Geschichtsstunde

Der glücklichste Verlierer - Box-Bronze in Rio 2016

In unserer Geschichtsstunde blicken wir wöchentlich auf einen historischen Moment der deutschen Olympia-Geschichte. Heute: Der Bronze-Erfolg unseres Boxers Artem Harutyunyan bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Autor: DOSB
3 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 24. August 2017

Ab Freitag, dem 25. August bis zum 02. September finden in Hamburg die Weltmeisterschaften im Amateur-Boxen statt. Für uns also Grund genug, uns noch einmal an den letzten großen Erfolg eines deutschen Boxers bei den Olympischen Spielen zu blicken. Der gelang Artem Harutyunyan im vergangenen Jahr in Rio de Janeiro.

Bei den Olympischen Spielen in Rio wurden die Box-Wettkämpfe im Riocentro ausgetragen. Mit dabei war auch Artem Harutyunyan, der als bester deutscher Amateurboxer gilt. Sein größer Erfolg war bislang die Bronzemedaille bei den Amateur-Europameisterschaften in Halbweltergewicht (bis 64 kg) 2013. Auch in Rio sollte es am Ende Bronze werden. Und, dass können wir schon an dieser Stelle verraten: Wir haben noch nie einen glücklicheren Verlierer eines Boxkampfes gesehen als Artem Harutyunyan. Klingt komisch? Nein, denn ein Kampf um den dritten Platz wird im Boxen bei den Spielen nicht ausgetragen. Die Verlierer der beiden Halbfinals müssen also nicht mehr in den Ring steigen, beide erhalten automatisch die Bronzemedaille.

Doch überhaupt erst einmal das Halbfinale zu erreichen, war schon eine große Leistung; der Hamburger musste sich metaphorisch durchboxen. Selbstverständlich musste er auch einige Schläge einstecken, was den Athleten im Verlauf des Wettbewerbs noch mehr abverlangte, als bei den Spielen zuvor. Schließlich wurde in Rio erstmals seit 1984 wieder ohne Kopfschutz gekämpft.

Im Achtelfinale zeigte Harutyunyan dann, dass durchaus mit ihm zu rechnen ist. Denn alle Kämpfe wurden durch Punkte nach drei Runden entschieden. Einzig dem deutschen Amateurboxer gelang es, seinen Kampf mit 2:0 gegegen den Kanadier Arther Biyarslanov zu gewinnen. Im Viertelfinale setzte er sich sodann klar nach Punkten mit 3:0 Runden gegen den Türken Batuhan Gozgec durch. Damit stand ja dann schon fest: Bronze ist sicher.

Trotzdem wollte der EM-Dritte von 2013 nach Gold greifen. Doch mit Lorenzo Sotomayor Collazo, der für Aserbaidschan startete, und übrigens der Neffe des Hochsprungweltrekordlers Javier Sotomayor ist, hatte er einen übermächtigen Gegner vor sich. Der um 13 Zentimeter größere Sotomayor nutzte geschickt seine Reichweitenvorteile und brachte die Führhand häufig "ins Ziel". Der Hamburger versuchte zwar häufig, in den Nahkampf zu kommen, doch Treffer gelangen ihm nicht allzu häufig. Daran änderte sich auch im weiteren Verlauf des Kampfes nicht, sodass Sotomayor am Ende klar bei den Punkterichtern vorne lag und den Kampf mit 3:0 gewann.

Doch Artem Harutyunyan jubelte nach seiner Niederlage. Den Kampf hatte er zwar verloren, aber er hatte eine Medaille gewonnen - Bronze! Damit schrieb der Hamburger, der zudem als Jugendlicher auch mehrfacher Deutscher Meister im Taekwondo war, seine eigene Geschichte weiter. Denn als er gerade einmal ein Jahr alt war, flüchtete seine Familie aus Armenien nach Deutschland. Heute bietet er daher auch für Flüchtlinge kostenlose Box-Trainings an, schließlich weiß er, wie es ist, wenn man in ein fremdes Land kommt. Und das sei manchmal eben auch ziemlich langweilig, weiß der Medaillengewinner, der als Kind selbst sechs Jahre in einem Container wohnte.

Für die anstehende WM hat der Erfolg in Rio hoffentlich genug Selbstvertrauen gebracht, um auch bei diesem Highlight am Ende wieder eine gute Platzierung zu erzielen. Gerade vor heimischem Publikum möchte der Hamburger sicher im Ring überzeugen.