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Ruder-EM in Luzern: Fünf Goldmedaillen bedeuten Platz eins im Medaillenspiegel

Auf dem aufgrund seiner perfekten Bedingungen „Göttersee“ genannten Rotsee in Luzern haben sich die Athletinnen und Athleten des Deutschen Ruderverbandes selbst zu kleinen Göttern gemacht. Bei insgesamt neun Finalteilnahmen gewannen sie fünf Goldmedaillen, eine Silber- und eine Bronzemedaille. Damit steht der DRV in der Nationenwertung ganz oben.

Für den wohl bedeutungsvollsten Sieg sorgte am Finaltag der erst vor wenigen Jahren vom Schwimmen zum Rudern gewechselte Oliver Zeidler vom Donau-Ruder-Club Ingolstadt. Er hatte sich vorgenommen, sein erstes EM-Finale zu gewinnen und setzte sich nach einem Herzschlagfinale tatsächlich gegen die gesamte Konkurrenz durch. „Ich wollte das Rennen schnell angehen, habe dann gemerkt, dass die anderen langsamer sind und habe etwas rausgenommen. Als die anderen dann an mir vorbei waren, habe ich mir gedacht, jetzt oder nie und habe komplett durchgezogen. Als ich im Ziel die 1 gesehen habe, war das einfach nur geil“, freut sich Zeidler nach dem Gewinn seiner ersten internationalen Goldmedaille. Dies war zugleich auch die erste deutsche Goldmedaille bei einer EM im Einer seit 1973.

Auch im Rennen des Frauen-Doppelvierers wurde es am Ende spannend: Michaela Staelberg, Julia Lier, Franziska Kampmann und Schlagfrau Frieda Hämmerling (Crefelder RC/(Hallesche RV Böllberg/RV Waltrop/RG Germaina Kiel) gingen gemeinsam mit den Niederländerinnen auf die letzten 500 m. Mit 40 Schlägen pro Minute erkämpften sich die Athletinnen von Trainer Marcin Witkowski auf den letzten Metern die verdiente Goldmedaille. „Wir wussten, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird und wir da bestehen müssen. Deshalb wollten wir Attacken setzen, das ist uns auch gelungen. Im Endspurt haben wir dann noch einmal alles gegeben“, so Julia Lier.

Johannes Weißenfeld, Laurits Follert, Jakob Schneider, Torben Johannesen, Christopher Reinhardt, Malte Jakschik, Richard Schmidt, Schlagmann Hannes Ocik und Steuermann Martin Sauer (RC Westfalen Herdecke/Crefelder RC/RK am Baldeneysee/RC Favorite Hammonia/RV Dorsten/RV Rauxel/RV Treviris Trier/Schweriner RG/Berliner RC) verteidigten mit dem Deutschland-Achter erfolgreich den EM-Titel. Einen Angriff der erstaunlich starken Briten konnte die Crew um Steuermann Sauer kurz vor dem Ziel erfolgreich abwehren und mit einem Bugkasten Vorsprung das siebte EM-Gold in Folge gewinnen. "Das ist schon Wahnsinn. Mit zwei neuen Athleten an Bord muss man auch erst einmal eine neue Handschrift finden. Das Ende der Fahnenstange ist auf jeden Fall noch nicht erreicht", freute sich Johannes Weißenfeld über seinen insgesamt dritten Titel. "Es war ein harter Kampf. Die Briten haben ordentlich Druck gemacht. Wir haben das heute über Kampfgeist gelöst", so Schlagmann Hannes Ocik.

Jason Osborne und Jonathan Rommelmann (Mainzer RV/Crefelder RC) haben sich gesucht und gefunden. Auf ihrer ersten gemeinsamen Regatta gewann das Duo auf Anhieb die Goldmedaille. Bug an Bug ging es mit den Italienern auf die letzten 500 m. Dann setzten die Deutschen zu einen beeindrucken Schlussspurt an und sicherten sich so den EM-Titel. „Das ist mehr als wir uns erträumt haben. Wir wussten aufgrund unserer Trainingseindrücke, dass wir relativ schnell fahren können, aber was das hier am Ende bedeutet, wussten wir im Vorfeld auch nicht. Als wir gemerkt haben, dass die Italiener da Druck machen, kam halt ein Kommando und da waren wir uns beide einig, die Italiener lassen wir heute nicht mehr vor. Und das hat gut funktioniert“, freute sich Rommelmann nach dem Triumph.

Leonie Menzel und Carlotta Nwajide (RC Germania Düsseldorf/Deutscher RC von 1884) belohnten sich nach ihren Siegen im Vorlauf und im Halbfinale ebenfalls mit EM-Gold. Auch dieses Duo hatte sich erst vor kurzem beim Weltcup in Duisburg gefunden. "Ich komme nicht klar, mir fehlen einfach die Worte", freute sich eine total erschöpfte Leonie Menzel über den Traumeinstand im A-Bereich. "Wir sind mit einer für unsere Verhältnisse extrem hohe Schlagzahl durchgefahren. Die Bedingungen waren einfach super. Wir haben hier als Frauen-Skull-Team ein gutes Zeichen gesetzt", so Carlotta Nwajide. 

Der Männer-Vierer ohne erkämpfte sich nach 2013 die lang ersehnte Bronzemedaille. Nach einem schnellen Start übernahmen Felix Brummel, Felix Wimberger, Maximilian Planer und Nico Merget (RV Münster/Passauer RG/Bernburger RC/Frankfurter RG Germania) auf der ersten Teilstrecke sogar die Führung. Letztlich überholten die Briten und Polen das deutsche Boot jedoch noch. „Das war ein bretthartes Rennen, die Sonne brennt richtig. Wir wollten hier eine Medaille holen und das haben wir geschafft. Dass wir hier direkt auf so einem Niveau fahren können, ist schon echt cool. Das Team hier um uns rum hat uns super unterstützt, auch vielen Dank dafür“, freute sich Schlagmann Nico Merget.

Die Düsseldorferin Leonie Pieper (RG Germania Düsseldorf) erwischte einen guten Tag im leichten Einer erwischt und gewann Silber. „Ich hatte mit einer Medaille geliebäugelt, aber nicht fest damit gerechnet. In so einem Rennen muss man es ja auch erst einmal zeigen. Ich wollte die ersten 1.000 relativ ruhig mein Ding machen und dann hab ich den Fokus ganz auf die zweiten 1.000 m gelegt, um dann noch einmal zu fighten“, erklärte Pieper ihre Taktik.

Der leitende Bundestrainer Ralf Holtmeyer zeigte sich sehr erfreut über das deutsche Abschneiden. „Das ist insgesamt ein super Ergebnis bei fairen Bedingungen und tollem Wetter. Die junge Leonie und Carlotta haben das super gemacht, auch der Frauen-Doppelvierer und der leichte Doppelzweier waren super. Der Achter hat sehr gut gekontert und sich technisch noch einmal verbessert. Und Olli hat am Ende super reagiert. Jetzt freuen wir uns erstmal, aber es ist auch nur eine EM. Wir müssen dann weiter schauen."

Quelle: DRV/DOSB

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