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Leichtathletik-WM in Doha: Mihambo und Kaul holen Gold

Mit zweimal Gold und viermal Bronze gewann der DLV bei der heftig kritisierten WM eine Medaille mehr als vor zwei Jahren in London (1/2/2). In der Hitze von Doha beeindruckte dabei besonders die junge Garde - allen voran der erst 21 Jahre alte Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul, der wie Mihambo und Klosterhalfen die Zukunft der Sportart prägen könnte.

Die WM 2019 in Doha begann für die deutschen Leichtathleten verhalten. Auf Tage, in denen eher die Rahmenbedingungen der Titelkämpfe im Wüstenstaat für Schlagzeilen sorgten als die sportlichen Leistungen, folgte ein starker Endspurt des deutschen Teams. Trotz zahlreicher fehlender Leistungsträger konnten die DLV-Athleten schließlich sechs Medaillen erringen, zwei goldene und vier in Bronze.

„Zum Abschluss der WM in Doha hat Malaika Mihambo ein absolutes Glanzlicht gesetzt mit einem sehr dominanten Wettkampf. Allein drei Sprünge waren über sieben Meter. Sie ist eine der Top-Performer der WM mit der Siegesweite von 7,30 Meter“, sagte DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska am Sonntagabend. "Das ist unglaublich, ich kann es selbst noch nicht fassen", sagte Mihambo selbst: "Es war nicht einfach, ich hatte am Anfang ein paar Probleme. Jetzt bin ich einfach nur glücklich." Zweite wurde Maryna Bech-Romantschuk aus der Ukraine (6,92) vor Ese Brume (Nigeria/6,91). Dabei musste Mihambo kurz zittern, nach 6,52 und einem ungültigen Versuch war sie nur Siebte, ehe sie hinter dem deutschen Rekord von Drechsler (7,48) zur zweitbesten deutschen Weitspringerin der Geschichte aufstieg.

Klosterhalfen hatte am Samstag dagegen die wohl schwerste Woche ihrer Karriere mit dem größten Erfolg ihrer Laufbahn abgeschlossen. Trotz des Wirbels um die Doping-Affäre ihres alten "Chefs" Alberto Salazar und den Attacken der Konkurrentinnen lief die 22-Jährige zu Bronze über 5000 m. Mit blutigen Beine eroberte sie als erste Deutsche eine Medaille über diese Distanz. "Das ist alles noch surreal", sagte Klosterhalfen, die nach ihrem Coup zugab, "nicht viel geschlafen" zu haben. Allerdings nicht wegen ihrer viel diskutierten Mitgliedschaft im Nike Oregon Project, deren Gründer Salazar am vergangenen Dienstag vier Jahre gesperrt worden war. "Ich weiß, dass das keinen aus meiner Gruppe betrifft", sagte Klosterhalfen, die wieder in die elitäre Laufgruppe zurückkehren will.

Auch Johannes Vetter hat eher Bronze gewonnen als Gold verloren. Für ihn ist die zweite Medaille bei einer WM eine gute Ausgangsposition in Richtung der Olympischen Spiele in Tokio. "Ich versuche in diesem schwierigen Jahr, aus Scheiße Gold zu machen", hatte Vetter vor der WM gesagt. Es wurde Platz drei. Mit Blick auf Olympia muss er sich nach der WM aber operieren lassen. Anders als gedacht fehlten im Finale zwei deutsche Hoffnungsträger. Der Olympiasieger und Europameister Thomas Röhler und der EM-Zweite Andreas Hofmann scheiterten überraschend in der Qualifikation. Julian Weber (Mainz) kam mit 81,26 m auf Platz sechs.

Achtbar zogen sich die verletzungsgeplagten deutschen Sprinterinnen aus der Affäre. Ohne die deutsche Doppel-Meisterin Tatjana Pinto (Knieverletzung) liefen Gina Lückenkemper, Lisa-Marie Kwayie (beide Berlin), Yasmin Kwadwo (Leverkusen) und Jessica-Bianca Wessolly (Mannheim) im Finale über 4x100 m auf Platz fünf.

Am Ende bleiben sechs Siegerehrungen mit deutscher Beteiligung und 69 deutsche Punkte für Platzierungen in den Top Acht – gleichbedeutend mit Rang sieben im Medaillenspiegel und in der Nationenwertung. Kein Resultat, das Anlass zu großer Euphorie bietet. Aber doch eines, das angesichts der zahlreichen Absagen von Top-Athleten und der teils schon auf die Olympischen Spiele in Tokio 2020 ausgerichteten Periodisierung in Ordnung geht.

„Insgesamt war es für mich eine der schwersten und herausforderndsten Weltmeisterschaften mit einem späten Termin, extremen klimatischen Bedingungen für die Straßenwettbewerbe und einem Zeitplan, der nicht unbedingt auf uns ausgerichtet war“, sagt DLV-Generaldirektor Idriss Gonschinska. „Mit Niklas Kaul haben wir zudem ein weiteres neues und absolut sympathisches Aushängeschild für die deutsche Leichtathletik.“

Der junge Mainzer Niklas Kaul und die überragende Weitspringerin des Jahres 2019 Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) werden das deutsche Team in Richtung Tokio führen. Auch die jetzt noch angeschlagenen Erfolgsgaranten der vergangenen Jahre wie Dreispringerin Kristin Gierisch (LAC Erdgas Chemnitz), Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch (VfB Stuttgart) oder Kugelstoßer David Storl (SC DHfK Leipzig) haben schon die „Road to Tokyo“ eingeschlagen.

Mit geballter Teamstärke gilt es in zehn Monaten, die Learnings aus Doha in Erfolge in Tokio umzumünzen. Dort werden ähnliche klimatische Verhältnisse erwartet, mit heißen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit – aber dann ohne klimatisiertes Stadion. Die Feuertaufe haben die Athleten mit Unterstützung des medizinischen Kompetenzteams des DLV bestanden. Bestes Beispiel waren die deutschen Geher, die sich optimal vorbereitet mit drei Top-Platzierungen konkurrenzfähig präsentierten. Diesen Weg werden sie ebenso wie die weiteren deutschen Leichtathleten fortsetzen – auf dass in Tokio wieder sportliche Schlagzeilen im Mittelpunkt stehen.

 

Autor: DOSB, SID, DLV

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