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Ruder-WM in Linz: Deutschland-Achter und Zeidler holen WM-Titel

Erst machte der Deutschland-Achter den Titel-Hattrick perfekt, dann ruderte Einer-Senkrechtstarter Oliver Zeidler in einem Fotofinish erstmals zum WM-Gold: Mit ihrem Doppelschlag binnen 36 Minuten sorgten die beiden Aushängeschilder des Deutschen Ruderverbandes (DRV) in Linz für einen krönenden Abschluss der Titelkämpfe auf einem Nebenarm der Donau.
Ruder-WM in Linz: Deutschland-Achter und Zeidler holen WM-Titel
02. September 2019

Die deutschen Paradeboote sorgen für einen gelungenen Abschluss der Titelkämpfe in Linz. "Das war ein phänomenales Rennen", sagte Achter-Schlagmann Hannes Ocik. Das deutsche Paradeboot lieferte sich einen packenden Zweikampf mit den Niederlanden und behielt im Ziel knapp die Nase vorne. "Das kostet schon einige Nerven beim Zuschauen", sagte Bundestrainer Uwe Bender im ZDF: "Ich hatte eher mit den Briten gerechnet." Die landeten allerdings nur auf Rang drei.

Für den Achter war es nach Sarasota 2017 und Plowdiw im vergangenen Jahr der dritte Titel in Serie. Durch den Erfolg löste das Großboot zudem das Ticket für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr. "Das ist das geilste Nebenprodukt", sagte Ocik. Und: Durch den Erfolg nahmen Steuermann Martin Sauer und Co. auch Revanche für die Weltcup-Niederlage in Rotterdam gegen Großbritannien. "Ein echter Treffer" sei diese gewesen, hatte Sauer im Vorfeld gesagt. Schließlich war das deutsche Boot bis dahin seit Rio 2016 in Finalrennen ungeschlagen geblieben. "Danach hat sich der wahre Charakter der Mannschaft gezeigt", sagte Ocik, und Torben Johannesen ergänzte: "Die größte Leistung ist, dass wir nach der deutlichen Niederlage in Rotterdam so zurückkommen. Unglaublich."

Zeidler machte es wenig später noch etwas spannender. Erst in einem spektakulären Endspurt gegen den Dänen Sverri Nielsen krönte er sich mit drei Hundertstelsekunden Vorsprung zum Weltmeister. "Ich habe zum Schluss nicht mehr nach rechts oder links geschaut, sondern nur noch voll durchgezogen", sagte der deutsche Überflieger: "Vor drei Jahren saß ich das erste Mal im Ruderboot. Jetzt der beste Ruderer der Welt zu sein, ist der Wahnsinn."

Der 23 Jahre alte Ex-Schwimmer hatte sich bereits nach dem Halbfinale selbstbewusst als "stärkster Ruderer der Welt" bezeichnet - im Endlauf ließ er seinen Worten Taten folgen. Die Goldmedaille ist der vorläufige Höhepunkt seines rasanten Aufstiegs. "Er hat großes Talent, ist sehr ehrgeizig. Es gibt Dinge, die kann man nicht erklären", sagte der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer über Zeidler, der für das erste deutsche Einer-Gold seit 17 Jahren sorgte. Marcel Hacker hatte 2002 zuletzt triumphiert und blickte nun von der Tribüne aus auf seinen Nachfolger.

Erst 2016 wechselte der damalige Schwimmer die Sportart, in Linz setzte sich der Enkel von Ruder-Olympiasieger Hans-Johann Färber nun nur drei Jahre später die Krone auf. Zeidler hatte die Olympia-Qualifikation bereits durch seinen Finaleinzug unter Dach und Fach gebracht und nahm kurz nach Rennende Olympia-Gold ins Visier.

Jonathan Rommelmann und Jason Osborne hatten mit WM-Bronze im Leichtgewichts-Doppelzweier die erste deutsche Medaille in einer der olympischen Klassen geholt. Noch Minuten nach Rennende lag Jason Osborne völlig ausgepowert und nach Luft schnappend am Boden. Mit letzter Kraft hatte er sich wenige Augenblicke zuvor mit Partner Jonathan Rommelmann ins Ziel gekämpft und WM-Bronze im Leichtgewichts-Doppelzweier gerettet. "Das ist ein Riesenerfolg", sagte Rommelmann. Und Osborne ergänzte: "Wir sind sehr stolz." 

Zuvor hatte es aber einen Moment gedauert, ehe die Enttäuschung über die verpasste Chance der Freude gewichen war. "Natürlich ist man vielleicht erstmal enttäuscht, wenn man über die Ziellinie fährt", sagte Rommelmann, doch: "Mit etwas Abstand realisiert man erst, wie groß der Erfolg ist." Schließlich sorgte das Duo mit Bronze für die erste deutsche Medaille bei den Titelkämpfen in Linz in einer der 14 olympischen Bootsklassen.

Ohnehin waren die Europameister die Überflieger der Saison, verloren bis zum Halbfinale kein Rennen in dieser Saison und galten deshalb vor dem Finale als Gold-Favoriten. "Wir sind gut rausgekommen", sagte Osborne, aber: "Hinten haben wir gemerkt, dass die Luft raus war." Zunächst hatte sich ein ausgeglichenes Rennen entwickelt, mit leichten Vorteilen für die beiden Deutschen. Auf den letzten 500 m machten dann aber die siegreichen Iren ernst, das deutsche Boot verlor ebenso wie die zweitplatzierten Italiener den Anschluss.

Völlig enttäuschend verlief der Endlauf dagegen für den Doppelvierer der Männer. Das Quartett um den zweimaligen Olympiasieger Karl Schulze landete abgeschlagen auf dem fünften Rang - mit über zwölf Sekunden Rückstand auf die siegreichen Niederländer. Der Frauen-Doppelvierer verpasste die Überraschung und fuhr auf Platz vier in Ziel. Der übermächtigen Konkurrenz aus China, Polen und den Niederlanden hatte das Quartett nur wenig entgegenzusetzen - das Ticket für Tokio hatten sie sich immerhin ebenfalls durch den Finaleinzug gesichert. Der Vierer ohne Steuermann landete derweil im B-Finale nur auf dem vierten Platz und verpasste dadurch die Olympia-Qualifikation. 

Autor: DOSB/SID