier Springen für sich zu entscheiden. Das Skispringen gehört seit Beginn der Olympischen Spiele 1924 zum Programm, zunächst nur mit einem Springen von der Normalschanze. 1964 kam der Wettbewerb von der Großschanze dazu, 1988 folgte das Mannschaftsspringen. Die Frauen betraten die olympische Bühne 2014 in Sotschi, erste Olympiasiegerin wurde Carina Vogt aus Schwäbisch Gmünd. In Peking folgte das Mixed-Teamspringen mit jeweils zwei Frauen und Männern. Zu einem packenden Wettbewerb entwickelte sich das Teamspringen der Männer. Hier kam es 2002 in Salt Lake City nach einem sportlichen Krimi zur knappsten aller möglichen Entscheidungen. Sven Hannawald, Stephan Hocke, Michael Uhrmann und Martin Schmitt gewannen dabei mit einem Zehntelpunkt Vorsprung vor Finnland (974,1:974,0). Diese 0,1 Punkte waren nach acht Sprüngen umgerechnet weniger als zehn Zentimeter! Sven Hannawald, Martin Schmitt und Jens Weißflog sind nur zwei große Namen des deutschen Skispringens. Helmut Recknagel war 1960 der erste deutsche Olympiasieger, Andreas Wellinger und Karl Geiger sorgen in der jüngeren Vergangenheit für die Schlagzeilen.  Beim Springen gehen die Frauen und Männer in allen Wettbewerben jeweils in die Anlaufspur. Die Note setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: der Weite, der Qualität des Fluges sowie der Landung. Die elegante und auch besser bewertete Landung ist der Telemark, benannt nach der gleichnamigen norwegischen Provinz, wobei die Springerin oder der Springer mit einem Ausfallschritt aufsetzt und ein Bein deutlich mehr gebeugt ist. Bei der so genannten Haferllandung werden die Skier dagegen parallel in den Schnee gesetzt. Dies führt zu Punktabzügen. Gesprungen wird bei den Männern inzwischen von der Großschanze, es gibt aber weiterhin Konkurrenzen von der Normalschanze. Bei den Frauen ist es umgekehrt. Zusätzlich gibt es Springen von den Flugschanzen. Beim Skifliegen werden Weiten von über 250 Metern erzielt. Der Weltrekord steht seit 2017 bei 253,5 Metern, erzielt vom Österreicher Stefan Kraft im norwegischen Vikersund. Diese Weiten wären ohne eine Revolution Anfang der 90er Jahre nicht erzielt worden. Der Schwede Jan Boklöv sorgte mit seinem V-Stil im Weltcup für großes Aufsehen. Da diese Technik aber nicht den Regeln entsprach, die parallel geführte Skier in der Luft vorschrieben, erhielt der Pionier zunächst große Punktabzüge. Dies änderte sich, als bis 1992 nahezu alle Konkurrenten den V-Stil übernahmen und ihn damit salonfähig machten.
Snowboard
Das Snowboarden ist eine der jüngeren Sportarten im Wintersport. Es dauerte rund drei Jahrzehnte von der Entstehung in den USA, bis die neue Welle international anerkannt wurde und den zunächst verpönten Snowboardern auch in Europa alle Skipisten zugänglich waren. Snowboard war aber letztlich auf seinem Siegeszug trotz aller Gegenwehr nicht aufzuhalten. Mittlerweile gehört die Sportart mit ihrem jungen Publikum auch sicher zum olympischen Programm. Seine Premiere feierte Snowboard 1998 im japanischen Nagano, dort wurde die Pforzheimerin Nicola Thost die erste Olympiasiegerin in der Halfpipe. Ausgetragen wurden neben der Halfpipe zunächst nur noch der Riesenslalom, der ab 2002 dem Parallel-Riesenslalom weichen musste. Weitere vier Jahre später folgte der wilde Snowboardcross, 2014 Slopestyle und 2018 der Big Air. Diese fünf Einzeldisziplinen stehen auch 2026 bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo und Mailand für Frauen und Männer auf dem Programm, ebenso wie der 2022 neu eingeführte Snowboardcross-Mixedwettbewerb, bei dem jeweils eine Frau und ein Mann antreten. Die ersten Weltmeisterschaften unter der Leitung des Ski-Weltverbandes FIS wurden 1996 durchgeführt. In der Halfpipe führen die Sportler*innen Tricks aus, während sie einen halbzylinderförmigen Hang befahren. Beim Parallel-Riesenslalom treten zwei Fahrer*innen nebeneinander auf zwei parallelen Kursen an. Beim Snowboardcross kommt es zu direkten Duellen, nach der Qualifikation fahren in den K.o.-Runden vier Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer gegeneinander auf einem kurvigen Kurs mit Bodenwellen und kleineren Schanzen an. Die jeweils beiden Besten kommen eine Runde weiter. Beim Big Air nutzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Schanze, um weite Sprünge zu machen und eine Reihe von Kunststücken in der Luft zu vollführen. Beim Slopestyle fahren die Athletinnen und Athleten einen Parcours mit verschiedenen Hindernissen hinunter und werden dabei vor allem nach Originalität und Qualität ihrer Stunts auf Schanzen und Geländern bewertet. Die deutschen Snowboarder*innen haben ihre Stärken in den Parallel-Konkurrenzen, vor allem die Frauen. Nach Olympiasilber 2006 durch Amelie Kober im Parallel-Riesenslalom wiederholte Selina Jörg dieses Kunststück 2018 in PyeongChang. Hinter ihr holte sich Ramona Baumeister Bronze. Die Bischofswiesenerin wurde anschließend zur überragenden Fahrerin und gewann von 2020 bis 2023 viermal in Folge den Gesamtweltcup. Nur Gold bei internationalen Meisterschaften blieb ihr bislang verwehrt. Das holten jedoch zwei Teamkolleginnen: Isabella Laböck wurde erste deutsche Weltmeisterin im „Riesen“, Selina Jörg zog sechs Jahre später nach.

Im Sommer

Basketball
Die Sportart ist in Deutschland ganz eng verbunden mit dem Namen Dirk Nowitzki. Der Würzburger machte sich in der nordamerikanischen Profiliga NBA einen großen Namen, wurde 2011 mit den Dallas Mavericks als erster deutscher Spieler Meister und 2023 in die Hall of Fame aufgenommen. 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking führte Nowitzki die deutsche Mannschaft als Fahnenträger an. Für eine deutsche Olympiamedaille aber reichte es auch mit dem Superstar nicht. Auch nicht für WM-Gold - aber das schaffte dagegen Dennis Schröder. Der Braunschweiger Spielmacher führte die deutsche Mannschaft im Sommer 2023 unter anderem mit einem Halbfinalerfolg gegen die USA zum ersten WM-Titel und bugsierte seinen Sport damit ins Rampenlicht der deutschen Öffentlichkeit. Bei den Männern gewannen die US-Männer seit der Olympia-Premiere 1936 in Berlin 16 von 20 olympischen Goldmedaillen. Unvergessen dabei der Auftritt des ersten US-Dream Teams 1992 in Barcelona mit den Legenden Michael Jordan, Magic Johnson und Larry Bird. Gegen diese Urgewalt war kein Kraut gewachsen. Auch die US-Frauen sind seit dem olympischen Debüt 1976 in Montreal dominant. Die Körbe beim Basketball hängen in einer Höhe von 3,05 m. Die Mannschaften bestehen aus jeweils fünf Spieler*innen, es darf beliebig oft gewechselt werden. Für einen Angriff hat eine Mannschaft maximal 24 Sekunden Zeit. Der Ballumfang ist bei den Frauen geringfügig kleiner, er wiegt auch rund 100 Gramm weniger. Die Drei-Punkte-Linie ist mehr als sechs Meter entfernt. Es gewinnt die Mannschaft mit den meisten Punkten, bei Gleichstand folgt eine Verlängerung. Die Spielzeit beträgt bei Männern und Frauen jeweils 4 x 10 Minuten, die Männer spielen in der NBA sogar 4 x 12 Minuten.
Bogenschießen
Keine andere Sportart ist wohl so eng mit dem Menschen verbunden wie die mit Pfeil und Bogen. War es früher – schon vor mehr als 14.000 Jahren – nur ein Jagdgerät, so hat es sich in der Neuzeit auch als ein fester Bestandteil der Olympischen Spiele entwickelt. Nach einer Pause von 52 Jahren kehrte das Bogenschießen 1972 in München als olympische Sportart ins Programm zurück. Zugelassen ist auf der olympischen Bühne nur der Recurvebogen, an dem Zielvorrichtungen und Stabilisatoren angebaut sind. Der verwendete Bogen wird häufig als „olympischer Bogen“ bezeichnet, und ist ein technologisch hoch entwickeltes Sportgerät, mit dem genaue Treffer auf Distanzen von 70 Metern erzielt werden können. In Deutschland erfuhr der von Asiaten dominierte Sport 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro einen höheren Bekanntheitsgrad. Verantwortlich dafür war Lisa Unruh, die im Einzel mit Silber die erste Olympiamedaille im Bogenschießen überhaupt für Deutschland gewann. Bei den folgenden Olympischen Spielen in Tokio gewannen die deutschen Frauen mit Lisa Unruh Mannschaftsbronze. Durch diese beiden Erfolge hat die Sportart eine deutlich größere öffentliche Anerkennung erhalten. Bei internationalen Meisterschaften wie Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften werden zweimal 36 Pfeile auf das 70 Meter entfernte Ziel abgegeben. Die Zielscheibe ist in Ringe aufgeteilt, ein Treffer in den inneren gelben Ring wird mit zehn Punkten belohnt. Im weißen Außenbereich gibt es noch zwei bzw. einen Zähler. Wer in der Summe die höhere Punktzahl erzielt hat, zieht in die K.o.-Runde der besten 32 Athletinnen und Athleten ein. Dort geht es in direkten Duellen über drei Gewinnsätze mit jeweils drei Schuss weiter bis zur Entscheidung.
Boxen
Wohl keine Sportart polarisiert wohl mehr als Boxen - dieses archaische Aufeinandertreffen von Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau. Dennoch fasziniert das Ur-Duell mit den Fäusten nach wie vor die Massen. Klangvolle Namen wie der inzwischen verstorbene Muhammad Ali, George Foreman oder die Klitschko-Brüder sind nach wie vor in aller Munde, ihre Kämpfe lockten Millionen Menschen nachts vor die TV-Geräte, gewaltige Summen werden nach wie vor als Kampfbörse verteilt. Auch das Frauenboxen ist inzwischen salonfähig, der bekannteste Name in Deutschland ist wohl Regina Halmich. Bei Olympischen Spielen ist Frauenboxen seit 2012 in London vertreten, zu Beginn mit drei, seit Tokio 2021 mit fünf Gewichtsklassen. Die Männer hatten ihren ersten Auftritt auf der olympischen Bühne 1904 in St. Louis. Der Ungar Laszlo Papp sowie die Kubaner Teofilo Stevenson und Felix Savon sind mit je drei Goldmedaillen die erfolgreichsten Teilnehmer. Der bekannteste Olympiasieger jedoch ist Muhammad Ali, der 1960 in Rom unter seinem vorherigen Namen Cassius Clay Gold im Halbschwergewicht gewann. Clay alias Ali ist sicher der berühmteste Sportler der Gegenwart, 1999 wurde er vom Internationalen Olympischen Komitee sogar zum „Sportler des Jahrhunderts“ gewählt. Seit den Spielen 2016 in Rio de Janeiro sind auch Boxprofis zugelassen. Bekanntester deutscher Olympiasieger ist wohl „Gentleman“ Henry Maske (1988 in Seoul), der später auch als Profi den WM-Gürtel eroberte und den eher etwas verruchten Boxsport aus der „Schmuddelecke“ holte. Auch seinem Trainer Manfred Wolke war 20 Jahre zuvor der Olympiasieg gelungen.  Während es in der Neuzeit bei EM- und WM-Kämpfen über vier bis zwölf Runden geht, beträgt die Kampfzeit bei Olympischen Spielen drei Mal drei Minuten, bei den Frauen vier mal zwei Minuten mit jeweils einer Minute Pause. Fünf Punktrichter bewerten die Kämpfe bei den Olympischen Spielen nach einem festgelegten Punktsystem.
Breaking
Der Neuling auf der olympischen Bühne kommt aus den Straßen von New York. Breaking (auch bekannt als Breakdance) entstand in den 70er Jahren im Stadtteil Bronx, es verbindet den urbanen Tanzstil mit einer außergewöhnlichen Athletik und akrobatischen Bewegungen. Schwarze und puerto-ricanische Jugendliche bildeten Crews und traten in Tanz-„Schlachten“ gegeneinander an. Die Teilnehmer*innen werden als B-Boys, B-Girls oder Breaker bezeichnet. Das „B“ steht für Break, da sie während der instrumentalen Pausen eines Songs Tanzschritte ausführen. Der Tanzstil gewann mit der Zeit zunehmend an Popularität und gelangte in den Mainstream, so dass er sogar bei der Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles zu sehen war. Mitte der 1980er-Jahre schwappte die Welle auch nach Deutschland. Die erste Breakdance-WM wurde in München ausgetragen. Breaking hat sich inzwischen als Kunstform entwickelt, sie verbindet die Elemente aus Musik, Tanz und Athletik miteinander und hat weltweit Anhänger*innen gewonnen. In der olympischen Bewegung ist Breaking eine Disziplin der World DanceSport Federation (WDSF). Die ersten WDSF World DanceSport Games fanden 2013 in Taiwan statt. Ihr Debüt bei den Olympischen Jugendspielen gab die junge Sportart 2018 in Buenos Aires. Bei Olympia in Paris finden die Wettbewerbe auf dem berühmten Place de la Concorde statt. Die Breaker müssen die Jury in ihren Soloduellen über 60 Sekunden mit spektakulären Tanzeinlagen überzeugen. Dabei spielen sechs verschiedene Kriterien eine Rolle: Technik, Vielseitigkeit, Kreativität, Persönlichkeit, Darstellungskraft und Musikalität. Besondere Beachtung legt die Jury auf Style und Schwierigkeit der Darbietung.
Fechten
Wenn es um Sportarten mit einer besonders langen Geschichte geht, gehört das Fechten unbedingt dazu. Schon in der Antike wurde gefochten, in Europa erlebte der Fechtsport im späten Mittelalter seinen Aufschwung. Das Fechten ist eine von nur vier Sportarten, die schon 1896 in Athen zum Programm der ersten Olympischen Spiele gehörte. 1920 in Antwerpen kamen die Damen dazu. 1911 wurde der Deutsche Fechter-Bund (DFB) gegründet und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Verbände der Welt. Insgesamt 13 Olympiasieger*innen und mehr als 40 Medaillengewinner*innen brachte der Verband hervor, darunter auch einen äußerst prominenten. 1976 gewann IOC-Präsident Thomas Bach in Montreal Gold mit der Florettmannschaft. Zu den bekanntesten deutschen Einzel-Olympiasiegerinnen und -Olympiasiegern gehören Anja Fichtel und Britta Heidemann oder auch Alexander Pusch und Arnd Schmitt, die wie Elmar Borrmann zweimal olympisches Gold gewannen. Florett, Degen und Säbel sind die drei Waffengattungen, mit denen gefochten wird. Beim Florett ist der Rumpf die Trefferfläche, beim Säbel nur der Oberkörper. Lediglich beim Degenfechten können Treffer am gesamten Körper erzielt werden. Ein Gefecht dauert in den Vor- und Zwischenrunden maximal drei Minuten reine Kampfzeit. In Direktausscheidungen bis zu dreimal drei Minuten mit jeweils einer Minute Pause. Gefochten wird auf fünf, in Direktausscheidungen auf bis zu 15 Treffer. Bei Gleichstand nach Ablauf der Zeit wird Vorteil ausgelost, dann maximal eine Minute bis zum „entscheidenden“ Treffer weitergefochten (sudden death). Fällt kein Treffer, so gewinnt die Fechterin oder der Fechter, der den Vorteil hat. Im Degen werden eventuelle Doppeltreffer, die während der zusätzlichen Minute Kampfzeit fallen, nicht gewertet.
Fußball
Es war das Jahr 2016, als bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro eine große Stunde des deutschen Fußballs schlug. Man schrieb den 19. August, als die von Silvia Neid trainierten Frauen um Almuth Schult und Alexandra Popp mit einem 2:1 im Finale gegen Schweden nach zuvor dreimal Bronze endlich erstmals olympisches Gold gewannen. Am nächsten Tag sollten die deutschen Männer um Serge Gnabry und Julian Brandt den doppelten deutschen Gold-Coup perfekt machen. Doch nach einem 4:5 im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Brasilien um Superstar Neymar reichte es „nur“ zu Silber. Dennoch: Für den deutschen Fußball waren es die bis dato erfolgreichsten Olympischen Spiele. Fußball und Olympia – das hatte seit dem Debüt der Männer 1908 eine eigene Geschichte. Weil es anfangs reine Amateurturniere waren, verlor der Wettbewerb bei Olympia immer mehr an Bedeutung. Daran änderte auch der goldene Triumph der Staatsamateure der früheren DDR 1976 in Montreal nichts. 1984 sollte der Fußball mit einer Zulassungsänderung aus der Bedeutungslosigkeit herausgeholt werden. Es wurde erstmals der Weg für Profis freigemacht – allerdings noch stark eingeschränkt. 1992 folgte eine weitere Änderung, wonach nur Spieler unter 23 Jahren – egal ob Profi oder Amateur - teilnahmeberechtigt waren. Vier Jahre später in Atlanta durften zudem noch drei Akteure mitwirken, die älter als 23 waren. Im Gegensatz zu den Männern gibt es bei den Frauen keine Altersbeschränkung. Damit besitzt dieses Turnier einen deutlich höheren Stellenwert. Die Frauen hatten 1996 in Atlanta erstmals die olympische Bühne betreten – und auf Anhieb fand das Turnier international große Beachtung.
Gerätturnen
Der erste deutsche Olympiasieger war ein Kunstturner: Carl Schuhmann. Der Westfale aus Münster gewann bei den ersten Sommerspielen der Neuzeit 1986 in Athen gleich dreimal Gold, dazu triumphierte er auch noch einmal im Ringen. Das Geräteturnen mit all seinen Dramen und Helden hat immer schon große Namen hervorgebracht. So ist Larissa Latynina aus der früheren Sowjetunion mit neun Goldmedaillen die bislang erfolgreichste Olympiasportlerin hinter Superschwimmer Michael Phelps (USA/23 Gold). Man erinnere sich auch an die unvergessliche und mit fünfmal Gold dekorierte Rumänin Nadia Comaneci, die nur 1,52 m kleine Olga Korbut (Sowjetunion), die 1972 in München zum Liebling der Fans wurde, oder die noch zehn Zentimeter kleinere US-Amerikanerin Simone Biles, die 2016 in Rio viermal triumphierte. Aber auch deutsche Gerätturner sorgten bereits für große Erfolge. Unvergessen der große Triumph von Fabian Hambüchen 2016 an der Copacabana, 20 Jahre nach Andreas Weckers Triumph 1996 in Atlanta. Genau 100 Jahre vor Andreas Wecker gewann Alfred Flatow bei den ersten Sommerspielen der Neuzeit in Athen ebenfalls Gold – am Barren. Sein Schicksal jedoch war tragisch: 1942 starb der in Danzig geborene Flatow im KZ Theresienstadt. Bei den Olympischen Spielen sind die Männer in acht Wettbewerben im Einsatz, die Frauen, die 1928 in Amsterdam erstmals die olympische Bühne betraten, mit sechs. Es gibt jeweils einen Einzel- und Mannschafts-Mehrkampf sowie die Einzelentscheidungen am Boden und beim Pferdsprung. Dazu kommen bei den Männern Barren, Reck, Ringe und Pauschenpferd, bei den Frauen der gefürchtete Schwebebalken sowie der Stufenbarren.
Gewichtheben
Die seit 1896 mit Unterbrechungen olympische Sportart Gewichtheben hat immens an Bedeutung verloren. Dabei hat die Frage nach dem stärksten Mann der Welt stets fasziniert. Der Kampf des Athleten gegen die Schwerkraft nahm das Publikum in seinen Bann. Als bei den Sommerspielen 1972 in München das Superschwergewicht eingeführt wurde, setzte Wassili Alexejew aus der damaligen UdSSR bei seinem Triumph vor den Deutschen Rudolf Mang und Gerd Bonk den Maßstab. In der Summe aus Reißen und Stoßen brachte Alexejew 405 kg zur Hochstrecke, vier Jahre später waren es bereits 440 kg. In Tokio 2021 waren es schon 488 kg, Gold im Olympischen Zweikampf ging an den Georgier Lascha Talachadse. Auch in Deutschland war das Gewichtheben lange populär, dafür sorgten Namen wie Mang, Bonk, oder auch Rolf Milser. Besonderer Beliebtheit erfreute sich der gebürtige Österreicher Matthias Steiner, der 2008 in Peking die Goldmedaille gewann. Unvergessen die Siegerehrung, als Steiner das Bild seiner verstorbenen Frau Susann hochhielt. Seit Sydney 2000 dürfen auch die Frauen bei Olympischen Spielen an die Hanteln. In Paris 2024 gibt es für beide Geschlechter jeweils fünf Gewichtsklassen. Pro Klasse werden drei Goldmedaillen vergeben: im Reißen, Stoßen und sowie im Olympischen Zweikampf. Beim Reißen muss die Hantel in einem Zug zur Hochstrecke in den sicheren Stand gebracht werden, im Stoßen darf sie zunächst auf Brusthöhe auf das Schlüsselbein abgelegt werden, ehe der entscheidende Zug nach oben folgt. Für jede Stilart gibt es drei Versuche. Bei gleicher Leistung entscheidet das geringere Körpergewicht über die bessere Platzierung. Beim Olympischen Zweikampf werden die beiden Einzelleistungen aus Reißen und Stoßen addiert.
Golf
Golf - das galt lange Zeit als das Spiel der edlen Damen und Herren. Dieses elitäre Image haftet dem faszinierenden Sport mit Schläger und kleinem Ball zwar immer noch an, doch längst ist daraus weltweit eine Massenbewegung entstanden. Auf der deutschen Landkarte erschien Golf erst in den achtziger Jahren, verantwortlich dafür zeichnete Bernhard Langer. Der Maurersohn aus Anhausen gewann zweimal das prestigeträchtige US Masters in Augusta und löste damit hierzulande eine große Bewegung aus. Im neuen Jahrtausend kam Martin Kaymer hinzu, der wie einst Langer zwei Majors gewann und ebenfalls zur Nummer eins der Weltrangliste wurde. Überragende Namen gab es im Golfsport schon immer, über allen aber schwebt ein Duo: Jack Nicklaus und Tiger Woods. Mit ihren Erfolgen lösten die beiden US-Amerikaner weltweit einen Hype aus, die Preisgelder stiegen vor allem in der Ära Woods in schwindelerregende Höhen, die TV-Quoten stiegen rasant. Die Männer und Frauen spielen wie auf den weltweiten Touren auch bei Olympischen Spielen jeweils über vier Runden. Allerdings wird dort kein Cut nach zwei Runden gemacht, alle Teilnehmer*innen spielen folglich über die volle Distanz. Wer die wenigsten Schläge auf den vier Runden benötigt, erhält die Goldmedaille, bei einem Gleichstand an der Spitze geht es in ein Play-off. Golf war bereits 1900 (in Paris) und 1904 (St. Louis) olympisch, kehrte aber erst 2016 in Rio de Janeiro – dann auch für die Frauen – wieder ins Programm zurück. Teilnahmeberechtigt sind auch alle Profis, allerdings maximal vier aus einem Land.
Handball
Auf der Skala der beliebtesten Mannschaftssportarten in Deutschland belegt Handball nach dem Fußball den zweiten Platz. Viele große Namen hat das überaus robuste und kraftraubende Spiel hervorgebracht. Das wohl bekannteste Gesicht des Handballs ist hierzulande das von Heiner Brand. Der Mann mit dem markanten Schnauzbart brachte es sowohl als Spieler (1978) als auch als Trainer (2007) zu WM-Gold. Dennoch: Der Handball blieb bis heute populär, international gab es große Erfolge wie die beiden EM-Titel 2004 und 2016. Bei Olympischen Spielen gab Handball sein Debüt 1936 in Berlin. Es blieb der einzige Auftritt auf dem Feld, bei der Rückkehr ins olympische Programm 1972 in München wurde in der Halle gespielt. Die Frauen folgten vier Jahre später in Montreal. Für den einzigen deutschen Olympiasieg sorgten die Männer der ehemaligen DDR 1980 bei den „Boykottspielen“ von Moskau. Die letzte Olympiamedaille gab es 2016 in Rio de Janeiro durch das bei der EM erfolgreiche Team um Startorwart Andreas Wolff. Handball wird bei Frauen und Männern mit sieben Spieler*innen inklusive Torfrau oder Torwart über zweimal 30 Minuten gespielt. Bei Unterzahl nach einer zweiminütigen Zeitstrafe kann eine Mannschaft die Torfrau oder den Torwart gegen eine sechste Feldspielerin oder -spieler austauschen, um das Defizit im Angriff auszugleichen. In Liga- und Länderspielen zählt das Ergebnis nach 60 Minuten. Bei internationalen Meisterschaften wie EM, WM oder Olympia jedoch muss bei einem Unentschieden nach 60 Minuten die Entscheidung in einer Verlängerung über fünf Minuten fallen. Steht es dann immer noch remis, gibt es eine weitere Verlängerung - bis die Sieger*innen feststehen.
Judo
Der Kampfsport Judo hat seine Wurzeln im achten Jahrhundert, übersetzt heißt es „sanfter Weg“. Die Übungen dienten einst der Persönlichkeitsentwicklung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Judo zu einem Wettkampfsport, es ist die weltweit am meisten verbreitete Kampfsportart. 1956 fand im Mutterland Japan die erste WM statt, acht Jahre später feierte Judo an gleicher Stätte sein olympisches Debüt bei den Männern. Die Frauen folgten 28 Jahre später in Barcelona. Deutschlands Judoka sorgen international immer wieder für Erfolge. So gab es bisher drei Olympiasiege, bei den Männern durch die Halbmittelgewichtler Frank Wieneke (1984 in Los Angeles) und Ole Bischof (2008 in Peking), als einzige deutsche Frau triumphierte Yvonne Bönisch 2004 in Athen. Seit 1956 gibt es in Deutschland eine Judo-Bundesliga, bei den Frauen seit 1991. Das unbestrittene Gesicht der Sportart ist der Franzose Teddy Riner. Der Franzose gewann 2012 und 2016 Olympiagold und wurde elfmal Weltmeister. Zwischen 2010 und 2020 blieb er in 154 Kämpfen unbesiegt. In seiner Karriere ging er insgesamt nur elfmal als Verlierer von der Matte. Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gibt es seit der Einführung des Mixed-Team-Wettbewerbs insgesamt 15 Entscheidungen (je sieben für Männer und Frauen). Gekämpft wird auf mittelharten Matten, genannt Tatami. Es gibt eine Vielzahl von Wertungen, mit denen Punkte errungen werden können. Ziel ist es, den Gegner durch Anwendung verschiedener Techniken kontrolliert in die Rückenlage zu bringen. Die bekanntesten Wertungen sind Ippon (ganzer Punkt), Waza-ari  (70 Prozentpunkte) und Yuko (großer technischer Vorteil).
Leichtathletik
Die „Königin unter den Sportarten“ - kein Sport fasziniert die Menschen weltweit so sehr wie die Leichtathletik, das Herzstück der Olympischen Spiele. Das olympische Motto „höher, weiter, schneller“, es wird vereint in der Leichtathletik mit ihren natürlichen Komponenten der menschlichen Bewegungsabläufe: springen, werfen und laufen. Kein anderer Sport hat so viele klangvolle Namen hervorgebracht wie beispielsweise US-Amerikaner Jesse Owens oder auch Wunderläufer Paavo Nurmi, der Diskushüne Al Oerter, die Gazelle Wilma Rudolph im Sprint, Barfuß-Marathon-Olympiasieger Abebe Bikila oder auch Carl Lewis, der es 1984 in Los Angeles Jesse Owens nachtat und Gold über 100, 200 und 4x100 m sowie im Weitsprung gewann.  Die deutsche Leichtathletik-Geschichte ist ebenfalls geprägt von vielen großen Namen. Da ist eine Ulrike Nasse-Meyfarth, die zwölf Jahre nach ihrem Olympiasieg als 16-Jährige in München auch in Los Angeles 1984 triumphierte und dabei noch zehn Zentimeter höher sprang. Heide-Ecker Rosendahl, die 1972 Gold im Weitsprung gewann und im Finale der 4x100-m Staffel auf der Zielgeraden die damalige Weltrekordlerin Renate Stecher aus der DDR in Schach halten konnte – ein Wunder. Die Zehnkämpfer Jürgen Hingsen und Kurt Bendlin, 100-m-Olympiasieger Armin Hary – nur einige weitere Ausnahmeathleten, die die großen Kapitel der deutschen Erfolgsgeschichte geschrieben haben. Während die Männer bereits 1896 in Athen bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit am Start waren, erhielten die Frauen erst 1928 in Amsterdam die Teilnahmeberechtigung. Es war seitdem ein langer Kampf um die volle Gleichberechtigung. Erst mit der Aufnahme der 3000 m Hindernis der Frauen für 2008 in Peking wurde dies erreicht. Damit stehen für beide Geschlechter jeweils 23 Entscheidungen auf dem Programm. Wie andere Sportarten sucht auch die Leichtathletik im Kampf um die Gunst der Fans nach Innovationen. So wird 2024 in Paris als zweite Mixed-Disziplin neben der 4x400-m-Staffel das Marathon-Gehen über 42,195 km eingeführt. Dabei bestreiten ein Mann und eine Frau zweimal abwechselnd etwas mehr als zehn Kilometer.
Radsport - BMX
Die Sparte BMX - Abkürzung für Bicycle Motocross - ist die jüngste im olympischen Radsport. Ende der 60er Jahre entwickelte sich die junge Sportart in den USA. Gefahren wird auf speziellen 20-Zoll-Rädern. 2008 in Peking wurde der Trendsport mit der Disziplin Rennen für Männer und Frauen ins olympische Programm aufgenommen. Mit dieser Maßnahme erhoffte sich das IOC, mehr Jugendliche für Olympia zu begeistern, alte Strukturen sollten etwas aufgebrochen werden, ohne jedoch die eigene Identität zu verlieren. Für die BMX-Rennen werden eigene Wettkampfbahnen mit einer Länge zwischen 300 und 400 Metern und mindestens drei Kurven angelegt. Der Start erfolgt auf einem 2,50 m hohen Hügel. Die Bahn kann zusätzliche Einfach- und Mehrfachhindernisse, meistens Sprünge, enthalten. Bei einem Rennen treten standardmäßig acht Fahrer*innen in einem Lauf im direkten Duell gegeneinander an. In drei Vorläufen kommen die Fahrer*innen mit den wenigsten Punkten weiter. Das Finale besteht aus einem einzigen Lauf. Gewinner*in eines BMX-Rennens ist, wer im Finale als Erste oder Erster die Ziellinie überquert. 2021 in Tokio kam für die BMX-Artist*innen die Freestyle-Disziplin Park hinzu. Gefahren wird auf einer eingegrenzten Fläche mit Rampen, Sprüngen und anderen Hindernissen. Die Reihenfolge der zu fahrenden Hindernisse ist nicht festgelegt. In jeder Runde treten die Fahrer*innen zweimal an, in Qualifikationsrunden zählt der mittlere Wert aus beiden Bewertungen, in Halbfinale und Finale der bessere Wert. Deutsche Fahrer*innen konnten sich bei Olympia bislang noch nicht in die Liste der Medaillengewinner*innen einreihen. Die bekanntesten Namen sind aus den 80er Jahren Stephan Prantl und Thomas Stellwag. Erster Olympia-Teilnehmer war Luis Brethauer 2012 in London, er war auch der erste Deutsche mit einer WM-Medaille.
Radsport - MTB
Das Mountainbiken erfreut sich in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit einer immer größer werdenden Beliebtheit. Das Fahren in der Natur zieht die Menschen an, dazu gesellen sich fahrerische Aufgaben, die es in sich haben können. So auch auf der olympischen Bühne. Die Disziplin Cross-Country wurde 1996 in Atlanta für Frauen und Männer ins Programm aufgenommen und ist dort bis dato die einzige MTB-Disziplin. Das deutsche Gesicht im Mountainbikesport ist Sabine Spitz. In fast zwei Jahrzehnten fuhr sie große Erfolge ein. Nach Olympiabronze 2004 in Athen gewann sie vier Jahre später in Peking Gold. 2012 in London kam die Silbermedaille hinzu. Spitz gewann dazu zwei WM- und vier EM-Titel. Erst 2019, im Alter von 47 Jahren, beendete die Vorzeigeathletin ihre großartige Karriere. Für die einzige deutsche Männer-Medaille bei Olympia oder WM sorgte Manuel Fumic bei den Welttitelkämpfen 2013. International herausragender Mountainbiker ist der Schweizer Nino Schurter, der wie Spitz einen kompletten olympischen Medaillensatz hat – mit dem goldenen Höhepunkt 2016 in Rio. Dazu kommen zehn WM-Triumphe. 2024 in Paris dürfen sich die Fahrer*innen auf einen fordernden Kurs freuen. Austragungsort ist der Elancourt-Hügel, der höchste Punkt der Region Paris mit einer Höhe von 231 Metern. 95 Prozent der Strecke werden auf bestehenden Wegen zurückgelegt. Es gibt die typische Charakteristik mit vielen kurzen Anstiegen und künstlich gebauten Passagen, die sich einbetten in die natürlichen Wurzel-, Stein- und Waldpassagen.
Radsport - Straße
Der Beginn der Geschichte des olympischen Straßenradrennens gleicht einem Abenteuer: Als der Grieche Aristidis Konstantinidis 1896 auf der 87 km langen Strecke von Athen nach Marathon und zurück zum zweiten Mal eine Panne hatte, lieh er sich kurzerhand von einem Zuschauer ein Rad und fuhr zum Olympiasieg. Statt wie heute Gold gab es für Konstantinidis damals nur Silber. In Paris 2024 ist die herausfordernde Männerstrecke mehr als dreimal so lang, mit 273 Kilometern ist sie zugleich die längste in der olympischen Geschichte. Die Distanz der Frauen beträgt 158 km. Die Straßenrennen und das Einzelzeitfahren gehören zu den Highlights der Olympischen Spiele. In Paris werden erstmals Frauen und Männer die gleiche 32,4 km lange Strecke für den Kampf gegen die Uhr absolvieren. In der Liste der Straßenrad-Olympiasieger tauchen auch zwei deutsche Namen auf: 1988 in Seoul gewann Olaf Ludwig für die damalige DDR, beim deutschen Dreifachsieg gefolgt von den bundesdeutschen Rivalen Bernd Gröne und Christian Henn. 2000 in Sydney, drei Jahre nach seinem historischen Triumph bei der Tour de France, holte sich Jan Ullrich die Goldmedaille. Der Fahrer mit den unvergleichlichen Kraftwerten gewann zudem Silber im Zeitfahren. Direkt hinter ihm landete sein US-Dauerrivale Lance Armstrong, dem jedoch Bronze wegen Dopings später aberkannt wurde. Zwölf Jahre später in London machte es Tony Martin Jan Ullrich nach und gewann Silber im Zeitfahren. Gold gab es für deutsche Frauen noch nicht, dafür dreimal Silber durch Judith Arndt (2) und Hanka Kupfernagel. Im Gegensatz zu Olympischen Spielen wird bei Weltmeisterschaften eine Mixed-Staffel auf der Straße ausgetragen. Die Teams bestehen aus jeweils drei Fahrern und Fahrerinnen.
Reiten
Es gibt wohl kaum einen anderen Sport, in dem Deutschland derart dominant ist wie im Reitsport. Ob Olympia, WM oder EM – stets gehören die deutschen Teilnehmer*innen zu den Favorit*innen. Nicht umsonst kommen in der olympischen Historie die drei erfolgreichsten Sportler*innen aus Deutschland. Angeführt wird das Trio von Isabell Werth, die als einzige ihres Sports sieben Goldmedaillen errungen hat, ihr folgen Dr. Reiner Klimke (6) und Hans Günter Winkler (5). Letzterer sorgte auf der olympischen Bühne für eine der unvergesslichen Momente, die ihm den Legendenstatus bescherten. Ihm, aber vor allem auch seiner Halla. Die Wunderstute trug ihren verletzten Reiter bei den Springreit-Wettbewerben in Stockholm 1956 über die Hindernisse. Winkler hatte sich im ersten Durchgang an Hindernis 13 einen Muskelriss zugezogen. Dennoch trat „HGW“ auch im zweiten Durchgang noch an, Halla flog über die Hindernisse und Winkler gewann unter großen Schmerzen Gold Einzel- und Mannschaftsgold. Mit 44 Goldmedaillen führt Deutschland die Nationenwertung bei Olympia souverän an, ebenso wie auch bei WM und EM. Deutsche Reiter*innen gehören nach wie vor zu den Besten. So wurde Jessica von Bredow-Werndl in Tokio Doppel-Olympiasiegerin in der Dressur, dreimal schon stand Vielseitigkeitsreiter Michael Jung 2012 und 2016 bei Olympia ganz oben, seine Nachfolgerin in Tokio wurde Julia Krajewski. Die Springreiter*innen gewannen Mannschafts-Bronze 2016 in Rio de Janeiro. Im Gegensatz zu WM und EM werden in der Dressur bei Olympia nur zwei Goldmedaillen vergeben, für die Einzel-Kür und in der Mannschaft. Bei den anderen Titelkämpfen kommt der Grand Prix Special hinzu. Auch in den anderen beiden Disziplinen Springen und Vielseitigkeit (früher Military) gibt es auf der olympischen Bühne nur Einzel- und Teammedaillen. Der Pferdesport stand 1900 in Paris erstmals im olympischen Programm, damals mit drei Disziplinen: Springreiten, Hochspringen, Weitspringen. Nach einer zwölfjährigen Pause gehört Reiten seit 1912 in Stockholm fest dazu.
Rhythmische Sportgymnastik
Anmut, Körperbeherrschung, tänzerisches Talent  - das sind nur drei der prägenden Elemente der Rhythmischen Sportgymnastik. Die Gymnastinnen sind dabei in höchstem Maße gefordert, müssen sie doch zur Musik mit den verschiedenen Handgeräten Seil, Reifen, Ball, Keule und Band ihr Können unter Beweis stellen. Die Sportgymnastinnen feierten ihre olympische Premiere 1984, 21 Jahre nach der ersten WM in Budapest. In Los Angeles wurde erstmals ein Einzelwettkampf durchgeführt, zwölf Jahre später in Atlanta kam die Mannschaftsentscheidung hinzu. Die Einzelentscheidungen werden bei WM und EM ausgetragen. Weltweit führend sind Sportlerinnen aus Osteuropa, allen voran Russland. Als 1984 große Teile des damaligen Ostblocks die Olympischen Spiele boykottiert hatten, gewann Regina Weber als bislang einzige Deutsche als Dritte eine Medaille. Die Wattenscheiderin ist die Mutter des aktuellen Fußball-Nationalspielers Leroy Sane. Sie ist die erfolgreichste nationale Gymnastin vor Carmen Rischer und Magdalena Brzeska. Die deutsche Erfolgsbilanz könnte sich aber in Zukunft verbessern. Als Goldanwärterin bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 gilt Darja Varfolomeev, die bei der WM 2023 als zweite Gymnastin überhaupt fünfmal Gold gewann. Die Noten für eine Übung setzen sich zusammen aus dem Schwierigkeitswert sowie der Ausführung. Der Schwierigkeitswert wiederum setzt sich aus vielen verschiedenen Komponenten zusammen, beispielsweise den Sprüngen, Drehungen und Ständen. Hinzu kommen die Tanzschritte mit bestimmten Schrittreihenfolgen und dynamische Elemente wie das hohe Werfen und das Fangen mit oder ohne Hände.
Ringen
Der erste Olympiasieger im Ringen war ein Deutscher. 1896 in Athen wurde lediglich eine Offene Klasse im griechisch-römischen Stil ausgetragen. Sieger wurde das sportliche Multitalent Carl Schuhmann. Der Münsteraner gewann bei den ersten Spielen der Neuzeit zudem dreimal Gold im Gerätturnen. Schuhmann ging als kleinster Ringer an den Start, ihm wurden daher kaum Chancen ausgerechnet. Doch nach einem 65-minütigen Kampf, der über zwei Tage ging, holte er sich letztlich Gold. Ringen hat in Deutschland eine lange Tradition, die Bundesliga wurde 1964 eingeführt. Bekannte Namen brachte der Sport hierzulande hervor. Allen voran Wilfried Dietrich. Der „Kran aus Schifferstadt“ wurde bei den Spielen 1960 in Rom Freistil-Olympiasieger, ein Jahr später in Japan Weltmeister im Schwergewicht. Weltweite Berühmtheit aber erlangte er 1972 in München, wo er ohne Medaille blieb. Dietrich feierte dabei einen sensationellen Schultersieg gegen seinen 182 kg schweren US-Gegner Chris Taylor. Dies wurde damals in der Fachwelt als für nicht möglich gehalten. Die Bilder jenes Moments, als Dietrich seinen Rivalen vom Boden hob, gingen um die Welt. Beim Ringen gibt es zwei Stilarten. Im Freistil gilt der gesamte Körper als Angriffsfläche, im griechisch-römischen Stil (auch Greco genannt) nur der Körper oberhalb der Gürtellinie. Das Ziel des Ringers oder der Ringerin ist es, den oder die Gegner*in mit beiden Schultern auf die Matte zu bringen. Dazu werden Würfe, Schleuder- und Hebelgriffe verwendet. Das Frauen-Ringen (nur Freistil) feierte 2004 in Athen seine Premiere auf olympischer Bühne.
Rudern
Der Rudersport hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits 1836 wurde in Hamburg der erste Verein gegründet. Wie einige andere Sportarten hat auch der Rudersport seine Wurzeln in England. 1829 fand erstmals das noch heute berühmte Boat Race statt: In diesem Traditionsduell gehen zwei Achter der Universitäten von Oxford und Cambridge auf der Themse an den Start. Der Rudersport erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit, in den Blickpunkt rückt er vor allem bei Olympischen Spielen. Die erfolgreichsten Olympia-Ruderer*innen sind die Rumänin Elisabeta Lipa und Sir Steven Redgrave aus Großbritannien mit jeweils fünfmal Gold. Auch der deutsche Rudersport brachte große Namen und Boote hervor. Berühmtheit erlangte beispielsweise der Vierer ohne Steuermann durch seine Erfolge bei WM und EM. Höhepunkt war der Olympiasieg 1972 in München. Wegen der außergewöhnlichen Kraftwerte wurde das lange ungeschlagene Boot auch der Bullenvierer genannt. Unvergessen sind auch die ewigen Duelle zwischen dem fünfmaligen Weltmeister Peter-Michael Kolbe und Pertti Karppinen, die der Finne 1976 und 1984 für sich entschied. Auch der Deutschland-Achter sorgte immer wieder für Schlagzeilen. Das Flaggschiff gewann neben WM- und EM-Titeln bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold sowie 2016 und 2021 jeweils Olympiasilber. Beim Rudern gibt es zwei verschiedene Arten der Fortbewegung, Skull und Riemen. Beim Skullen hat der oder die Ruderer*in in jeder Hand ein Ruderblatt, beim Riemen nur eines. In den Booten mit Schlagmann oder Schlagfrau sitzt dieser im Heck und gibt der Crew die Schlagfrequenz vor. Bei den Olympischen Spielen in Paris werden bei Frauen und Männern jeweils sieben Wettbewerbe ausgetragen, vom Einer bis zum Achter. 1900 in Paris gab es erstmals olympische Ruderentscheidungen, nachdem die für 1896 geplante Premiere wegen des schlechten Wetters ausgefallen war. 1976 in Montreal kamen die Frauen hinzu.
Schießen
Der Schießsport ist eine der ältesten olympischen Sportarten. Und das hat einen guten Grund: IOC-Gründer Baron Pierre de Coubertin war selbst ein leidenschaftlicher Schütze, so gehörte die Sportart für die Männer bei den ersten Spielen der Moderne 1896 in Athen auch zum Programm. Reine Frauen-Wettbewerbe bei Olympischen Spielen folgten erst 1984 in Los Angeles. Die Disziplinen in den Anfängen unterscheiden sich deutlich von den heutigen. So wurde beispielsweise 1900 in Paris noch auf lebende Tauben geschossen – heute undenkbar. Der erfolgreichste deutsche Olympiaschütze ist Ralf Schumann. Der Spezialist mit der Schnellfeuerpistole triumphierte bei sieben Teilnahmen dreimal, holte zudem zahlreiche WM- und EM-Titel. Bei den Frauen ragte Silvia Sperber heraus, die 1988 in Seoul Silber mit dem Luftgewehr und dann auch noch Gold im Kleinkaliber-Dreistellungskampf - der Königsdisziplin - gewann. Dabei werden kniend, liegend und stehend jeweils 40 Schuss aus 50 Metern Distanz abgegeben. Bei Olympischen Spielen werden seit 2021 in Tokio 15 Medaillenentscheidungen durchgeführt, hinzu kamen in Japan drei Wettbewerbe für gemischte Mannschaften. Durchgeführt werden bei Frauen und Männern zudem jeweils der KK-Dreistellungskampf, 10-m-Luftpistole, 10-m-Luftgewehr, Trap und Skeet. Dazu kommt bei den Männern die 25-m-Schnellfeuerpistole und bei den Frauen die 25-m-Sportpistole. In Paris 2024 treten Mixed-Teams mit der Luftpistole, dem Luftgewehr und im Skeet an. In der Trapkonkurrenz auf die Wurfscheiben haben die Schützen*innen das Gewehr bereits im Anschlag, beim Skeet hängt die Flinte beim Abwurf der Scheibe noch nach unten.
Schwimmen
Die Wettbewerbe der Beckenschwimmer gehören neben der Leichtathletik zu den starken Säulen der Olympischen Spiele. Insgesamt 35 Goldmedaillen werden in Paris 2024 vergeben, je 17 bei Frauen und Männern sowie eine in der Mixedstaffel. Wer kennt nicht Michael Phelps, diesen US-Wunderschwimmer, der mit 23 Goldmedaillen (!) der mit großem Abstand erfolgreichste Athlet in der Geschichte der Olympischer Spiele ist. Unvergessen ist sein Auftritt 2008 in Peking, als er mit acht Gold-Triumphen den für unschlagbar geltenden Rekord des großen Mark Spitz brach, der bei den Spielen 1972 in München unglaubliche siebenmal ganz oben auf dem Treppchen stand. Der 26-malige Weltmeister und achtmalige Weltschwimmer Phelps war schon vier Jahre zuvor in Athen sechsmal siegreich, in London 2012 kamen vier, in Rio 2016 weitere fünf Goldmedaillen hinzu. Einer von vielen weiteren großen Berühmtheiten des Schwimmsports ist Johnny Weissmüller. Der fünfmalige Olympiasieger war nicht nur der erste Schwimmer, der die 100 m unter einer Minute schwamm, noch berühmter wurde er nach seiner aktiven Karriere. Als Darsteller von Tarzan erlangte er in zwölf Kinofilmen einen Legendenstatus. Dazu trug hierzulande auch ein TV-Auftritt 1971 im Aktuellen Sportstudio bei, bei dem ihm als Gag ein Schimpanse auf den Schoß gesetzt wurde. Als dieser plötzlich Weissmüllers Frau die Perücke vom Kopf riss, war das Gelächter groß. Auch der deutsche Schwimmsport brachte unzählige große Namen hervor: „Albatross“ Michael Groß, Rückenspezialist Roland Matthes, die mit vier Olympia- und acht WM-Titeln dekorierte Kornelia Ender, die in Seoul 1988 sechsmal erfolgreiche heutige ZDF-Moderatorin Kristin Otto, Peking-Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen, Weltrekordler Paul Biedermann oder auch Langstrecken-Ass Florian Wellbrock. Und nicht zu vergessen Franziska van Almsick. Der Stern der Berlinerin ging bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona auf, als sie als 14-Jährige je zweimal Silber und Bronze gewann. Ein Olympiasieg blieb „Franzi“ zwar verwehrt, dafür holte sie neben zehn Olympiamedaillen aber 18 EM-Titel und zweimal WM-Gold. Ganz speziell war der Triumph 1994 in Rom. Dort hatte sie als Halbfinal-Neunte den Endlauf verpasst. Da ihre Teamkollegin Dagmar Hase aber auf ihre Finalteilnahme verzichtete, ging Franziska van Almsick doch noch an den Start und triumphierte dort in Weltrekordzeit. Bereits 16 Jahre vor der Gründung des Schwimm-Weltverbandes FINA (1912) gehörte Schwimmen 1896 in Athen zum Olympia-Programm, die Frauen gingen erstmals 1912 in Stockholm ins olympische Becken. Geschwommen wird Olympischen Spielen im 50-m-Becken, dagegen gibt es ansonsten auch Welt-, Europa- und deutsche Meisterschaften über die Kurzbahn (25 m).
Segeln
Segeln wurde 1900 in Paris für die Männer zum ersten Mal olympisch, mit vier Jahren Verspätung - denn schlechtes Wetter hatte das für 1896 in Athen geplante Debüt platzen lassen. Gab es anfangs noch gemischte Teams, wurde erst 1988 in Seoul ein reiner Frauen-Wettbewerb durchgeführt. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 gibt es jeweils vier Wettbewerbe für Frauen und Männer sowie zwei Mixed-Konkurrenzen. Neu im Programm ist für Frauen und Männer das Kitesurfen. Gesegelt wird vor dem Marina du Roucas-Blanc vor Marseille. Durchgeführt werden zehn Wettfahrten, ehe es zum Medal Race kommt. Der Segelsport rückte in der jüngeren Vergangenheit vor allem durch Boris Herrmann in den Mittelpunkt. Seine Teilnahme an der Weltumseglung Vendée Globe, der härtesten Einhandregatta der Welt, sorgte für Schlagzeilen. Das schaffte er auch mit seiner Teilnahme am Ocean Race 2023 (Platz 3) sowie 2019 mit seiner Atlantiküberquerung, bei der er als besonderen Gast die Klimaaktivistin Greta Thunberg an Bord hatte. Bei Olympischen Spielen ist Jochen Schümann mit dreimal Gold und einmal Silber der erfolgreichste deutsche Teilnehmer. Der gebürtige Berliner sorgte aber auch abseits der olympischen Gewässer für große Erfolge. 2003 und 2007 gewann er mit dem Schweizer Team Alinghi zweimal den berühmten America's Cup, der Ritterschlag im Segeln. Segeln hat in Deutschland eine lange Tradition, vor allem durch seine Reviere im Norden. Allen voran die Kieler Woche, die bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt wird. Sie ist eines der größten Segelsportereignisse weltweit, ein Höhepunkt der Woche ist die Windjammerparade. Drei bis vier Millionen Menschen verfolgen die Kieler Woche Jahr für Jahr. Auch die Travemünder Woche und die Warnemünder Woche stehen alljährlich im internationalen Wettkampfkalender.
Skateboard
Die Trickfahrten auf dem schmalen Holzbrett auf Rädern gehören nach der Premiere 2021 in Tokio nun zum zweiten Mal zum Programm der Olympischen Spiele. Und der Schauplatz 2024 in Paris könnte kaum spektakulärer sein: Ausgetragen werden die Wettbewerbe auf dem berühmten Place de la Concorde im Herzen der französischen Metropole. Durchgeführt werden für Frauen und Männer wieder jeweils zwei Wettbewerbe: Park und Street. Park wird in einer Art Schüssel mit verschiedenen Hindernissen durchgeführt, damit die Athleten*innen genügend Schwung holen können, um ihre Tricks in der Luft aufzuführen. Im Street müssen die Skater*innen binnen 45 Sekunden Tricks auf einem Parcours vorführen, der einer urbanen Umgebung nachempfunden ist und Treppen, Rails und Gaps enthält. Wie beim Park gibt es eine Vorrunde sowie eine Finalrunde. Entwickelt wurde der Sport in der 1950er Jahren in den USA, in Kalifornien suchten die Surfer damals nach einer Alternative für die Phasen der schwachen Wellen. Schnell entwickelte sich eine ganze Industrie. Seit 2019 werden Weltmeisterschaften in diesen beiden Disziplinen gemeinsam durchgeführt, 2014 feierte Skateboard seine Premiere bei den Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing. Deutsche Medaillen bei internationalen Großereignissen gab es bislang noch nicht. In Tokio war Team D im Park durch die damals erst 14-jährige Lilly Stoephasius (9.) und Tyler Edtmayer vertreten, der mit einem Gipsarm und einer couragierten Leistung den 15. Platz belegte. Die starken Skateboard-Nationen sind vor allem die USA, Brasilien und Japan.
Sportklettern
Die Herausforderungen an den Kletterwänden erfreuen sich international großer Beliebtheit. Nicht zuletzt deshalb entschied sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2016, die junge Sportart ins Programm für die Sommerspiele 2021 in Tokio aufzunehmen. 2018 war der Trendsport bereits Teil der Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires. Weltmeisterschaften werden im Speed und Lead seit der Premiere 1991 in Frankfurt/Main ausgetragen, Bouldern kam 2001 hinzu. Erfolgreichster deutscher Sportkletterer ist Alexander Megos. Der Mittelfranke aus Erlangen konnte im Schwierigkeitsklettern Lead bereits drei WM-Medaillen gewinnen. 2018 und 2023 gewann Megos Bronze, 2019 holte er Silber. Bei der Olympiapremiere in Tokio verpasste er als Neunter der Qualifikation nur knapp das Finale. Herausragende Sportkletterin ist Jana Garnbret. Die Slowenin holte sich das Kombi-Gold in Tokio, zudem wurde sie bereits achtmal Welt- sowie viermal Europameisterin. Ihr männliches Pendant ist der Österreicher Jakob Schubert, der schon sechs WM-Titel errang. Deutschland gewann bislang zweimal WM-Gold, 2021 durch den Essener Yannick Flohe in der Kombination sowie 2014 durch Juliane Wurm im Bouldern. Die Wettbewerbe finden fast ausschließlich an künstlichen Kletterwänden statt. Im internationalen Spitzensport gibt es drei verschiedene Kategorien: Lead, Bouldern und Speed. Bei den olympischen Wettkämpfen 2024 in Le Bourget im Norden von Paris werden erstmals zwei Disziplinen ausgetragen - die Kombination aus Bouldern und Lead sowie erstmals separat im Lead. In der Kombination werden die beiden Einzelergebnisse addiert. Bei der Premiere 2021 in Tokio wurden noch alle drei Teilbereiche addiert. Beim Leadklettern müssen die Athleten*innen versuchen, in einer ihnen zuvor unbekannten Route so weit wie möglich zu kommen. Ziel ist das obere Ende (Top). Beim besonders kraftraubenden Bouldern müssen etwa drei bis vier Meter hohe Boulderprobleme gelöst werden. Je weniger Versuche sie benötigen, desto mehr Punkte gibt es. Im Speed müssen die Kletterer*innen in direkten Zweier-Duellen so schnell wie möglich die Spitze einer 15 Meter hohen Wand erreichen.
Surfen
Denkt man an Wellreiten, so denkt man an Monsterwellen mit einer Höhe von über 20 Metern, man denkt an waghalsige Surfer und Surferinnen, die sich aus der Höhe in die Tiefe stürzen und mit Geschick und Können versuchen, die Welle auszureiten. Bekanntester Name in Deutschland ist Sebastian Steudtner. Der Schwabe aus Esslingen stellte im Oktober 2020 im portugiesischen Nazare mit einer Welle von 26,2 Metern einen Weltrekord auf. Die Big Wave Surfer*innen bieten dem Publikum stets ein Spektakel. Bei Olympia geht es eine Nummer kleiner zu, die Premiere gab es 2021 in Tokio. Dort war auch der Deutsche Leon Glatzer qualifiziert, er schied aber bereits in der ersten Runde aus. Immerhin ritt der Japaner Kanoa Igarashi im Halbfinale mit 17,00 m die höchste Welle. Ihm blieb am Ende Silber hinter dem Brasilianer Italo Ferreira. Bei den Frauen dominierte die US-Amerikanerin Carissa Moore mit einer 14,93-m-Welle im Finale. Bei den Olympischen Spielen 2024 finden die Wettbewerbe am Teahupo'o Beach auf Tahiti statt. Teilnehmen dürfen je 24 Frauen und Männer auf dem Kurzbrett (Shortboard). Es gibt mehrere Runden, die in einzelne „Heats“ unterteilt sind. In den ersten Runden sind mehrere Starter*innen gleichzeitig im Wasser und versuchen binnen 20 bis 30 Minuten, die beste Welle zu erwischen. Entscheidend für die Punktzahl sind der Schwierigkeitsgrad der Manöver, das Tempo, die Kreativität sowie Vielseitigkeit und Kraft. Die höchste und niedrigste Wertung werden gestrichen, aus den anderen drei Resultaten wird der Mittelwert errechnet. Die beiden höchsten Wertungen eines „Heats“ werden zum entscheidenden Gesamtergebnis addiert. Ab dem Achtelfinale treten zwei Teilnehmer*innen in direkten Duellen gegeneinander an. Weltmeisterschaften gibt es bereits seit 1976, deutsche Sieger gab es bei Frauen und Männern noch nie. Herausragende Nationen sind Brasilien, Australien und die USA.
Synchronschwimmen
Die Olympischen Spiele 2024 in Paris erleben eine Premiere: Erstmals in der Geschichte der Sommerspiele dürfen auch Männer am Synchronschwimmen teilnehmen, maximal zwei pro Achterteam. Das IOC wurde damit einem Trend gerecht, denn Männer sind in der Sportart schon längst keine Exoten mehr. Dabei waren es zunächst nur Männer, die an dem vormals als Wasserballett oder Kunstschwimmen bezeichneten Sport teilnahmen. Erst in den fünfziger Jahren durften auch Frauen antreten. 1984 in Los Angeles hatte die Sportart ihren ersten vollwertigen Auftritt bei Olympia. Das Synchronschwimmen wird oftmals belächelt, doch es fordert den Athleten*innen ein Höchstmaß an Kraft und Anstrengung ab. Dabei müssen die Teilnehmer*innen viele Fähigkeiten aus anderen Sportarten miteinander verbinden: Turnen, Schwimmen, Wasserball und Tanzen. Ausgeübt wird eine Vielzahl von Bewegungen wie Figuren, Armzüge und Hebungen. Dabei ist Bodenkontakt verboten. Die Athlet*innen dürfen auch nicht länger als zehn Sekunden aus dem Wasser sein. Im Synchronschwimmen gibt es zwei Arten von Übungen, die freie Kür und die technische Kür, die eine Reihe von bestimmten Elementen vorschreiben. Seit den Spielen 2000 in Sydney werden bei Olympia Team- und Duett-Wettbewerbe durchgeführt. Im Juni 2023 sorgte das deutsche Synchronteam bei der EM im Rahmen der Europaspiele für einen historischen Erfolg. Die Mannschaft gewann als Zweiter nicht nur die erste EM-Medaille seit 40 Jahren, zugleich war der frühere Berliner Wasserspringer Frithjof Seidel damit auch der erste Mann, der bei einer EM auf dem Treppchen stand. Die erfolgreichste Synchronschwimmerin ist die Russin Swetlana Romaschina, die zwischen 2008 und 2021 insgesamt sieben Goldmedaillen in Team und Duett gewann. Die Sportart in den Blickpunkt rückte auch die frühere US-Schwimmerin und Schauspielerin Ester Williams, die in den 40er und 50er Jahren in den von Hollywood produzierten Aqua-Musicals unter anderem an der Seite von „Tarzan“ Johnny Weissmüller auftrat. Auch ihr Film „Badende Venus“ erlangte Aufmerksamkeit. Bei Olympischen Spielen wird im Duett eine Vorrunde mit einer freien Kür und einer technischen Kür ausgetragen. Die zwölf besten Duette ziehen in das Finale der freien Kür ein, wobei nur die Wertung der technischen Kür berücksichtigt wird. Diese wird zur Wertung der zweiten freien Kür addiert, um die Medaillen zu ermitteln. Im Teamwettbewerb werden die Medaillen durch die Addition beider Punktzahlen ermittelt.
Taekwondo
Beim Taekwondo handelt es sich um eine aus Südkorea stammenden Kampfkunst, bei der Füße und Hände benutzt werden. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul im Mutterland Südkorea sowie 1992 in Barcelona war Taekwondo eine Demonstrationssportart, erstmals ins olympische Programm aufgenommen wurde es für Frauen und Männer 2000 in Sydney. Gekämpft wird bei Olympischen Spielen jeweils in vier Gewichtsklassen, bei WM und EM gibt es je acht Kategorien. Austragungsort 2024 in Paris ist das Grand Palais, ein architektonisches Meisterwerk im Herzen der französischen Metropole. Das Grand Palais ist bekannt für sein prächtiges Kirchen- und Glasdach, gebaut wurde es für die Weltausstellung 1900. Die erste deutsche Olympiamedaille bei den Männern gewann Weltergewichtler Faissal Ebnoutalib bei der Premiere in Sydney. Zwölf Jahre später holte Ex-Europameisterin Helena Fromm in London Bronze. Die ersten Weltmeisterschaften fanden 1973 statt, die erste EM drei Jahre später. Deutschland war zweimal Gastgeber einer WM (Sindelfingen 1979 und Garmisch-Partenkirchen 2003). Europameisterschaften fanden bereits dreimal hierzulande statt (München 1978, Stuttgart 1984 sowie Bonn 2006). Ziel im Taekwondo ist es, den Gegner oder die Gegnerin zu treten und zu schlagen, ohne dabei selbst geschlagen zu werden. Gefragt sind schnelle Kombinationen aus Tritten und Schlägen über drei Runden von je zwei Minuten. Punkte werden nach dem Schwierigkeitsgrad der verwendeten Techniken vergeben. Es können auch bei Fehlern Strafen verhängt werden. Es kommt im Taekwondo (übersetzt: „Der Weg des Fuß- und Faustkampfes“) nicht auf Brutalität an, vielmehr gilt es laut der Lehre, die gesamte Kraft genau im Moment des Schlages auf eine möglichst kleine Fläche wirken zu lassen, und dies möglichst schnell. Ebenso soll die gegnerische Kraft in die eigene fließen und diese dadurch effektiver machen. Auch verpflichten sich Taekwondo-Kämpfer*innen dazu, den Sport in anderen Lebensbereichen nicht zu missbrauchen. Ebenso sind Höflichkeit und Integrität wichtige Bausteine, auf denen Taekwondo basiert.
Tennis
Boris Becker, Steffi Graf, Michael Stich, Angelique Kerber – das sind die großen Namen von Grand-Slam-Gewinnern im deutschen Tennis. Vor allem dieses Quartett hat den Sport in Deutschland über allen Maßen populär gemacht. Allen voran aber Becker und Graf. „Boris“ oder der „ewige Leimener“ faszinierte die Massen weltweit mit seinem außergewöhnlichen Stil. „Bum-Bum-Boris“ – harter Aufschlag, ran ans Netz – das war sein Erfolgsrezept. Als der damals 17-Jährige 1985 im denkwürdigen Finale gegen den Südafrikaner Kevin Curren als erster Deutscher in Wimbledon triumphierte, stand das Land Kopf. Aus Bum-Bum wurde ein Boom sondergleichen. In seiner aktiven Karriere lieferte sich Becker zahlreiche epische Duelle, berühmt vor allem sein legendärer Auftritt im Davis Cup 1987 in Hartford gegen Gastgeber USA. In jenem Relegationsspiel gegen den Abstieg feierte Becker gegen die Ikone John McEnroe einen seiner größten Siege. Nach 6:21 Stunden hieß es 4:6, 15:13, 8:10, 6:2, 6:2 für den Deutschen. Becker lief anschließend mit der Deutschland-Fahne durch die Halle – zum Entsetzen der patriotischen US-Fans. Deutschland feierte am Ende den Klassenerhalt – vor allem dank Becker. Nur kurz nach Boris Becker betrat eine gewisse Stefanie Maria Graf die deutsche Tennis-Bühne, die am Ende ihrer großartigen Karriere sage und schreibe 22 Grand-Slam-Siege auf ihrem Konto verbuchte. Die Brühlerin galt lange als unschlagbar, ihre Duelle mit Martina Navratilova, Arantxa Sanchez, Gabriela Sabatini oder auch Monica Seles gingen in die Geschichte ein. Ihr sportlicher Höhepunkt war das Jahr 1988, als Graf nicht nur alle vier Grand Slams des Jahres gewann, sondern in Seoul als erste Person überhaupt mit dem Olympiasieg auch den Golden Slam perfekt machte. Und das bei der Rückkehr des Tennissports auf die olympische Bühne nach 62-jähriger Abstinenz. Bis 1924 gehörte Tennis schon zum olympischen Programm, erst in Südkorea kehrte der Sport zurück in die olympische Familie. Neben Steffi Graf gab es zwei weitere deutsche Olympiasiege, 1992 in Barcelona durch Boris Becker an der Seite von Michael Stich im Doppel sowie 2021 in Tokio durch Alexander Zverev, der damit seinen ersten ganz großen Sieg errang. Bei Olympischen Spielen werden ebenso wie bei den vier Grand-Slam-Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York fünf Titel vergeben: Für Damen und Herren jeweils im Einzel und Doppel sowie im Mixed.
Tischtennis
Tischtennis und Olympische Spiele – das war in den Anfängen eine Beziehung mit Hindernissen. Eigentlich sollte die Sportart nach einem Vorschlag Anfang der dreißiger Jahre bei den Olympischen Spielen im Winter zum Einsatz kommen. Dies wurde jedoch verworfen. Es dauerte noch viele Jahre, bis es endlich soweit war. Erst als der internationale Weltverband ITTF 1977 durch eine Reform Tischtennis kompatibel zu Olympischen Spielen machte, war der Weg frei. 1988 in Seoul feierte Tischtennis dann endlich seine Premiere – für Frauen und Männer. Seit 2021 in Tokio gibt es fünf Disziplinen: Einzel und Mannschaft für Frauen und Männer sowie das Mixed-Doppel. Weltmeisterschaften werden bereits seit 1926 ausgetragen, auch hier wird der Sport von einer Nation dominiert: China. Mehr als 80 Prozent aller olympischen Goldmedaillen gehen an das Riesenreich, auch in der WM-Bilanz liegen die Chines*innen mit gewaltigem Abstand auf Platz eins. In China ist Tischtennis ein Nationalsport. Das ist in Deutschland völlig anders. Der Sport hat hierzulande zwar auch eine lange Tradition und auch schon zahlreiche Erfolge. Dennoch: Einen Deutschen haben selbst die Chinesen gefürchtet und vor allem respektiert: Timo Boll, dieser deutsche Ausnahmespieler, erfreut sich in China großer Beliebtheit und setzte mit seinen Erfolgen in Deutschland neue Maßstäbe. Achtmal wurde Boll Einzeleuropameister, siebenmal gewann er mit dem Team. Er gilt als einer der klügsten Taktiker seines Sports, bei Olympischen Spielen holte er bei sechs Teilnahmen je zweimal Silber und Bronze mit der Mannschaft, lediglich eine olympische Einzelmedaille blieb ihm bisher verwehrt. Die „chinesische Mauer“ war auch für ihn nicht zu überwinden. Als besondere Auszeichnung für seine Verdienste wurde Boll 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zum Fahnenträger der deutschen Mannschaft bestimmt. Bundestrainer in der Boll-Ära ist kein anderer als Jörg Roßkopf, der wie Boll einst bei Rekordmeister Borussia Düsseldorf in der Bundesliga spielte. „Rossi“ hatte selbst bei den Weltmeisterschaften 1989 in Dortmund für eine deutsche Tischtennis-Euphorie gesorgt. An der Seite von Steffen Fetzner gewann er WM-Gold im Doppel. Ein Jahr zuvor war ihm zudem etwas gelungen, was Boll bis zu den Spielen 2024 in Paris nicht geglückt war: Er holte Einzelbronze in Seoul. Weitere große Namen im deutschen Tischtennissport sind der Vizeweltmeister von 1969, Eberhard Schöler, sowie bei den Frauen die vielfachen deutschen Meisterinnen Ursula Kamizuru (geborene Hirschmüller) und Nicole Struse.
Trampolinturnen
Trampolinturnen – das ist Artistik pur, ein atemberaubendes Feuerwerk an Sprüngen, Saltos und Schrauben in bis zu acht Metern Höhe. Das ist fast so hoch wie ein einstöckiges Wohnhaus. Die Sprungfläche ist rechteckig und doppelt so lang wie breit. Dabei variiert ihre Größe zwischen etwa 180 mal 360 Zentimetern und 215 mal 430 Zentimetern. Trampolinturner*innen benötigen einen außergewöhnlichen Gleichgewichtssinn und absolute Präzision. Bewertet werden vier Hauptkategorien: Ausführung, Schwierigkeit, horizontale Abweichung bei der Landung sowie die Flugzeit. Eine Übung auf Weltklasseniveau besteht aus zehn bewerteten Elementen, wichtig ist es für die Athteten*innen, in der Mitte des Trampolins zu bleiben. In der Familie der Turnerinnen und Turner ist das Trampolinturnen der jüngste Sprössling. Der erste Auftritt bei Olympischen Spielen fand 2000 in Sydney für Frauen und Männer statt, die erste WM 1964 in London. Zweimal schon fanden Welttitelkämpfe in Deutschland statt: 1990 in Essen sowie 2003 in Hannover. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris finden die Wettkämpfe in der 1984 erbauten Bercy Arena statt, die 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauern Platz bietet. Während China die Liste der besten Nationen bei Olympischen Spielen anführt, kann auch Deutschland Erfolge vorweisen. Die in Georgien geborene Anna Dogonadze gewann bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen die Goldmedaille, ebenfalls in der griechischen Hauptstadt holte sich Henrik Stehlik Bronze bei den Männern. Dafür erhielt der Weltmeister von 2003 ein Jahr später ebenso wie Anna Dogonadze das Silberne Lorbeerblatt, die höchste verliehene sportliche Auszeichnung in Deutschland. Überragender Trampolinturner der vergangenen Jahre war der Chinese Dong Dong. Er gewann vor seinem Rücktritt zwischen 2008 und 2021 in Tokio vier olympische Medaillen, darunter Gold 2012 in London. Hinzu kommen zehn WM-Goldmedaillen. Damit ist er die Nummer drei in der ewigen WM-Bestenliste hinter dem russischen Duo Alexander Moskalenko (14 Gold) und Irina Karawajewa (12), die bei der Olympia-Premiere 2000 auch jeweils Gold gewannen. Nur einer Person gelang es vor Paris, einen Olympiasieg zu wiederholen: Rosannagh „Rosie“ MacLennan aus Kanada (2012 und 2016).
Volleyball
Volleyball ist eine der weltweit verbreitetsten Sportarten. Der Weltverband FIVB hat mit 222 Mitgliedsländern mehr als die FIFA  im Fußball oder die Vereinten Nationen (UN). Seinen Ursprung hat der Sport in den USA. 1949 fand die erste Weltmeisterschaft der Männer statt, drei Jahre später folgte die erste WM der Frauen. Bei Olympischen Spielen wird Volleyball für Frauen und Männer seit Tokio 1964 gespielt. Es gibt verschiedene Varianten, die sich aus dem Volleyball entwickelt haben, die bekannteste ist die ebenfalls olympische Sportart Beachvolleyball. Nicht selten wechseln Spieler*innen aus der Halle in den Sand. Die bekanntesten Quereinsteiger sind Rio-Olympiasiegerin Kira Walkenhorst, Karla Borger und Margareta Kozuch. Deutsche Erfolge in der Halle sind eher selten, zu groß ist die weltweite Dominanz. So konnten die Männer und Frauen der früheren DDR lediglich 1972 in München bzw. 1980 in Moskau jeweils einmal Silber gewinnen.  Bei Weltmeisterschaften triumphierte die DDR 1970, 2014 holte Deutschland Bronze. Star dieser Mannschaft war Georg Grozer jr. Der gebürtige Ungar ist mit einer unglaublichen Schlagkraft ausgestattet, wird deshalb auch „Hammer Schorsch“ genannt. Geerbt hat er diese Eigenschaft von seinem Vater Georg Grozer. Der 2,00 m große Diagonalangreifer spielte 2007 erstmals für die Nationalmannschaft, für die sein Vater in den neunziger Jahren auch spielte. Dank der überragenden Leistungen von Georg Grozer jnr. konnten sich die deutschen Männer beim Turnier 2023 erstmals seit zwölf wieder für die Olympischen Spiele qualifizieren. Beim Volleyball stehen sich zwei Mannschaften mit jeweils sechs Spielern auf beiden Seiten des Netzes gegenüber. Ziel des Spiels ist es, einen Ball so über das Netz zu schlagen, dass der Ball den Boden der gegnerischen Spielfeldhälfte berührt. Eine Mannschaft darf den Ball maximal dreimal in Folge berühren, um ihn zurückzuspielen. Jeder Ballwechsel führt zu einem Punkt, ein Satz geht bis 21 Punkte bei mindestens zwei Punkten Vorsprung. Die Spiele gehen über maximal fünf Sätze, der letzte Satz endet bei 15 Punkten. Auch hier sind zwei Punkte Vorsprung für den Satzgewinn nötig.