Deutsche Handballer kämpfen bravourös, verlieren aber das EM-Finale gegen Topfavorit Dänemark – Nun soll bei der Heim-WM 2027 der große Wurf gelingen.
Silber nach großem Kampf gegen Dominator Dänemark
Sie haben alles gegeben, haben dem Weltmeister und Olympiasieger einen überragenden Kampf geliefert, aber am Ende war Dänemark doch zu stark für die deutschen Handballer. Nachdem die Auswahl des Deutschen Handballbunds bei der Europameisterschaft in Dänemark, Norwegen und Schweden zuvor Topnationen wie Frankreich, Spanien, Norwegen und im Halbfinale Kroatien geschlagen hatte, gab es am Ende Silber nach der 27:34-Finalniederlage gegen die Dänen, die nun alle drei großen Titel des Welthandballs (EM, WM, Olympia) gleichzeitig innehaben. Bundeskanzler Friedrich Merz, der zum Endspiel ins dänische Herning gereist war, klatschte Beifall, besuchte die Mannschaft nach der Medaillenzeremonie in der Kabine und unterhielt sich 20 Minuten mit den Spielern. „Was für ein Finale, was für eine starke Europameisterschaft. Ihr habt gekämpft, Nervenstärke und Teamgeist gezeigt“, schrieb Merz in den Sozialen Medien: „Ich gratuliere Dänemark zum Titel und den deutschen Handballern zum zweiten Platz und zu einem überzeugenden Turnier. Wir sind stolz auf euch.“
Wolff hält DHB-Team lange im Spiel
Vor allem dank der 14 Paraden von Andreas Wolff, der im Finale Deutschlands EM-Rekordspieler mit 42 Partien wurde und zudem der erste deutsche Handballer ist, der zum dritten Mal in einem EM-All-Star-Team steht, konnte die DHB-Auswahl lange Zeit vom ersten EM-Titel seit 2016 träumen. Selbst die frühe Rote Karte gegen Tom Kiesler nach 13 Minuten warf die Deutschen nicht aus der Bahn, der finale Schock war dann aber die zweite Rote Karte gegen Jannik Kohlbacher drei Minuten vor dem Ende. Deutschland kämpfte sich dank der Tore von Juri Knorr und Julian Köster nach dem 7:10 wieder zurück, war bis zum 27:29 in der 53. Minute auf Augenhöhe, dann aber zog ihnen Torwart Kevin Möller den Zahn – und das während der gesamten EM überragende Rückraum-Duo Simon Pytlick und Mathias Gidsel entschied, mal wieder, die Partie.
All-Star-Ehren und ein positives Turnierfazit
Neben Wolff (THW Kiel) hatte sich Kreisläufer Johannes Golla (SG Flensburg-Handewitt) seinen All-Star-Team-Status wahrlich verdient. Für Golla war es das zweite Mal nach 2022. Auch wenn die Finalniederlage nach 50 ausgeglichenen Minuten absolut schmerzte, zogen Spieler und Bundestrainer Alfred Gislason ein positives Turnierfazit: „Dänemark hat den Sieg absolut verdient und ist verdientermaßen Europameister. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Mannschaft und wie die Jungs während des gesamten Turniers gespielt haben. Das Team hat sich mit jedem Spiel gesteigert. Aber Dänemark ist unglaublich. Ich finde, das Ergebnis ist im Vergleich zum Spielverlauf etwas hoch. Wir haben alles getan, um die Goldmedaille zu gewinnen“, sagte Gislason.
Blick nach vorn: Hoffnung auf den Heimtitel
Mit Blick auf die Heim-WM im kommenden Jahr ist die Hoffnung groß, dass man dann den Titellauf der Dänen stoppen kann: „Wir haben bei diesem Turnier nochmal deutliche Schritte nach vorne gemacht. Auch im Vergleich zu der besten Mannschaft, vielleicht der Geschichte. Ich denke, dass wir noch öfter Finals gegen Dänemark spielen werden. Nächstes Jahr spielen wir zu Hause. Vielleicht schlagen wir sie dann im Finale“, sagte Andreas Wolff. Dass der Gold-Traum durchaus realistisch ist, meint auch Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen: „Deutschland hat in letzter Zeit viele großartige Leistungen gezeigt. Sie gehören jetzt bei jedem Turnier zu den Favoriten. Sie müssen nur noch den letzten Schritt zum Titel machen. Aber ich werde ihnen nicht sagen, wie man ein Finale gewinnt. Sie spielen die nächste WM zu Hause, also werden sie definitiv zu den Favoriten gehören.“
Stolz auf Silber und klare Entwicklung sichtbar
Die Silbermedaillen-Ehrung des DHB-Teams erfolgt beim nächsten Länderspiel am 19. März gegen Ägypten in der Dortmunder Westfalenhalle. Mit einem gemeinsamen Abendessen in Silkeborg, wo man während der EM untergebracht war, ließ die deutsche Mannschaft das EM-Turnier noch einmal Revue passieren. Mit Ausnahme der Vorrunden-Niederlage gegen Serbien spielten Wolff, Golla & Co. ein überragendes Turnier. Im Vergleich zum Olympia-Finale 2024, das Dänemark in Lille mit 39:26 gewann, war auch im Endspiel eine klare Steigerung zu sehen. „Wir können heute erhobenen Hauptes hier rausgehen. Ich bin stolz darauf, dass wir näher an die Dänen herangerückt sind. Dass wir sagen können, dass wir mithalten können, wenn wir an unser Optimum kommen“, sagte Kapitän Golla. Und wenn man dann wieder zu Hause ist, könne man sich auch über Silber freuen, glaubt Rechtsaußen Lukas Zerbe vom THW Kiel: „Gleich nach dem Spiel ist die Enttäuschung natürlich groß, aber es wird nicht lange dauern, dass wir stolz auf Silber sind, auch wenn wir uns eine andere Medaille erhofft hatten. Insgesamt haben wir bei der EM eine überragende Teamleistung gezeigt. Darauf können wir aufbauen. Ich denke, wir können gegen jeden gewinnen, irgendwann auch bestimmt gegen Dänemark.“
Ein Winter der Vizeweltmeister für den DHB
Es war übrigens das zweite Silber für den DHB in diesem Winter: Im Dezember war die Frauen-Nationalmannschaft Vizeweltmeister hinter der Übermannschaft aus Norwegen geworden, der größte Erfolg seit WM-Gold im Jahr 1993.