Tokio 2020

Von der Pechmarie zur goldenen Reiterin: Krajewski landet im Olymp

Keine Medaille für das Team, dafür schlägt die Stunde von Julia Krajewski: Als erste Frau gewinnt sie Einzel-Gold in der Vielseitigkeit.
Von der Pechmarie zur goldenen Reiterin: Krajewski landet im Olymp
02. August 2021

Nach dem allerletzten goldenen Sprung in den Olymp riss Julia Krajewski die Faust in die Höhe und deutete dann immer wieder auf ihr Pferd: Mit der "lieben Löwin" Amande de B'Neville wurde die 32-Jährige als erste Frau überhaupt Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit. Tränenüberströmt fiel Krajewski nach der Wandlung von der ewigen Pechmarie zur goldenen Reiterin in der Stallgasse jedem um den Hals, der ihr über den Weg lief.

Einer der ersten Gratulanten war Krajewskis Vorgänger Michael Jung, der nach einem Patzer im Gelände mit Chipmunk am Ende auf Platz acht landete. "Das war wirklich bilderbuchmäßig", sagte der dreimalige Olympiasieger: "Sie hat das wunderbar gemacht, ein verdienter Sieg."

Hinter Krajewski holten der Brite Tom McEwen mit Toledo de Kerser und Australiens "ewiger" Andrew Hoy mit Vassily de Lassos Silber und Bronze. Für Deutschland war es nach den beiden Erfolgen der Dressur-Equipe das dritte Reitergold in Tokio

In der Teamwertung war Deutschland zuvor erstmals seit 2004 in Athen ohne Medaille geblieben. Hinter Großbritannien, Australien und Frankreich blieb der deutschen Equipe trotz einer tollen Aufholjagd nur Platz vier. 

Zum vierten Mal in Folge geht der Olympiasieg im Einzel damit nach Deutschland. In Peking triumphierte 2008 Hinrich Romeike auf Marius. 2012 in London und vier Jahre später in Rio gewann Michael Jung Gold mit Sam.

"Die Zeit ist schon schwierig, das macht das ganze ein bisschen spannender", sagte Jung am Montag nach seinem Abwurf in der Einzelentscheidung, die ihn auch die letzte Medaillenchance kostete: "Man ist gezwungen vorwärts zu reiten. Das war bei mir wahrscheinlich das Problem. Sehr ärgerlich natürlich."

Doch im Mittelpunkt stand ohnehin Krajewski -  und das nach einem Jahr, das für die 32-Jährige alles bereit hielt, "was man an Aufs und Abs erleben kann", wie sie selbst sagte. Anfang des Jahres starb Krajewskis Vater, zudem musste sie ihr Spitzenpferd Samourai du Thot in den Ruhestand schicken. Das Thema Tokio habe sie da "fast schon ad acta gelegt".

Doch die Hoffnung kehrte zurück, als die elfjährige Stute Amande nach "Sams Ruhestand dann "plötzlich so einschlug und abgeliefert hat". Die Beziehung zwischen der Pferdewirtschaftsmeisterin und "Mandy" ist eine ganz besondere. "Wenn sie ein Mensch wäre, wäre ich mehr Fan als beste Freundin", sagte Krajewski, am Montag sei die Stute eine "ganz liebe Löwin" gewesen.

Rückschläge bei Championaten hat Krajewski schon zur Genüge erlebt. 2016 in Rio schied sie nach drei Verweigerungen ihres Pferdes im Gelände aus, das Team rettete zumindest Silber. Bei der WM 2018 in Tryon/USA leistete sie sich einen Vorbeiläufer im Gelände, Deutschland verpasste die Medaille. Und vor vier Jahren bei der EM in Strzegom/Polen kostete ein Medikationsbefund bei Samourai du Thot die deutsche Equipe Silber.

"Sollte das mit einer Medaille enden", hatte Krajewski vor ihrem abschließenden Ritt gesagt, "ist das der Stoff, aus dem Filme gemacht werden." Die Dreharbeiten können beginnen.

 

Quelle: DOSB/SID