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Fecht-EM in Düsseldorf: Zurück an die Spitze?

Für die deutschen Fechter geht es ab Montag bei der Heim-EM in Düsseldorf neben Medaillen auch um die Olympia-Qualifikation. Nach dem Debakel von Rio und der ersten medaillenlosen WM seit 47 Jahren steht die einstige deutsche Vorzeigesportart ein Jahr vor Tokio am Scheideweg.
Fecht-EM in Düsseldorf: Zurück an die Spitze?
16. Juni 2019

Wenn die deutschen Fechter ab Montag unter dem Motto  „made of steel“ auf die Planche treten, geht es nicht nur um Titel und Medaillen, sondern auch um die zukünftige Entwicklung des gesamten deutschen Fechtens. "Wir wollen und müssen Top-Ergebnisse abliefern", sagt Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB), und gibt damit die klare Marschroute für die Heim-Europameisterschaften in Düsseldorf vor. Bei der EM steht für die krisengeschüttelten deutschen Fechter auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 auf dem Spiel.

"Top-Ergebnisse sind dabei nicht nur Platz vier oder fünf, sondern auch mal Medaillen", sagt Ressel, der sich bei seiner Vorgabe an den jeweils drei Medaillen der vergangenen beiden Europameisterschaften orientiert. Nach dem medaillenlosen Debakel in Rio 2016 blieb dem DFeB auch bei der WM 2018 im chinesischen Wuxi erstmals nach 47 Jahren Edelmetall verwehrt. Zur Sicherung der finanziellen Förderung müssen die deutschen Fechter nun durch Top-Platzierungen wieder mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Neben EM-Medaillen wäre auch ein möglichst großes Olympia-Team hierfür von großer Bedeutung. Aufgrund der Besonderheit im Qualifikationsmodus liegt der Fokus dabei klar auf der Mannschaftswertung. Jedes qualifizierte Team darf bei Olympia auch drei Einzelstarter stellen, erst danach wird das Feld über die Einzelweltrangliste mit maximal einem Starter pro Nation aufgefüllt. Die Säbel-Herren und die Florett-Damen erfüllen mit einem Platz unter den ersten Acht der Weltrangliste derzeit die Qualifikationskriterien - damit wären zwei Teams mehr qualifiziert als bei der Nullrunde in Rio. 

Säbel-Europameister Max Hartung hat nicht nur mit dem Team eine glänzende Ausgangsposition, sondern brillierte in dieser Saison auch im Einzel mit zwei Weltcupsiegen und sechs Podestplätzen. Einen möglichen Titelhattrick im Einzel sieht der 29-Jährige als "schönen Gedanken", legt das Hauptaugenmerk aber auf den Team-Wettkampf: "Wenn ich wählen könnte, würde ich auf jeden Fall den Mannschaftstitel nehmen, weil wir uns dann wahrscheinlich als Team für die Olympischen Spiele qualifizieren."

Neben den Säbelherren um Hartung ist Florett-Talent Leonie Ebert die heißeste Medaillenanwärterin im 24-köpfigen deutschen Aufgebot. Die erst 19 Jahre alte Ebert ließ in der Weltcupsaison bereits mit einem zweiten Platz aufhorchen und schob sich in der Weltrangliste auf Platz sieben nach vorne. Mit Richard Schmidt, Dritter der WM 2017 und der EM 2018, hat der DFeB zudem im Degenbereich noch einen Überraschungskandidaten für Großereignisse in seinen Reihen.

Mehr gemeinsame Trainingslehrgänge und größere Umfänge sollen die deutschen Fechter wieder zurück an die Weltspitze führen. Die Heim-EM in Düsseldorf kommt auf diesem Weg gerade recht: "Mit der Europameisterschaft im eigenen Land haben wir beste Bedingungen geschaffen, damit sich unsere Athleten für Olympia qualifizieren", sagte DFeB-Präsidentin Claudia Bokel. Sollte das gelingen, geht die Entwicklung des deutschen Fechtens nach langer Zeit wieder in die richtige Richtung.

Angeführt wird das 24-köpfige Aufgebot des Deutschen-Fechter-Bundes von Säbel-Europameister Max Hartung (Dormagen), der vor Heimpublikum seinen dritten EM-Titel in Folge gewinnen kann. Für die deutschen Athleten geht es in zwölf Disziplinen um die Titel und wichtige Punkte für die Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Das deutsche Aufgebot für die Fecht-EM in Düsseldorf:

Herrensäbel: Maximilian Hartung, Benedikt Wagner, Matyas Szabo (alle Dormagen), Björn Hübner (Werbach)

Damensäbel: Anna Limbach, Lea Krüger (beide Dormagen), Ann-Sophie Kindler (Eislingen) und Julika Funke (Künzelsau)

Herrenflorett: Peter Joppich (Koblenz), Benjamin Kleibrink (Düsseldorf), Luis Klein (Tauberbischofsheim), Andre Sanitan (Bonn)

Damenflorett: Anne Sauer, Leonie Ebert, Carolin Golubytskyi (alle Werbach), Eva Hampel (Tauberbischofsheim)

Herrendegen: Richard Schmidt, Nikolaus Bodoczi (beide Offenbach), Lukas Bellmann (Leverkusen), Stephan Rein (Heidenheim)

Damendegen: Alexandra Ndolo, Alexandra Ehler, Ricarda Multerer (alle Leverkusen), Beate Christmann (Tauberbischofsheim)

 

Zeitplan der Fecht-Europameisterschaften 2019:

Montag, 17. Juni 2019 Eröffnungsfeier, Einzelwettbewerbe: Herrenflorett, Damensäbel

Dienstag, 18. Juni 2019 Einzelwettbewerbe: Herrendegen, Damenflorett

Mittwoch, 19. Juni 2019 Einzelwettbewerbe: Damendegen, Herrensäbel

Donnerstag, 20. Juni 2019 Mannschaftswettbewerbe: Herrenflorett, Damensäbel

Freitag, 21. Juni 2019 Mannschaftswettbewerbe: Herrendegen, Damenflorett

Samstag, 22. Juni 2019 Mannschaftswettbewerbe: Damendegen, Herrensäbel

 

Autor: SID/DFeB/DOSB