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Wenn sich alle bewegen

Von den Olympischen Spielen in Rio soll eine nachhaltige Sportentwicklung für die gesamte Stadt ausgehen,. Autor Michael Schirp war dabei, als die Kampagne "Rio bewegt.Uns" vorgestellt wurde.

Autor: DOSB
3 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 13. April 2016

Von den Olympischen Spielen in Rio soll eine nachhaltige Sportentwicklung für die gesamte Stadt ausgehen,. Autor Michael Schirp war dabei, als die Kampagne "Rio bewegt.Uns" vorgestellt wurde.

Es ist ungemütlich an diesem Mittwochnachmittag im Hamburger Schanzenpark, Multitalent Edina Müller fröstelt leicht in ihrem Rio-Shirt. Aber irgendwie passt das zum Thema. Nicht auf den ersten Blick. Der Auftakt zur Kampagne „Rio bewegt. Uns“ hat äußerlich wenig von Copacabana und Zuckerhut. Dafür viel damit, sich herauszubewegen aus Komfort-Zonen, gewohnten Sicherheiten oder gewachsenen Vorurteilen.

Rollstuhl-Basketballerin Edina Müller nimmt gerade einen zweiten, ungewöhnlichen Anlauf auf die Paralympics: Nach Basketball-Gold in London kämpft sie jetzt darum, sich als Kanutin für Rio zu qualifizieren. Trotzdem ist sie gekommen. Auch Hockeynationaltorhüterin Yvonne Frank hat ihre ausgeklügelte Trainingsroutine durchbrochen, um die Aktion zu unterstützen. Eine Hundertschaft Hamburger Kinder und Jugendliche lauert an der Startlinie, bereit, den ersten Solidaritätskilometer für die Menschen in der brasilianischen Metropole zu laufen.

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße gibt den Startschuss, der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper und Stephan Jentgens, Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, feuern ebenso an wie die übrigen Aktionspartner: Sport-, Jugend- und Erwachsenenverbände, Träger der Bildungsarbeit. So wie die eigens angereisten Partner aus Brasilien.

Sie hatten sich als erste bewegt und den Paradigmenwechsel, den „Rio bewegt.Uns“ markiert, ausgelöst. Noch zur FIFA-Weltmeisterschaft hatten die brasilianischen Bischöfe und die kirchlichen Träger von Stadtentwicklung, Jugend- und Sozialarbeit das an den Interessen der Bevölkerung vorbei geplante Fußballfest zum Anlass genommen, auf den Straßen zu protestieren. Im Verbund mit ihren deutschen Partnern klagte die „Aktion Steilpass“ damals Korruption und Ämtermissbrauch an und forderte mehr Bürgerbeteiligung sowie Verbesserungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Bildung und Transportwesen.

Die Missstände bestehen weiter, aber Rio 2016 trat mit einem anderen Anspruch an, dachte Stadtentwicklung und Sozialinfrastruktur mit und traf weniger auf Widerstand, eher auf Ermunterung, noch mehr zu tun. Dazu kam, dass das IOC in dieser Situation mit seiner Reformagenda 2020 ein Bild künftiger Spiele präsentierte, das wesentliche Forderungen der Protestbewegung widerspiegelte: Partizipation, Anti-Diskriminierung, Nachhaltigkeit.

Die Initiatoren von „Steilpass“ kamen überein, dass zu den Olympischen Spielen 2016 anstelle einer Anti-Kampagne eine konstruktive Begleitung Sinn mache. Wesentliche Forderungen der Vertreter der Ärmsten in Rio wurden aus Agenda, IOC-Charta und den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen abgeleitet und in konkrete Forderungen umgemünzt:

Zum Beispiel Arbeitsmöglichkeiten für die angestammten Straßenhändler an den Verkaufsständen der Sponsoren. Oder sauberes Wasser nicht nur im Olympischen Dorf, sondern für alle Einwohner Rios. Zugang aller Menschen in Rio zu den olympischen Events, denn zur FIFA-WM waren Bewohner von Problemstadtteile einfach ausgesperrt und am Besteigen der Busse gehindert worden.

Der katholische DJK-Sportverband trug die aktuelle Diskussion in den DOSB. Dieser sieht in seiner Teilnahme als Aktionspartner von „Rio bewegt.Uns“ die Chance, die Stoßrichtung der Agenda 2020 bereits in Rio zu stärken. Der DOSB unterstützt die Impulse, die von Olympischen Spielen für eine nachhaltige Sportentwicklung der gesamten Stadt ausgehen.

Yvonne Frank legt nach und sagt, dass die Chancen, die Sport den Menschen bietet, nicht nur den Privilegierten, sondern allen offenstehen müssen. Sport for All und Spitzenathleten, Hansestadt und Rio sind ganz nah beieinander im Hamburger April. Edina Müller qualifiziert sich vier Tage später für die Paralympischen Spiele Rio 2016.

(Autor: Michael Schirp)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

Die Maskottchen der Spiele 2016: Vinicius und Tom. Foto: picture-alliance