Rio 2016

Hörmann kündigt „anderen Weg“ an

Die Deutsche Olympiamannschaft geht in Rio einen Weg, „der anders aussehen wird als der anderer Nationen“. Das hat DOSB-Präsident Alfons Hörmann einen Tag vor der Eröffnungsfeier angekündigt.

Autor: DOSB
4 Minuten Lesezeit veröffentlicht am 04. August 2016

Die Deutsche Olympiamannschaft geht in Rio einen Weg, „der anders aussehen wird als der anderer Nationen“. Das hat DOSB-Präsident Alfons Hörmann einen Tag vor der Eröffnungsfeier angekündigt.

„Wir wollen damit vorbildlich und als Musterbeispiel vorangehen“, sagte Hörmann am Donnerstag im Deutschen Haus. Unmittelbar nach seiner Ankunft in der Olympiastadt nutzte er die Verkündung des Fahnenträgers Timo Boll Opens external link in new window(siehe eigenen Artikel) zu einer grundlegenden Darstellung der Position und Ziele der deutschen Teilnehmer in Rio, für die olympische und sportliche Werte „mindestens so viel“ bedeuten sollen „wie die eine oder andere Medaille mehr“.

„Viele Wege führen nach Rom, viele Wege führen nach Rio“, sagte der Präsident auch in Anspielung auf die Krise des Anti-Doping-Kampfes in jüngster Zeit. Jedes Land müsse auf seine eigene Art den Weg gestalten. Es gebe auch Wege und Arten, die sehr kritisch zu bewerten sind, von denen sich der deutsche Weg allerdings unterscheide.

Hörmann hob die Leistung aller 423 Athletinnen und Athleten hervor, sich für Rio zu qualifizieren, „in ganz unterschiedlichen Mannschaftsteilen, ganz unterschiedlichen Voraussetzungen und Talenten, wie es nur Olympische und Paralympische Spiele ermöglichen“. Jeder habe ein Leben lang sein ganz individuelles Programm gestaltet, über Jahre und Jahrzehnte des Trainings und des Verzichts. „Dabeisein ist nicht alles, aber für viele Teammitglieder eben doch bereits die Erfüllung des ganz großen Traumes“, sagte er. „Die Teilnahme ist der krönende oder einer der krönenden Momente der Lebenskarriere.“

Gemeinschaftsgeist

Es sei Gemeinschaftsgeist, der die Freude aller am sportlichen Wettbewerb verbinde. „Unser Ziel ist: Wir leben Werte, bewahren Haltung, begegnen unseren Gegnern mit Respekt und Anstand und genießen möglichst viele kollektive Momente und Emotionen“, erklärte Hörmann. „Wir wollen das Miteinander im Vordergrund sehen und nicht so sehr den Erfolg eine Einzelnen.“

Erfolg aus Leidenschaft

Jeder Teilnehmer in Rio habe über lange Jahre sein Bestes gegeben, „und wir haben keinerlei Zweifel, ungeachtet aller Medaillenprognosen, dass jeder nicht nur zum Dabeisein hier sein wird, sondern sein Bestes geben will und wird“, so Hörmann. „Leidenschaft und harte Arbeit werden dann hoffentlich zu ganz individuellen Erfolgen führen.“

Er wolle dazu sensibilisieren, dass zum Sieg eben auch die Niederlage gehöre, sagte der Präsident. So wie es der Saarbrücker Sportsoziologe Prof. Eike Emrich im Interview mit Opens external link in new window„Sportdeutschland – Das Magazin“, dessen jüngste Ausgabe unter dem Motto „Wahre Werte“ steht, formuliert habe: „Dass sportlicher Wettbewerb nicht nur aus Siegen und Medaillen bestehen.“

„Wir alle wissen“, ergänzte Hörmann, „dass die ganz großen Helden, im Sommer wie im Winter und über alles Sportarten hinweg, deshalb irgendwann große Helden sind, weil sie große Siege errungen, aber auch bittere Niederlagen haben einstecken müssen. Auch diese Seite der Medaille sollten wir mit Respekt und Anstand würdigen, weil das Wiederaufstehen nach Niederlagen manchmal die größte Kunst und die größte Gabe im Sport ist.“

Lust an Perfektion

Dazu kämen die klassischen deutschen Tugenden, fügte Hörmann als dritten Punkt hinzu: „Neben der jahrzehntelangen Vorbereitung sind Themen wie Akribie und Präzision, aber auch die Fokussierung und Hingabe auf das große Ziel entscheidend.“ Darüber diskutiere der deutsche Sport ja derzeit intensiv mit dem Bundesinnenminister: Haben wir denn die professionellen Trainingsmethoden und Rahmendbedingungen? Oder müssen wir an der einen oder anderen Stelle nachjustieren – offen und vielfältig.

„Wir hoffen, dass die Athleten bodenständig und nahbar auftreten“, so Hörmann. Jeder Einzelne habe ganz besondere Talente oder zumindest eines in einer, nämlich seiner Sportart. „Ansonsten sind es Menschen wie du und ich“, sagte er und erinnerte daran, dass neunzig Prozent der Mitglieder der Deutschen Olympiamannschaft nicht vom Sport lebten, sondern für den Sport. „Auch das ist ein großer Unterschied zu anderen Großsportveranstaltungen.“

Das seien die Markenzeichen, die man sich vom Fahnenträger bis hin zu jedem der 423 Teammitglieder erwarte: „Jeder Deutsche soll sich im Idealfall in diesem Team wiederfinden.“

Moralische Integrität

Als letzten und ganz wichtigen Punkt „nach all dem, was wir rund um Russland und diese Themen diskutiert haben“, nannte der Präsident die Frage der moralischen Integrität. „Auch wenn wir von Anfang an die alleinige Fokussierung auf Medaillen als fragwürdig gesehen haben, verliert sie jetzt vielleicht nochmals mehr an Berechtigung“, erklärte er. „Fairness und Anstand im Wettbewerb, den Sieg nicht um jeden Preis und – weil so viel von den Olympischen und den sportlichen Werten die Rede war – Ehrlichkeit und Demut vor diesen Werten bedeuten aus unserem Verständnis mindestens so viel wie die eine oder andere Medaille mehr.“

Deshalb wünsche er den Athletinnen und Athleten: „Solche Spiele sollten nicht nur Kampf und Krampf sein. Leichtigkeit und Lebensfreude, Stolz, es bis hierher geschafft zu haben, Stolz, dann einen ordentlichen Wettkampf geschafft zu haben, sollen besondere Momente sein, die ein jeder auf seinem weiteren Lebensweg mitnimmt.“

Hörmann schloss: „Wir wollen mit Herzblut, Engagement und Leidenschaft antreten und damit den Menschen in der Heimat die schönen Seiten des Sports wieder nahe bringen, nachdem im Vorfeld der Spiele sehr, sehr viel Kritisches zu diskutieren war. Und wir wollen das ,Wir für Deutschland', das Wir-Gefühl, eine emotionale Verbindung von Deutschland nach Brasilien und Brasilien nach Deutschland hinbekommen.“

Das alles nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude. „Wir machen uns auf den deutschen Weg, der anders aussehen wird als der anderer Nationen“, sagte der DOSB-Präsident. „Wir wollen damit vorbildlich und als Musterbeispiel vorangehen.“

(Quelle: DOSB)

DOSB-Präsident Alfons Hörmann gratuliert dem Fahnenträger Timo Boll