Heim-EM

Turn-EM: Deutschland holt überraschend Team-Silber

Traumhafter Auftakt in eine komplizierte Heim-EM: Die deutschen Kunstturnerinnen haben sich bei den Europameisterschaften in Leipzig völlig überraschend die Silbermedaille im Team-Wettbewerb geschnappt.

2 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 26. Mai 2025

Nur Italien war stärker

Angeführt von Hoffnungsträgerin Helen Kevric (17) musste sich die ersatzgeschwächte Auswahl des Deutschen Turnerbundes (DTB) nach einer ganz starken Leistung nur den neuen Europameisterinnen aus Italien geschlagen geben.

"Ich kann diese Silbermedaille kaum glauben. Ich bin wahnsinnig froh, diese Leistung gemeinsam mit diesem jungen Team geschafft zu haben", sagte Kevric im Anschluss. Karina Schönmaier, die einen überragenden Wettkampf ablieferte, ergänzte: "Vor dem entscheidenden Sprung war ich schon sehr nervös. Aber dann lief es einfach toll."

Die nächste Generation im deutschen Frauenturnen

Kevric, Schönmaier (19), Lea Quaas (19), Janoah Müller (17), und Silja Stöhr (17) überzeugten am Montagabend in einer gut besuchten Leipziger Arena und holten mit einer Gesamtpunktzahl von 158,396 die zweite EM-Team-Medaille in der Geschichte der Bundesrepublik. 3,534 Punkte betrug der Rückstand der deutschen Riege auf Italien. Dritter wurden die Französinnen mit 156,728 Punkten.

In den Monaten vor den Titelkämpfen hatten sowohl die deutsche Rekordmeisterin Elisabeth Seitz (Schulterverletzung) als auch Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer-Betz (nach Hüft-OP) und die frühere Europameisterin Emma Malewski (nach längerer Verletzungspause) ihre Teilnahme abgesagt - doch die junge Generation sprang mit Bravour in die Bresche. Bundestrainer Gerben Wiersma, der eine Top-Fünf-Platzierung als Ziel ausgegeben hatte, sah eine beeindruckend fehlerarme Performance.

Fünf Gerätefinals für Schönmaier und Kevric

Neben der Medaille gab es weiteren Grund zur Freude. Kevric qualifizierte sich mit der besten Leistung aller Turnerinnen am Stufenbarren für das Gerätefinale Ende der Woche. Gleiches galt für Schönmaier am Sprung. Die 19-Jährige schaffte es zudem am Boden in den Endkampf, sie darf wie auch Kevric außerdem im Mehrkampf an den Start gehen.

Es ist der versöhnliche Auftakt in eine schwierige EM. Der DTB kämpft seit dem Jahreswechsel mit einer schweren Krise, weil ehemalige wie aktive Turnerinnen unter anderem "körperlichen und mentalen Missbrauch" an den Bundesstützpunkten in Stuttgart und Mannheim angeprangert hatten. "Es ist natürlich eine ganz besondere EM aus vielerlei Hinsicht", hatte DTB-Sportvorstand Thomas Gutekunst im SID-Gespräch eingestanden.

Die Männer können am Dienstag nachziehen

Am Dienstag steht der Teamwettbewerb der Männer auf dem Programm, dabei werden neben den Mannschaftsmedaillen auch die Finalplätze in den Geräte-Endkämpfen ausgeturnt. Der Fokus liegt beim DTB-Team vor allem auf Andreas Toba. Der Routinier, der bei den Spielen von Rio in die Herzen der Sportfans geturnt war, beendet im Anschluss an die Titelkämpfe in Leipzig im Alter von 34 Jahren seine Karriere.