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Bahnrad-WM in Berlin: Olympia-Tickets im Visier

Bei der Bahnrad-WM in Berlin geht es auch um die Startplätze für Tokio. In einigen Disziplinen müssen sich die deutschen Starter strecken, in anderen sind Medaillenhoffnungen berechtigt.
Bahnrad-WM in Berlin: Olympia-Tickets im Visier
Emma Hinze in der Sprint-Qualifikation während des UCI Track Cycling World Cups im Sir Chris Hoy Velodrome, Glasgow
26. Februar 2020

Die Erbinnen von Kristina Vogel und Miriam Welte treten zum großen Olympia-Casting an, die Vierer hoffen auf Rekordfahrten, Roger Kluge hat das Gold-Triple im Visier: Die WM in Berlin wird für die deutschen Bahnrad-Asse zum Schaulaufen vor heimischen Publikum. Im Velodrom an der Landsberger Allee liegt der Fokus dabei aber nicht nur auf dem Kampf um das begehrte Regenbogentrikot - knapp sechs Monate vor dem Start der Sommerspiele in Tokio wirft Olympia seinen Schatten voraus.

"Natürlich wollen wir Medaillen gewinnen. Das ist immer ein Ziel", sagte BDR-Sportdirektor Patrick Moster: "Dafür leben die Sportler. Aber wir werden sie nicht mit irgendwelchen Vorgaben unter Druck setzen."

Eine Vorgabe haben die 24 deutschen Fahrer allerdings doch: In fast allen Disziplinen sind die Startplätze für Tokio in der Qualifikation rechnerisch noch nicht abgesichert. Gute Leistungen sind Pflicht, etwa im Teamsprint der Männer, wo das Tokio-Ticket in Gefahr ist. Vor allem auf der Position des Anfahrers herrschen Probleme, Bundestrainer Detlef Uibel bemängelte die Lage, "es setzt sich noch keiner so richtig in Szene", sagte er.

Im Sprintbereich der Frauen ist die Lage gänzlich anders. Die Lücke, die die Teamsprint-Olympiasiegerinnen Kristina Vogel und Miriam Welte hinterlassen haben, ist kleiner als befürchtet. In Lea Sophie Friedrich (Dassow), Pauline Grabosch (Erfurt) und Emma Hinze (Cottbus) hat Uibel drei starke, talentierte Fahrerinnen in den Reihen - und damit ein Luxusproblem. 

Nur zwei von ihnen werden in Japan den Teamsprint bestreiten können. Berlin wird maßgeblich für die Olympia-Aufstellung sein. Hinze dürfte auf Vogels ehemaliger Position gesetzt sein, um die Rolle der Anfahrerin streiten sich Friedrich und Grabosch. "Es ist schwierig, beide fahren gleichschnell an", sagte Hinze. Die 20-jährige Friedrich nimmt die Herausforderung an. "Ich brauche den Druck, das motiviert mich", sagte sie.

Einen Einfluss auf das Trio haben die nach einem schweren Trainingsunfall querschnittsgelähmte Vogel und Welte, die im September 2019 ihre Karriere beendete, dabei immer noch. "Ich schaue mir viele gute Dinge bei ihr ab", sagte Friedrich über die elfmalige Weltmeisterin Vogel: "Ich sehe mich auch ein bisschen in ihr, wir sind uns schon ähnlich." Hinze meinte: "Miri war wie eine Mutti für mich, sie hat mir viele Tipps gegeben."

Ratschläge braucht Roger Kluge nicht mehr. Der 34-Jährige tritt an der Seite von Theo Reinhardt als zweimaliger Madison-Weltmeister an. In Berlin peilen sie den dritten Gold-Triumph in Folge an - das hat bisher kein Team geschafft. "Vor heimischem Publikum, Freunden und Familie ist es eine besondere WM", sagte der gebürtige Brandenburger Kluge dem SID: "Ich hatte das noch nicht und werde es wohl auch nicht mehr haben. Es ist ein schöner, besonderer Moment für uns. Den wollen wir nutzen."

Auch im Vierer der Frauen ist eine Medaille möglich, wenngleich wie bei den Männern die Absicherung der Olympia-Qualifikation im Vordergrund steht. Möglich ist, dass in Berlin deutsche Rekorde fallen. "Unsere Zielzeit liegt unter 3:50 Minuten. Das ist nicht unrealistisch", sagte Bundestrainer Sven Meyer zu den Ambitionen der Männer.

 

Quelle: SID, DOSB