Alexander Zverev bestätigt in Melbourne seine Topform. Vor dem schwierigen Halbfinale ist sogar Träumen erlaubt.
Ein Traum, der größer ist als der Titel
Alexander Zverev hat einen großen Traum. "Wenn es irgendwann mal einen Grand-Slam-Champion mit Diabetes gibt", sagte der Hamburger nach seinem Halbfinaleinzug bei den Australian Open lächelnd, "dann bin ich die glücklichste Person der Welt - selbst wenn es nicht ich bin." Die Chance aber, dass eben doch Zverev selbst dieses Kunststück gelingt, wird in Melbourne immer größer.
Zverevs Formkurve zeigt weiter nach oben
Denn der Hamburger, der seit dem Alter von vier Jahren mit der Erkrankung lebt und eine Stiftung gegründet hat, spielt derzeit hervorragendes Tennis. Beim 6:3, 6:7 (5:7), 6:1, 7:6 (7:3) gegen den US-Amerikaner Learner Tien stellte er das erneut unter Beweis. Und so wäre Zverev im möglichen Halbfinalduell mit dem Weltranglistenersten Carlos Alcaraz am Freitag (Eurosport) nur ein leichter Außenseiter.
"Ich fühle mich gut, ich spiele gut und ich bin glücklich auf dem Platz", erklärte der Tokio-Olympiasieger, der zum zehnten Mal die Vorschlussrunde bei einem Grand Slam erreicht hat, und fügte an: "Natürlich hilft es immer, wenn man gewinnt."
Nur noch zwei Schritte bis zum großen Ziel
Gewonnen hat Zverev in Melbourne inzwischen schon fünfmal - und so fehlen auf dem Weg zur Erfüllung seines Lebenstraums nur noch zwei Schritte. Dass er sie diesmal wirklich gehen kann, daran glaubt inzwischen auch der letzte deutsche Grand-Slam-Sieger bei den Männern. "Das war wieder großer Sport von Sascha Zverev. In dieser Form kann er das Turnier gewinnen", schwärmte Boris Becker bei Eurosport.
Kontrolle statt Chaos trotz extremer Hitze
Zuvor hatte Zverev vor den Augen der dreimaligen Major-Siegerin Angelique Kerber auch Tien dank seiner Aufschläge und der neuen Vorhandstärke niedergerungen. Die extreme Nachmittagshitze auf der Anlage am Yarra River mit Temperaturen von bis zu 45 Grad hatte dabei keine entscheidenden Auswirkungen auf die Partie. Der Veranstalter hatte beschlossen, das Dach zu schließen und von Beginn an für angenehme und berechenbare Bedingungen zu sorgen.
Zverev nutzte das in der Anfangsphase zu seinem Vorteil. Er strahlte wie zuletzt Sicherheit und Dominanz aus. Der erste Satzgewinn nach 36 unaufgeregten Minuten war auch Zeugnis von Zverevs derzeitiger mentaler Stärke.
Tien kämpft – Zverev setzt sich durch
Im wichtigen dritten Durchgang wurde Tiens Spiel fehlerhafter und Zverev zog davon, weil er beeindruckende Statistiken auflegte: 13 Winner gelangen ihm in dem Satz - bei keinem einzigen vermeidbaren Fehler. Auf seinem Weg ins Halbfinale ließ er sich danach auch dank überragender 24 Asse nicht mehr aufhalten, obwohl er noch einen Satzball überstehen musste.
Tien, der teilweise sehr stark gespielt hatte, wurden neun Doppelfehler zum Verhängnis, ein eigenes Break gelang dem US-Amerikaner die gesamte Partie über nicht. Zverev war zu stark. Und im Anschluss beantwortete der Deutsche dann auch noch geduldig Fragen zu seiner Stiftung, mit der er Diabetes-Betroffene unterstützt.
Ein Duell auf Augenhöhe
Alcaraz, der nach einem Viertelfinalerfolg gegen Alex de Minaur warten würde, ist so etwas wie Zverevs Lieblingsgegner unter den größten Namen im Tennis - die beiden stehen bei einer Bilanz von 6:6 in den direkten Duellen. 2024 etwa schlug Zverev den Spanier bei den Australian Open in einem hochklassigen Viertelfinale.