Die Olympischen Winterspiele in Norditalien sind eröffnet. Wir geben einen Überblick über die Leistungen aller Athlet*innen des Team D am ersten Wettkampftag.
Skispringen: Stroem schockt Prevc – Freitag als Siebte beste Deutsche
Sie trugen die deutschen Medaillenhoffnungen am ersten Wettkampftag – am Ende gab es im Lager der deutschen Skispringerinnen allerdings nichts zu feiern. Beim Wettbewerb von der Normalschanze hatten Selina Freitag (24/WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), Agnes Reisch (26/WSV Isny), Katharina Schmid (29/SC Oberstdorf) und Juliane Seyfarth (35/WSC 07 Ruhla) am Samstagabend in Predazzo mit der Medaillenvergabe nichts zu tun. Freitag kam als beste Deutsche mit 244,7 Punkten (94,5/97,5 Meter) auf Rang sieben, Reisch wurde mit 241,3 Punkten (92,0/93,0 Meter) Neunte. Schmid, die am Freitagabend bei der Eröffnungsfeier in Predazzo die deutsche Fahne getragen hatte, blieb als 16. mit 234,1 Punkten (89,0/97,5 Meter) erneut unter ihren Möglichkeiten. Seyfarth verpasste als 32. (106,9 Punkte/88,0 Meter) den zweiten Durchgang.
Für die erste große Überraschung dieser 25. Olympischen Winterspiele sorgte die Norwegerin Anna Odine Stroem (27), die mit 267,3 Punkten (100,0/101,0 Meter) siegte und Sloweniens Überfliegerin Nika Prevc (20/266,2 Punkte/98,0/99,5 Meter) auf den Silberrang verwies. Bronze holte Nozomi Maruyama (27/Japan) mit 261,8 Punkten (97,0/100,0 Meter). Bundestrainer Heinz Kuttin sagte: „Beim Aufwärmen am Morgen hatten wir ein gutes Gefühl, der Probedurchgang war dann wirklich nicht gut. Am Tag x muss man da sein, das hat heute gefehlt. Ich bin schon unzufrieden, aber wir werden nicht draufhauen, sondern sachlich weiterarbeiten.“ Selina Freitag sagte: „Nach den Vorleistungen dieser Saison ist es schon etwas schade. Ich habe mich schwer getan heute, aber der zweite Sprung hat Spaß gemacht, das nehme ich mit in die nächsten Wettkämpfe.“ Katharina Schmid gab zu: „Am Ende ist es egal, ob ich Vierte oder 16. werde. Bei Olympia zählen nur Medaillen, davon war ich heute weit weg.“
Ski alpin: Franjo von Allmen gewinnt erstes Gold der Spiele – Jocher abgeschlagen
In der ersten Medaillenentscheidung dieser Winterspiele durfte die Schweiz über Gold jubeln. In der Abfahrt der Männer auf der berüchtigten Stelvio-Piste in Bormio setzte sich Weltmeister Franjo von Allmen (24) in 1:51,61 Minuten durch und krönte sich erstmals zum Olympiasieger. Silber und Bronze gingen an Gastgeber Italien. Kitzbühel-Sieger Giovanni Franzoni (24) hatte zwei Zehntelsekunden Rückstand auf von Allmen, drei Zehntel hinter ihm kam Stelvio-Legende Dominik Paris (36) auf den Bronzerang.
Der einzige deutsche Starter Simon Jocher, der mit der Startnummer 28 bei schlechter werdenden Lichtverhältnissen ins Rennen ging, lag am Ende mit 2:40 Sekunden Rückstand auf den Sieger auf Rang 21. „Ich habe alles gegeben, habe mich schneller gefühlt, als ich war. Unterwegs habe ich etwas Zeit liegen lassen, das muss ich mir anschauen“, sagte der 29-Jährige vom SC Garmisch. An diesem Sonntag (11.30 Uhr) sollen die Frauen in Cortina ihr Abfahrtsrennen bestreiten. Aus dem Team D sind Kira Weidle-Winkelmann (29/SC Starnberg) und Emma Aicher (22/SC Mahlstetten) am Start.
Eishockey: Deutsche Frauen feiern ersten Sieg
Die deutschen Frauen haben einen wichtigen Schritt in Richtung Viertelfinale gemacht. Nach der 1:4-Auftaktniederlage gegen Schweden besiegte die Auswahl von Bundestrainer Jeff MacLeod in der Rho-Arena in Mailand Japan mit 5:2 (3:0, 2:2, 0:0). Besonders im ersten Drittel war das DEB-Team sehr effektiv und schoss durch Tore von Kapitänin Daria Gleißner (1. Minute/32/Memmingen Indians), Emily Nix (9./28/Frölunda HC) und Nicola Hadraschek-Eisenschmid (14./29/Memmingen Indians) eine komfortable Führung heraus.
Im zweiten Drittel kamen die Japanerinnen, die in der vergangenen Woche die Olympia-Generalprobe gegen Deutschland noch 3:2 nach Verlängerung gewonnen hatten, mit einem Doppelschlag binnen 22 Sekunden zurück in die Partie, nachdem Deutschland zuvor durch Treffer von Hadraschek-Eisenschmid (26.) und Laura Kluge (31./29/Boston Fleet) auf 5:0 davongezogen war. Im Schlussdrittel verwalteten die Deutschen ihre Führung souverän und konnten über den ersten Sieg jubeln.
„Wir haben heute ein fantastisches Spiel gegen einen starken Gegner gezeigt. Unsere Spielerinnen haben von Beginn an Druck erzeugt und sich früh für ihr gutes Spiel belohnt. Besonders gut hat mir das Selbstvertrauen gefallen, das sie von Beginn an ausgestrahlt haben“, sagte der Bundestrainer. „Nach der Auftaktniederlage war es für uns wichtig, mit viel Energie ins Spiel zu starten und den Japanerinnen unser Spiel aufzuzwingen. Das ist uns heute sehr gut gelungen. Unser frühes Tor hat geholfen, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen. Wir haben heute unseren Flow gefunden, was sehr wichtig für den weiteren Turnierverlauf ist“, ergänzte Torschützin Kluge. Die dritte Gruppenpartie bestreiten die deutschen Frauen am Montag um 16.40 Uhr gegen Frankreich.
Langlauf: Schwedens Frauen holen Doppelsieg, Fink beste Deutsche
Schweden hat im ersten Langlauf-Wettbewerb der Spiele Stärke demonstriert. Im Skiathlon der Frauen über 10 km klassisch und 10 km Freistil feierten Frida Karlsson (26/53:45,1 Minuten) und Ebba Andersson (28/51,0 Sekunden zurück) einen Doppelsieg und verwiesen die Norwegerin Heidi Weng (34/+1:26,7 Minuten) auf den Bronzerang. Beste Deutsche in Tesero war Pia Fink (30/SV Bremelau/+3:04,9) auf Rang zwölf. Helen Hoffmann (24/WSV Oberhof/+3:59,4) wurde 18., Katharina Hennig Dotzler (29/WSC Erzgebirge Oberwiesenthal/+5:00,4) landete als 30. drei Ränge vor Katherine Sauerbrey (28/SC Steinbach-Hallenberg/+5:41,7).
„Es war ein sehr hartes Rennen, bei dem Streckenprofil und diesen Bedingungen gibt es kaum härtere Kombinationen“, sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder, „Katha wollte bei den Topläuferinnen dabei sein, aber das hat ihr richtig weh getan. Pia hat es richtig gemacht und ihr eigenes Tempo gefunden. Wir wollten zweimal unter die Top 15, haben das knapp verpasst, aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Pia Fink sagte: „Es war ein knallhartes Rennen von Anfang an, es gab viele Stürze in der Abfahrt. Ich habe mich klassisch einigermaßen gut geschlagen, im Skating ging es besser. Ich wusste, dass ich dafür ein paar Körner zurückhalten musste. Ich nehme ein ganz gutes Gefühl mit in die nächsten Rennen.“ Am Sonntag um 12.30 Uhr gehen die Männer in derselben Disziplin an den Start. Für das Team D sind Friedrich Moch (25), Jakob Moch (19/beide WSV Isny) und Florian Notz (33/SZ Römerstein) nominiert.
Eisschnelllauf: Lollobrigida lässt Italien jubeln – Rang 14 für Hofmann
Francesca Lollobrigida hat Gastgeber Italien das erste Gold der Heimspiele beschert. Die Eisschnellläuferin gewann an ihrem 35. Geburtstag in Mailand in olympischer Rekordzeit von 3:54,28 Minuten über die 3000-Meter-Distanz. Die Silbermedaillengewinnerin von Peking 2022 verwies damit Ragne Wiklund (25/Norwegen/2,26 Sekunden zurück) und die Kanadierin Valerie Maltais (35/+2,65), Olympiasiegerin von Peking in der Teamverfolgung, auf die weiteren Medaillenränge. Josie Hofmann (29/Crimmitschauer Polizeisportverein), einzige deutsche Starterin, verpasste mit 12,26 Sekunden Rückstand auf die Siegerin als 14. die erhoffte Top-Ten-Platzierung knapp. Die Männer greifen am Sonntag (16 Uhr) über 5000 Meter erstmals nach Medaillen. Deutsche Starter sind Gabriel Groß (21/DEC Inzell), Fridtjof Petzold (28/Crimmitschauer Polizeisportverein) und Felix Maly (31/ESC Erfurt).
Rodeln: Loch nach Patzer nur Achter, Langenhan führt zur Halbzeit
Der erhoffte deutsche Doppelsieg zum Auftakt der Rodelwettbewerbe ist kaum noch zu schaffen. Zwar liegt im Einsitzer der Männer nach zwei Läufen der von schweren Nackenproblemen gehandicapte Weltmeister Max Langenhan (26/BRC 05 Friedrichroda) mit 1:45,826 Minuten in Führung, Felix Loch (36/RC Berchtesgaden) patzte jedoch in seinem ersten Lauf trotz eines Startrekords, indem er im oberen Teil eine Bande berührte und viel Geschwindigkeit verlor. Der Olympiasieger von 2010 und 2014 liegt vor den Durchgängen drei und vier am Sonntag (17 und 18.35 Uhr) mit 0,919 Sekunden Rückstand auf Langenhan auf Rang acht. Direkt dahinter folgt Timon Grancagnolo (22/ESV Lokomotive Chemnitz/+1,018). Hinter Langenhan liegen der Österreicher Jonas Müller (28/+0,162) und Lokalmatador Dominik Fischnaller (32/+0,298) besonders aussichtsreich im Medaillenrennen.
„Die Läufe waren noch nicht richtig gut. Mein Ziel war, viermal perfekt zu fahren, morgen habe ich die Chance, es zweimal zu schaffen“, sagte Langenhan. Loch sagte: „Mit dem zweiten Lauf war ich schon zufrieden, aber es passt halt einfach gerade nicht so, es klemmt irgendwo. Kleinigkeiten kann man noch verändern, aber so große Sprünge werden es wohl leider nicht mehr werden."
Biathlon: Deutsches Team für Mixed-Staffel steht
Mit der Mixed-Staffel über 4 x 6 Kilometer starten am Sonntag (14.05 Uhr) in Antholz die Biathlon-Wettbewerbe. Für Team D gehen Justus Strelow (29/SG Stahl Schmiedeberg), Philipp Nawrath (32/SK Nesselwang), Vanessa Voigt (28/WSV Rotterode) und Gesamtweltcupsiegerin Franziska Preuß (31/SC Haag) vor den Augen des angereisten Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und DOSB-Präsident Thomas Weikert an den Start.
„Bei einer Staffel geht es gleich mit Vollgas zur Sache. Es ist schön, dass es ein Teamevent ist, und eine gute Eröffnung für die Spiele“, sagte Nawrath, für den es nach Peking 2022 die zweiten Olympischen Spiele sind. Der in dieser Saison stärkste deutsche Biathlet kann vor allem in der Loipe mit den Besten im Feld mithalten. „Ich freue mich, dass es endlich losgeht und die Warterei ein Ende hat. Wir sind nicht die Topfavoriten, aber wir sind motiviert, alles zu geben“, sagte Preuß. Für die amtierende Gesamtweltcupsiegerin werden ihre vierten Spiele definitiv auch die letzten sein, sie beendet nach der Saison ihre Karriere und will „nochmal die Atmosphäre in Antholz aufsaugen und den Wettkampf genießen.“
Snowboard: Ramona Hofmeister geht auf Medaillenjagd
Das erste Highlight aus deutscher Sicht in Livigno wartet am Sonntag auf die Fans. Im Parallel-Riesenslalom will Snowboarderin Ramona Hofmeister (29/WSV Bischofswiesen) aufs Podest. Die Qualifikation beginnt um 9 Uhr, das Finale ist für 14.26 Uhr geplant. Neben Hofmeister sind Cheyenne Loch (31/SC Schliersee), Melanie Hochreiter (29/WSV Bischofswiesen) und Mathilda Scheid (19/WSV Bischofswiesen) am Start. Auch die männlichen Racer gehen am Sonntag in den Parallel-Riesenslalom. Die Qualifikation startet um 9.30 Uhr, um 14.36 Uhr sollen die Medaillen ausgefahren werden. Das Team D ist mit Yannick Angenend (25/FC Lengdorf ), Stefan Baumeister (32/SC Aising-Pang), Elias Huber (26/SC Schellenberg) und Max Kühnhauser (22/WSV Königssee) vertreten.