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Medaillen im Minuten-Takt: Deutsche Athleten brillieren in Lillehammer

Gleich dreimal hieß es am Dienstag bei den Olympischen Jugendspielen „Gold für Deutschland“. Kombinierer Tim Kopp ließ ebenso die Konkurrenz hinter sich wie die Rodel-Staffel und das Ski- und Snowboard-Cross-Mixed-Team.

Autor: DOSB
7 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 16. Februar 2016

Gleich dreimal hieß es am Dienstag bei den Olympischen Jugendspielen „Gold für Deutschland“. Kombinierer Tim Kopp ließ ebenso die Konkurrenz hinter sich wie die Rodel-Staffel und das Ski- und Snowboard-Cross-Mixed-Team.

Mit einer starken taktischen Leistung holte sich Tim Kopp vom VSC Klingenthal die Goldmedaille in der Nordischen Kombination. „Ich bin unglaublich glücklich. Nach dem super Sprung habe ich auch noch einen super Lauf gemacht. Gerade hier in Norwegen zu gewinnen, wo der nordische Skisport Zuhause ist, ist etwas ganz Besonderes“, sagte Kopp unmittelbar nach seinem Sieg. Nach einem Sprung war der 17-Jährige mit acht Sekunden Vorsprung auf den US-Amerikaner Len Boomis in die Loipe des Birkebeineren Cross Country Stadiums gegangen. Sowohl Boomis als auch der Tscheche Ondrej Pazout hatten bald zum Deutschen aufgeschlossen. Kurz vor dem Ziel trat Kopp an und ließ seinen beiden Konkurrenten keine Chance. „Ich wusste, dass ich in einer super Form bin und meine Taktik ist aufgegangen. Ich wollte es im Lauf ruhig angehen und etwas Kräfte sparen, weil das echt eine harte Strecke ist. So hatte ich am Schluss noch etwas Reserve“, erklärte er.

Von der Siegerehrung zeigte sich der junge Deutsche überwältigt. „Es war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte. Die Medaille ist so schön“, schwärmte er. Auf die Frage, wie er seinen Sieg feiert, meinte Kopp schmunzelnd: „Ich werde heute vielleicht mal die ein oder andere Cola mehr trinken.“
Trainer Florian Aichinger war voll des Lobes für seinen Schützling. „Das war ein enger Wettkampf heute, aber Tim hat alles abgerufen. Er hat einen sehr guten Sprung gemacht und im Lauf war er einfach taktisch stärker als die anderen beiden“, erklärte er. Ein „großes Lob“ sprach er auch den Ski-Technikern aus: „Die haben wieder einen Wahnsinns-Job gemacht heute. Insgesamt arbeiten die Biathleten, Langläufer und Kombinierer hier draußen perfekt als Team zusammen, das klappt wunderbar.“

Im Olympic Sliding Center von Lillehammer veredelten die deutschen Rodler ihre bislang starken Leistungen bei den Olympischen Jugendspielen mit der Goldmedaille im Team-Wettbewerb. Nach dreimal Silber in den Einsitzer- und Doppel-Wettbewerben, gelang Jessica Tiebel (RRC Altenberg), Paul-Lukas Heider (RC Ilmenau), Hannes Orlamünder und Paul Gubitz (beide RRC Zella-Mehlis) der große Wurf. „Das ist einfach nur der Hammer, besonders im Team eine Medaille zu holen, ist noch geiler“, freute sich Gubitz nach der Siegerehrung überschwänglich. Gegen die starken Russen machte es das deutsche Team bis zum Schluss spannend. Tiebel fuhr eine Führung heraus, die Heider zunächst am Start herschenkte, bis zur Übergabe an den Doppelsitzer aber zurückholte. Orlamünder und Gubitz rasten dann mit Vollgas zur ersehnten Goldmedaille und ließen sich auch nicht durch einen Kameramann im Zielbereich aufhalten, den sie von den Beinen holten. Nach einem kurzen Schreck kannte der Jubel dann aber keine Grenzen mehr. „Das ist ein sensationeller Abschluss, genau das haben wir gebraucht“, fasste Trainer Steffen Mayer zusammen und ergänzte mit einem Augenzwinkern: „Mich hat man schon Silberrücken genannt. Jetzt bin ich ein Silberrücken mit Goldschweif.“

Kurz drauf waren die Gold-Rodler bereits im Hafjell Freepark, um das deutsche Snowboard/Ski Cross Mixed Team zu unterstützen – mit Erfolg. Jana Fischer (SC Löfflingen), Celia Funkler (TG Tuttlingen), Sebastian Pietrzykowski (WSV Ebingen) und Cornel Renn (Skiverein Hindelang) rasten in einem packenden Finale zur nächsten Goldmedaille für das deutsche Team. Dabei mussten die Crosser im Halbfinale einen Schreckmoment verkraften. Als Pietrzykowski weit in Führung liegend als dritter deutscher Fahrer die Ziellinie überquerte, öffnete sich nicht das Starttor für Renn, der damit zu spät auf die Piste geschickt wurde und den Rückstand nicht mehr aufholen konnte. Ein Wiederholungslauf brachte Deutschland dann doch ins Finale und zur Goldmedaille. „Gestern war ja ein bisschen Pech dabei, dafür heute umso mehr Glück. Wir haben gezeigt, was wir können. Geil, dass wir Gold gewonnen haben“, sagte Funkler nach der Siegerehrung.

Zufrieden waren natürlich auch die Trainer. „Nach gestern, haben wir heute nochmal einen draufgesetzt. Die Zusammenarbeit mit den Skicrossern war geil“, sagte Snowbaord-Coach Korbinian Hader über das neue „super Event“, das so zum ersten Mal gefahren wurde. Auch Skicross-Trainer Maximilian Wittwer lobte die Zusammenarbeit unter den Disziplinen: „Dieses Staffelformat kennen wir ja so bisher nicht, da konnten uns die Snowboarder schon sehr helfen, besonders mit dem Funkverkehr.“

Im Hafjell Alpine Center gewann Katrin Hirtl-Stanggaßinger (WSV Königssee) beim Riesenslalom währenddessen die Silbermedaille. Doch auch Stunden nach ihrem Zieleinlauf haderte die 17-Jährige mit ihrer Fahrt im zweiten Lauf. „Ich denke immer noch an den Lauf und überlege, wo ich einen Ticken schneller hätte sein können. Ich gehe jedes Tor, jede Kuppe nochmal durch, immer wieder“, sagte sie im deutschen Quartier. Am Ende fehlten nach Bestzeit im ersten Lauf nur 0,06 Sekunden zur Goldmedaille, die an die Schweizerin Melanie Meillard ging. „Klar, die Silbermedaille ist auch toll, aber ich habe mich nach der Kombination mehr über Bronze gefreut als jetzt über Silber. Heute ärgere ich mich zu sehr über den einen großen Fehler“, sagte die Deutsche. Im zweiten Lauf verlor sie vor einer Kuppe kurz die Orientierung, fuhr dahinter daher zunächst für sekundenbruchteile aufs Außentor zu, um dann erst wieder in die richtige Spur zu finden – einen Augenblick zu spät für Gold. Zuvor hatte sie im oberen Teil ihre Führung bis zur ersten Zwischenzeit sogar auf knapp fünf Zehntel ausgebaut. „Es ist für Katrin viel mehr Wert, zu wissen, dass sie mit ihrer Fahrweise, mit ihrem Engagement, mit ihrem Fleiß und ihrem Einsatz einen Grundspeed hat, der ihr ermöglicht, mit den Besten mitzufahren“, bilanzierte Trainer Tobias Lux nach dem Rennen. Lucia Rispler (SV Casino Kleinwalsertal) fuhr nach einem starken zweiten Lauf auf Rang sechs.

Grund zum Jubeln hatte auch Skispringer Jonathan Siegel vom SV Baiersbronn, der Bronze gewann. „Das war heute echt cool, es ist ein unbeschreibliches Gefühl. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, erzählte der 17-Jährige. Mit Sprüngen auf 98,5 und 90,5 Metern musste er nur dem Slowenen Bor Pavlovcic und dem Norweger Marius Lindvik den Vortritt lassen. Mit seinen Sprüngen zeigte sich Siegel zufrieden. „Ich habe technisch gute Sprünge gemacht“, sagte er. Auch die Atmosphäre in der Mannschaft sieht der junge Deutsche als wichtigen Faktor an. „Es ist eine super Stimmung im Team, da habe ich mich heute auch von mitziehen lassen. Das ist natürlich ein toller Start in die Woche, so kann es weiter gehen“, meinte Siegel.

Bei den Juniorinnen flog Agnes Reisch (WSV Isny) auf den vierten Platz. „Meine Sprünge waren gut. Das Ziel war es, Spaß zu haben und den habe ich gehabt“, meinte Reisch. Nun freue sie sich riesig auf die Team-Wettbewerbe. „Das ist für uns alle etwas ganz Besonderes“, erklärte die 16-Jährige. Trainer Christoph Klumpp zog ebenfalls ein positives Fazit des Tages. „Wir sind sehr zufrieden mit den beiden, sie sind stark gesprungen. Jonathan ist mit der Medaille belohnt worden, Agnes hatte ein bisschen Pech mit dem Wind“, sagte Klumpp. Auch er blickt voller Zuversicht auf die anstehenden Mannschaftswettbewerbe, die in innovativen Formaten gemeinsam mit Kombinierern und Langläufern ausgetragen werden. „Wir kennen uns alle so gut untereinander, das ist auch disziplinübergreifend wie eine Familie. Der Zusammenhalt des Teams hier ist herausragend, jeder hilft, wo er kann. Da freut man sich natürlich besonders, mal gemeinsam antreten zu können“, erklärte er.

Tabea Botthof vom TSV Erding belegte im Finale der Eishockey Skills Challenge den achten Platz. “Immerhin habe ich das Finale erreicht. Das ist jetzt etwas unglücklich gelaufen, aber insgesamt hat es schon Spaß gemacht”, sagte sie. In direkten Duellen hatte sich Botthof zuvor in den sechs Prüfungen Schuss Präzision, schnellste Runde, Puck Beherrschung, Passgenauigkeit, Wendigkeit und Schussgeschwindigkeit mit den anderen Finalistinnen gemessen. “Es hat sich schon komisch angefühlt, ohne Mannschaft auf dem Eis zu stehen”, berichtete die 15-Jährige. Über die Unterstützung in der Halle durch eine Gruppe deutscher Athleten und Trainer zeigte sich Botthof besonders erfreut. “Echt toll, dass einige da waren”, meinte sie. Jetzt freue sie sich darauf, die restlichen Tage der Jugendspiele zu genießen.

Annika Hocke (SCC Berlin) schob sich im Eiskunstlauf mit einer guten Leistung in der Kür noch auf den elften Rang nach vorne. „Mit dem Kurzprogramm sind wir nicht ganz zufrieden, da hatten wir mit einem neuen dreifach Sprung aber auch etwas riskiert. Trotzdem ist Annikas Debüt auf der großen Bühne sehr gut gelungen“, sagte Trainerin Manuela Machon und fügte hinzu: „Das war schon alles sehr beeindruckend hier und eine ganz andere Situation. Jedes Training war wie ein kleiner Wettbewerb.“ Besonders für ihre „Carmen“-Interpretation in der Kür bekam die 15-Jährige viel Lob, sogar vom ehemaligen Schweizer Weltklasse-Eiskunstläufer Stephane Lambiel. „Er hat Annika gesagt, sie sei mit viel Herz gelaufen und solle so weiter machen“, berichtete Machon. Insgesamt sei Hockes natürlicher Ausdruck gelobt worden. „Wir haben sehr viel gelernt und nehmen wichtige Erfarungen mit“, bilanzierte Machon abschließend.

Auch für die Eistänzer Charise Matthaei (Sportclub Berlin) und Maximilian Pfisterer (ERC München) stand am Dienstag die Kür an. In der Endabrechnung lag das Duo auf Platz elf. Aus der Sicht von Trainer René Sachtler-Lohse ein gelungenes Debüt auf der großen internationalen Bühne. „Die beiden sind sehr gut gelaufen, wir sind mit der Leistung sehr zufrieden. Sie haben keine Fehler gemacht und sich super präsentiert“, sagte er.

Im Klassik-Sprint der Langläufer war Anna-Maria Dietze (Pulsschlag Neuhausen) die beste Deutsche. Sie schied im Halbfinale aus und wurde Zehnte. Für Celine Mayer (SC Oberstdorf), Chris Ole Sauerbrey (SC Steinbach-Hallenberg) und Philipp Unger (SV Stützengrün) war bereits im Viertelfinale Endstation. In der Endabrechnung bedeutete das die Plätze 23 (Mayer), 13 (Sauerbrey) und 14 (Unger). „Alle vier können mit ihrer Leistung zufrieden sein, sie haben das gezeigt, was sie können. Das Ergebnis gibt den aktuellen Leistungsstand realistisch wieder“, bilanzierte Trainer Holger Bauroth. Zur großen Freude der zahlreichen Zuschauer gewann der Norweger Thomas Helland Larsen Gold bei den Junioren. Bei den Juniorinnen siegte Johanna Hagstroem aus Schweden.

Über 500 Meter im Short Track belegte Moritz Kreuseler (ET Rostock) den 15. Platz. Anna Seidel (EV Dresden) musste sich nach Bronze über 1000 Meter dieses Mal mit Platz acht zufrieden geben.

(Quelle: DOSB)

Tim Kopp auf dem Podium. Foto: YIS/IOC