Geschichtsstunde

Bronze am Stufenbarren 2016 in Rio

In unserer Geschichtsstunde blicken wir wöchentlich auf einen historischen Moment der deutschen Olympia-Geschichte. Heute: Der Bronze-Erfolg von Turnerin Sophie Scheder 2016 in Rio de Janeiro.

Autor: DOSB
2 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 05. Oktober 2017

Am 02. Oktober begann im kanadischen Montréal die Turn-Weltmeisterschaft, bei der unsere Sportlerinnen und Sportler wieder einmal um die Medaillen mitturnen wollen. Die Besonderheit dabei: Erstmals ist der Austragungsort keine Halle, sondern das Olympiastadion. Für uns also Grund genug, um uns zur Einstimmung noch einmal einen Olympischen Turnmoment ins Gedächtnis zu rufen. Wir blicken auf Sophie Scheder, die 2016 in Rio Bronze gewann. 

Es war ein deutsches Duell, an dessen Ende es sensationell Bronze gab - und eine Menge Tränen. Auf beiden Seiten. Als am 14. August das Finale in Rio am Stufenbarren ausgetragen wurde, ging es am Ende nicht nur zwischen zwei Trainingskolleginnen, sondern auch zwischen zwei guten Freundinnen um die Medaillen. Sophie Scheder und Elli Seitz, eine von beiden sollte nach einem fehlerfreien Wettkampf leer ausgehen. 

Schon das ganze Jahr über gab es immer wieder einen Zweikampf zwischen Seitz und Scheder. Während es Sophie Scheder gelang, Elli Seitz vom Mehrkampf-Thron zu stoßen, schnappte Seitz ihrer Teamkollegin den Titel in deren Paradedisziplin vor der Nase weg. Und dann diese Entscheidung in Rio. Sophie Scheder legte vor, zeigte eine fehlerfreie Leistung und erzielte 15,566 Punkte - Rang drei. Die spätere Siegerin aus Russland, Alija Mustafina (15.900 Punkte), und die Zweitplatzierte US-Amerikanerin, Madison Kocian (15,833 Punkte), lieferten zu beeindruckende Vorstellungen ab, um sie ernsthaft zu gefährden. Nur eine stand da noch. Elli Seitz. Die deutsche Medaille war also zu diesem Zeitpunkt bereits gesichert. Einzig die Frage, wer sie bekommen sollte, galt es noch zu klären. 

Auch Elli Seitz, die sich am Vortag in der Trainingshalle noch auf diesen Moment vorbereitete, turnte fehlerfrei. Bange Blicke rüber zur Anzeigetafel. Dann kam die Wertung: 15.533 Punkte. Das sollte nicht für Bronze reichen, die Medaille ging an Sophie Scheder. Als die Chemnitzerin Seitz sah, kullerten bei beiden Athletinnen die Tränen. Mehr noch, Scheder sagte: „Das ist doch scheiße. Jetzt ist Elli Vierte.“

Am Ende war es also also Winzigkeit von 0,033 Punkten, die diese Entscheidung herbeiführten. Eine Entscheidung zwischen zwei Athletinnen, die sich gegenseitig allen Erfolg gewünscht haben. 

Sophie Scheder, die schon den Moment unmittelbar nach der Landung sichtlich genoss, erzielte übrigens mit ihrer Punktzahl das beste Ergebnis einer deutschen Turnerin bei Olympischen Spielen am Stufenbaren. Nun hoffen wir bei der WM in Montréal auf ähnlich starke Ergebnisse. Sophie Scheder wird allerdings nach einer komplizierten Operation am Knie noch nicht wieder dabei sein. Dennoch drücken wir den Teams auf alle Fälle die Daumen und wünschen weiterhin gute Besserung.